Im Rahmen des Jahressteuergesetzes 2020 wurde § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG um einen Satz 4 erweitert. Dieser legt die Voraussetzungen für die Inanspruchnahme der sog. Homeoffice-Pauschale fest:

  • der Arbeitsplatz des Steuerpflichtigen in seiner Wohnung erfüllt nicht die Voraussetzungen für den Abzug von Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer,
  • der Steuerpflichtige verzichtet auf den Abzug von Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer,
  • nur an den Tagen, an denen der Steuerpflichtige seiner beruflichen oder betrieblichen Tätigkeit von zu Hause aus nachgegangen ist und ihm keine – außerhalb der eigenen Wohnung belegene – Betätigungsstätte zur Verfügung stand oder vom Steuerpflichtigen tatsächlich aufgesucht wurde.

Gerade die Gruppe der Unternehmer und Arbeitnehmer, die bislang mangels gesondertem und abschließbarem Raum nicht von der Abzugsfähigkeit eines häuslichen Arbeitszimmers profitieren konnten, erhalten über die Homeoffice-Pauschale die Möglichkeit zur Berücksichtigung z. B. eines Schreibtisches im Arbeits- und Schlafzimmer.

 
Praxis-Tipp

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Sollten die Voraussetzungen für den Abzug eines häuslichen Arbeitszimmers grundsätzlich vorliegen, die Aufwendungen aber den Betrag von 600 EUR nicht übersteigen, kann auf den Nachweis der Aufwendungen verzichtet und dafür die neu ins Gesetz eingefügte Homeoffice-Pauschale gewinn- bzw. einnahmemindernd in Ansatz gebracht werden.

 
Praxis-Beispiel

Homeoffice-Pauschale wird von Arbeitnehmer in Anspruch genommen

Arbeitnehmerin J aus Berlin fährt täglich 23 Kilometer von ihrer Wohnung zur Arbeit (einfache Entfernung). Aufgrund der Corona-Krise schickt der Arbeitgeber alle seine Arbeitnehmer ab April 2020 ins Homeoffice. J verfügt lediglich über einen kleinen Tisch im Wohnzimmer, an dem sie ihre Tätigkeit ausüben kann. Im Rahmen der Erstellung ihrer Steuererklärung für den Veranlagungszeitraum 2020 nimmt sie folgende Aufstellung für die Ermittlung ihrer Werbungskosten vor:

Monate, an denen sie zur Arbeit gefahren ist: 3 Monate Januar bis März 2020

 
  23 Arbeitstage für Januar
+ 20 Arbeitstage für Februar
+ 22 Arbeitstage für März
= 65 Arbeitstage × 23 km × 0,30 EUR = 448,50 EUR

Für den Zeitraum des Homeoffice ergeben sich folgende abziehbare Werbungskosten:

 
  22 Arbeitstage für April
+ 21 Arbeitstage für Mai
+ 5 Arbeitstage für Juni (ab 8. Juni bis einschl. 3. Juli Jahresurlaub)
+ 20 Arbeitstage für Juli
+ 21 Arbeitstage für August
+ 22 Arbeitstage für September
+ 9 Arbeitstage für Oktober
= 120 Arbeitstage × 5 EUR pro Tag = 600 EUR

Trotz der Tatsache, dass es sich bei der Arbeitsecke der Arbeitnehmerin J nicht um ein häusliches Arbeitszimmer im Sinne des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG handelt, kann sie die Homeoffice-Pauschale für maximal 120 Tage im Rahmen ihrer Einkünfteermittlung geltend machen.

Ist die maximale Anzahl der Tage für die Homeoffice-Pauschale erreicht, können darüber hinaus keine weiteren Aufwendungen für die Arbeitsecke, die nicht den Erfordernissen eines häuslichen Arbeitszimmers entspricht, geltend gemacht werden. Auch die Wege zwischen Wohnung und Arbeitsstätte können ab Oktober nicht mehr geltend gemacht werden, weil J die Wege nicht zurückgelegt hat.

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