Fahrräder, Elektrofahrräder: Privatnutzung

Wo die Probleme sind:

  • Das richtige Konto
  • Unterscheidung zwischen Fahrrad und Kfz
  • Privatnutzung
  • Bemessungsgrundlage
  • Geldwerter Vorteil

     
    Hinweis

    Corona-Steuerhilfegesetz

    Durch das Zweite Corona-Steuerhilfegesetz kommt es im Zeitraum vom 1.7.2020 bis 31.12.2020 zur Absenkung des Umsatzsteuersatzes auf 16 % bzw. 5 %. Im Rahmen der Buchführung wird der Unternehmer für diesen Zeitraum entweder neue Konten anlegen oder die Buchführungssoftware berücksichtigt die temporäre Absenkung automatisch aufgrund des Leistungsdatums. Im folgenden Beitrag liegt der Fokus nicht auf der Berechnung der Umsatzsteuer, daher wird in Beispielen der bis zum 30.6.2020 gültige und ab dem 1.1.2021 wieder geltende Umsatzsteuersatz von 19 % bzw. 7 % verwendet.

1 So kontieren Sie richtig

 

Praxis-Wegweiser: Das richtige Konto

Kontenbezeichnung SKR 03 SKR 04 Eigener Kontenplan Bilanz/GuV-Position
Löhne 4110 6010    
Verrechnete sonstige Sachbezüge 19 % USt 8613 4948    

So kontieren Sie richtig!

Stellt der Arbeitgeber seinem Arbeitnehmer ein Fahrrad mit oder ohne Elektromotor zur Verfügung, das er auch privat nutzen kann, muss der Arbeitgeber entscheiden, ob ein privater Nutzungsanteil anzusetzen ist. Der private Nutzungsanteil ist seit dem 1.1.2019 in der Regel nur dann als geldwerter Vorteil zu erfassen, wenn das E-Bike als Kfz einzustufen ist. Ist das der Fall, sind die Kosten, die auf die private Nutzung entfallen, auf das Konto "Löhne" 4110 (SKR 03) bzw. 6010 (SKR 04) zu buchen. Die Gegenbuchung erfolgt auf das Konto "Verrechnete Sachbezüge 19 % USt" 8613 (SKR 03) bzw. 4948 (SKR 04). Bei der Einstufung des E-Bikes als Fahrrad ist seit dem 1.1.2019 kein geldwerter Vorteil mehr zu erfassen.

 

Buchungssatz:

Löhne

an Verrechnete sonstige Sachbezüge 19 % USt

2 Praxis-Beispiel für Ihre Buchhaltung: Überlassung eines E-Bikes

Ein Unternehmer hat im Januar 2020 ein E-Bike gekauft, das er seinem Arbeitnehmer für betriebliche und private Fahrten zur Verfügung stellt. Das E-Bike ist verkehrstechnisch als Kfz einzuordnen. Die unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers (Bruttolistenpreis) für das E-Bike beträgt 4.600 EUR. Der private Nutzungsanteil 2020 für das E-Bike beträgt: 4.600 EUR ÷ 4 = 1.150 EUR × 1 % = 11,50 EUR im Monat. Die Umsatzsteuer ist aus diesem Betrag herauszurechnen und beträgt (11,50  ÷ 119 × 19 =) 1,84 EUR.

Berechnung:

 
Bruttolistenpreis: 4.600 EUR
anzusetzen sind 25  %: 1.150 EUR
1 % von 1.150 EUR: 11,50 EUR

Buchungsvorschlag:

 
Konto SKR 03/04 Soll Kontenbezeichnung Betrag Konto SKR 03/04 Haben Kontenbezeichnung Betrag
4110/6010 Löhne 11,50 8613/4948 Verrechnete sonstige Sachbezüge 19 % USt 9,66
      1776/3806 Umsatzsteuer 19 % 1,84

3 Welche Unterscheidungen bei Fahrrädern erforderlich sind

Stellt der Arbeitgeber seinem Arbeitnehmer ein E-Bike zur Verfügung, das er auch privat nutzen kann, muss der Arbeitgeber den privaten Nutzungsanteil seit dem 1.1.2019 nur dann als geldwerten Vorteil erfassen, wenn das E-Bike als Kfz einzustufen ist. Bei der Einstufung des E-Bikes als Fahrrad ist seit dem 1.1.2019 kein geldwerter Vorteil mehr zu erfassen.

Ob ein E-Bike als Fahrrad oder Kfz einzustufen ist, richtet sich nach § 1 des Straßenverkehrsgesetzes (StVG). Danach ist wie folgt zu unterscheiden:

  • Als Kfz gelten Landfahrzeuge, die durch Maschinenkraft bewegt werden, ohne an Bahngleise gebunden zu sein.
  • Kein Kfz sind Landfahrzeuge, die durch Muskelkraft fortbewegt werden und mit einem elektromotorischen Hilfsantrieb mit einer Nenndauerleistung von höchstens 0,25 kW ausgestattet sind, dessen Unterstützung sich mit zunehmender Fahrzeuggeschwindigkeit progressiv verringert und beim Erreichen einer Geschwindigkeit von 25 km/h oder früher, wenn der Fahrer im Treten einhält, unterbrochen wird.

Das gilt auch dann, wenn diese Fahrzeuge zusätzlich über eine elektromotorische Anfahr- oder Schiebehilfe verfügen, die eine Beschleunigung des Fahrzeugs auf eine Geschwindigkeit von bis zu 6 km/h auch ohne gleichzeitiges Treten des Fahrers ermöglicht. Es sind dann die Vorschriften über Fahrräder anzuwenden.

4 Überlassung von (Elektro-)Fahrrädern an Arbeitnehmer

Überlässt der Arbeitgeber seinem Arbeitnehmer ein betriebliches Fahrrad zur privaten Nutzung, wendet er ihm einen geldwerten Vorteil zu. Dieser geldwerte Vorteil ist nach den gleichlautenden Erlassen des Bundesfinanzministeriums (BMF) und der obersten Finanzbehörden der Länder vom 9.1.2020 wie folgt als Arbeitslohn zu erfassen:

  • Die Vorteile aus der Überlassung eines betrieblichen Fahrrads, das kein Kraftfahrzeug ist, sind steuerfrei, wenn der Arbeitgeber diese zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn gewährt.
  • Erfolgt die Überlassung nicht zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn und wird das betriebliche Fahrrad erstmals nach dem 31.12.2018 und vor dem 1.1.2031 zur privaten Nutzung überlassen, wird der monatliche Durchschnittswert der privaten Nutzung für das Kalenderjahr

    • 2019 mit 1 % des auf volle 100 EUR abgerundeten halbierten Listenpreis und
    • ab 1.1.2020 mit 1 % des auf volle 100 EUR abgerundeten Viertels des Listenpreises angesetzt.

Listenpreis ist hier die Preisempfehlung des Herstellers, Importeurs oder Großhändlers im Zeitpunkt der Inbetriebnahme des Fahrrads einschließlich der Umsatzsteuer. Es kommt nicht auf...

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