Bleibt analog!
Die vom BVI, insbesondere von Cornelia Hopf-Lonzen, organisierte Veranstaltung WEG.Digital in Leipzig nahm das Thema auf, über das auch die EBZ in einer Umfrage jüngst berichtet hatte, dass nämlich mindestens 40 Prozent der Verwaltungsunternehmen noch nicht über eine klare digitale Strategie verfügen.
Excel. Das sagt alles.
In einer nicht repräsentativen Umfrage, die der Verwalter Leon Lonzen in Auftrag gegeben hatte, zeigte sich, dass 124 Unternehmen mit 38 unterschiedlichen Softwareprogrammen arbeiten. Die Zersplitterung ist enorm. Auf Platz drei der verwendeten Programme: Excel. Das sagt alles.
Zwar ließen uns zwei Referenten erschaudern, als sie darstellten, was mit KI tatsächlich alles getan werden kann: Aufgrund von Angaben zum Objekt erstellt die KI-Lösung harwey.ai ganze Verträge. Preis der Lösung auf Anfrage. Recherchen zeigen: Minimum 1000 Dollar pro Monat. Lukrativ für Anwälte, für Verwalter eher nicht.
Digitalaversion oder was?
Künstliche Intelligenz kann Buchhaltung, die Erstellung von Jahresabrechnung oder Wirtschaftsplänen, Telefonie, Dokumentenverwaltung und vieles mehr. Aber nicht nur das: Der Wirtschaftsanwalt Carsten Lexa zeigte auf, wie schon Chat GPT 5 mit einem guten Prompt kreativ wird, zuckersüße oder sarkastische Schreiben verfasst, je nach Zielgruppe und Anlass.
Warum also ist die Digitalisierungsquote so niedrig? Anwender zu alt? Zu wenig ausgabeaffin? Fragen kannst du sie nicht, denn keiner würde seine Digitalaversion eingestehen. Aber nicht auszuschließen, dass die Zurückhaltung geplant ist. Verwalter sind ja nicht blöd.
KI-Impact und Industrielle Revolution
Ich habe eine Theorie: Vielleicht haben sie einfach keine Lust, jahrzehntelang darauf zu warten, dass sich Softwareunternehmen auf gemeinsame Schnittstellen einigen. Insellösungen bei Softwareanbietern waren schon vor 25 Jahren ein Thema. BVI-Präsident Thomas Meier mahnte in seiner jetzigen Eröffnungsrede an, es nun endlich anzugehen. Auch auf der Integrationsplattform Aareon Connect passiere nicht viel, so Veranstaltungsteilnehmer. Ich selber glaube nicht mehr an den Weihnachtsmann.
Der Impact von KI sei zehnmal größer als der der Industriellen Revolution und passiere zehnmal schneller, so Nobelpreisträger Demis Hassabis. Ein Referent, der mich bat, seinen Namen nicht zu nennen, meinte lapidar: In fünf Jahren brauchen wir keine Schnittstellen oder Integrationsplattformen mehr. Denn dann könne die KI sicher einfach Daten aus einem Programm in ein anderes übertragen.
Wer will es der gebeutelten Verwalterbranche vor diesem Hintergrund verdenken, wenn sie noch ein paar Jahre mit der Digitalisierung oder jedenfalls mit der Digitalisierungsstrategie wartet? Wenn sie so lange analog überlebt, dürfte sie jedenfalls große Kosten gespart haben.
Am Ende sei noch erwähnt – sorry, BVI, dass das erst jetzt kommt: Es war ein gehaltvoller, gut organisierter, kurzweiliger Kongress in Leipzig. Der BVI hat, jedenfalls in diesem Jahr, darauf gesetzt, statt der großen Jahresveranstaltung die Landesveranstaltungen aufzuwerten. Interessantes Konzept. Ich bin gespannt, wie es im nächsten Jahr weitergeht.
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