Lohnsteuerklassen und Steue... / 1 Maßgebende Steuerklassen

Die Steuerklassen sind für die Höhe der im Lohnsteuerabzugsverfahren durch den Arbeitgeber einzubehaltenden Steuerabzugsbeträge von entscheidender Bedeutung. Die für die Lohnsteuerberechnung erforderlichen persönlichen Besteuerungsmerkmale des Arbeitnehmers werden zentral vom Bundeszentralamt für Steuern in der sog. ELStAM-Datenbank verwaltet und dem Arbeitgeber auf Abruf in einem authentifizierten Verfahren in elektronischer Form zur Verfügung gestellt.

Die Zuständigkeit für die Änderung der Lohnsteuerabzugsmerkmale liegt bei den Finanzämtern. Eine Steuerklassenänderung für das Lohnsteuerverfahren darf nur durch das Finanzamt, ggf. im Rahmen des Lohnsteuerermäßigungsverfahrens[1], vorgenommen werden.[2]

Die Steuerklassen bestimmen, welche persönlichen Verhältnisse und, daran anknüpfend, welche Freibeträge beim Lohnsteuerabzug berücksichtigt werden. Weiter ergibt sich hieraus, ob der Grundtarif oder aber der für verheiratete Arbeitnehmer bzw. der für Arbeitnehmer einer eingetragenen Lebenspartnerschaft maßgebliche Splittingtarif der Lohnsteuerberechnung zugrunde zu legen ist.

Die folgende Tabelle gibt an, welcher Steuertarif und welche Freibeträge für die einzelnen Steuerklassen in die Tabelle eingearbeitet sind. Die Steuerklasse VI wurde wegen des komplizierten besonderen Berechnungsverfahrens nicht dargestellt.

 
Steuerklassen I II III IV V
Grundfreibetrag1 9.696 9.696 19.392 9.696 0
Arbeitnehmer-Pauschbetrag 1.000 1.000 1.000 1.000 1.000
Sonderausgaben-Pauschbetrag 36 36 36 36 36
Vorsorgepauschale2 ja ja ja ja ja
Entlastungsbetrag für Alleinstehende 0 1.908 0 0 0

Tab. 1: Steuerklassen und Steuerabzugsbeträge

1 Die Beträge sind in EUR angegeben und beziehen sich auf die 2021 geltende Gesetzesfassung.[3]

2 Die Vorsorgepauschale wird im Lohnsteuerabzugsverfahren bei allen Steuerklassen berücksichtigt. Die Höhe der Vorsorgepauschale hängt von der Höhe des Arbeitslohns (Tabelle A) sowie bei privat versicherten Arbeitnehmern davon ab, welche Beiträge (ggf. auch Zusatzbeiträge) zur Krankenversicherung und privaten Pflege-Pflichtversicherung für die Basisversorgung tatsächlich zu zahlen sind (Tabelle B).[4]

Steuerklasse I

Die Steuerklasse I gilt für alleinstehende Arbeitnehmer, z. B. ledige, dauernd getrennt lebende oder geschiedene Personen, und für verwitwete Arbeitnehmer, wenn der Ehegatte oder eingetragene Lebenspartner nicht erst im Vorjahr verstorben ist. Ebenso in die Steuerklasse I einzureihen sind ausländische Arbeitnehmer, deren Ehegatte bzw. Lebenspartner im Ausland wohnen, wenn es sich nicht um EU- bzw. EWR-Staaten handelt (s. Steuerklasse III).

Steuerklasse II

In die Steuerklasse II[5] sind Arbeitnehmer einzureihen, die den (Grund-)Entlastungsbetrag für Alleinerziehende i. H. v. 1.908 EUR erhalten.[6] Dies sind die unter der Steuerklasse I bezeichneten Personen, wenn zu deren Haushalt mindestens 1 Kind gehört, für das der Arbeitnehmer einen Kinderfreibetrag oder Kindergeld erhalten kann. Die Haushaltszugehörigkeit ist anzunehmen, wenn das Kind in der Wohnung des alleinerziehenden Arbeitnehmers mit Haupt- oder Nebenwohnsitz gemeldet ist. Die Haushaltszugehörigkeit wird durch den Gesetzeswortlaut[7] unwiderlegbar an die Wohnung des Alleinerziehenden geknüpft, in der das Kind gemeldet ist.[8] Der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende wird in Form eines Grundbetrags von 1.908 EUR plus einem Erhöhungsbetrag von jeweils 240 EUR ab dem zweiten Kind gewährt. Über die Steuerklasse II kann aber nur der Grund-Entlastungsbetrag von 1.908 EUR für das 1. Kind berücksichtigt werden. Der Erhöhungsbetrag von 240 EUR, den der Gesetzgeber für jedes weitere haushaltszugehörige Kind gewährt, kann nur im Wege des Lohnsteuerermäßigungsverfahrens als Freibetrag zum Abzug kommen.[9]

Zur Abmilderung der Alleinerziehenden durch die Corona-Pandemie entstehenden Zusatzkosten wird der Grund-Entlastungsbetrag durch einen Zusatzfreibetrag von 2.100 EUR zeitlich befristet für 2020 und 2021 angehoben. Für die beiden Jahre ergibt sich dadurch ein Steuerentlastungsbetrag in der Steuerklasse II von insgesamt 4.108 EUR.[10] Der Erhöhungsbetrag von 240 EUR pro weiterem Kind bleibt unverändert.

 
Hinweis

Erhöhungsbetrag für Kinder und Corona-Zusatzfreibetrag nur im Lohnsteuer-Ermäßigungsverfahren

Über die Steuerklasse II wird nur der (Grund-)Entlastungsbetrag von 1.908 EUR für das erste Kind berücksichtigt. Die Erhöhungsbeträge von 2.100 EUR für die Corona-Jahre 2020 und 2021 sowie von 240 EUR für jedes weitere haushaltszugehörige Kind können nur als Freibetrag im Lohnsteuerermäßigungsverfahren geltend gemacht werden.[11] Für den Corona-Zusatzentlastungsbetrag beinhaltet das Gesetz eine Verfahrensvereinfachung, die es dem Finanzamt ermöglicht, den Freibetrag auch ohne Antrag des Arbeitnehmers von Amts wegen als Freibetrag in die ELStAM einzutragen. Die zusätzlichen Freibeträge werden für bis zu 2 Jahre als ELStAM im elektronischen Datenpool gespeichert und bescheinigt.[12]

Der Steuerentlastungsbetrag soll ausschließlich "echten" Alleinerziehenden zugute...

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