Negative Einkünfte können einem Arbeitnehmer auch durch Aufwendungen vor dem Beginn seiner eigentlichen Tätigkeit entstehen. Diese "vorab entstandenen oder vorweggenommenen Werbungskosten"[1] sind steuerlich anzuerkennen, wenn zwischen ihnen und einer in Aussicht genommenen Tätigkeit zur Erzielung von Arbeitseinkünften ein hinreichend konkreter Zusammenhang besteht.[2] Das kann auch eine Umschulungs- oder Qualifizierungsmaßnahme sein.[3][4] Ob und in welchem Umfang die Aufwendungen für das Herrichten eines häuslichen Arbeitszimmers für eine nachfolgende berufliche Tätigkeit als Werbungskosten abziehbar sind, bestimmt sich nach den zu erwartenden Umständen der späteren beruflichen Tätigkeit.[5] Nicht entscheidend ist, ob die beabsichtigte berufliche Nutzung im Jahr des Aufwands bereits begonnen hat.[6]

Dieser Grundsatz gilt für alle Überschusseinkunftsarten sowie entsprechend bei Gewinneinkünften, bei denen es sich dann um vorweggenommene Betriebsausgaben handelt.[7]

 
Hinweis

Erwerb einer Beteiligung

Die Frage, ob vergebliche Aufwendungen für den Erwerb einer Kapitalbeteiligung vorweggenommene Werbungskosten aus nichtselbstständiger Arbeit darstellen, wenn ein enger Zusammenhang mit einer angestrebten Anstellung als Vorstand in der – noch zu gründenden – Kapitalgesellschaft bestand und die geplante Beteiligung lediglich 10 % betragen sollte, hat der BFH verneint.[8]

[4] Zu den Kosten für berufliche Erstausbildung und Erststudium ­unmittelbar nach Schulabschluss s. Aus- und Fortbildungskosten als Werbungskosten sowie (Erst-)Ausbildungskosten als Sonderausgaben.
[5] BMF, Schreiben v. 6.10.2017, IV C 6 – S 2145/07/10002 :19, BStBl 2017 I S. 1320, Rz. 24a; dieses Schreiben ist weiterhin anzuwenden, BMF, Schreiben v. 18.3.2021, IV A 2 – O 2000/20/10001 :001, BStBl 2021 I S. 390, Anlage 1 Nr. 623,

BFH, Urteil v. 19.8.2004, VI R 103/01, BFH/NV 2005 S. 48; BFH, Urteil v. 2.12.2005, VI R 63/03, BStBl 2006 II S. 329.

[7] BMF, Schreiben v. 6.10.2017, IV C 6 – S 2145/07/10002 :19, BStBl 2017 I S. 1320, Rz. 24a; dieses Schreiben ist weiterhin anzuwenden, BMF, Schreiben v. 18.3.2021, IV A 2 – O 2000/20/10001 :001, BStBl 2021 I S. 390, Anlage 1 Nr. 623,

BFH, Urteil v. 15.11.2005, IX R 3/04, BStBl 2006 II S. 258; BFH, Urteil v. 28.3.2007, IX R 46/05, BFH/NV 2007 S. 1490; BFH, Urteil v. 19.2.2009, IV R 18/06, BStBl 2009 II S. 654; BFH, Urteil v. 18.8.2010, X R 30/07, BFH/NV 2011 S. 215; BFH, Urteil v. 24.5.2011, VIII R 3/09, BStBl 2012 II S. 254.

[8] H 9.1 EStH "Beteiligung am Arbeitgeberunternehmen",

BFH, Urteil v. 17.5.2017, VI R 1/16, BStBl 2017 II S. 1073.

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Haufe Finance Office Premium. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Haufe Finance Office Premium 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge