Vermittler / 7.1 Allgemeine Grundsätze

Eine besondere Gruppe von Vermittlern sind Reisebüros. Sie sind von Reiseveranstaltern zu unterscheiden. Reisebüros werden lediglich vermittelnd tätig, außerhalb des Reisevertrags. Da "Vermittlung" ein Handeln in fremdem Namen und für fremde Rechnung voraussetzt, sind Reisebüros Handelsvertreter i. S. d. § 84 HGB. Als Reisebüro kann jedes Unternehmen angenommen werden, das die Tätigkeit eines Reisebüros ausübt, auch wenn es sich nicht ausdrücklich als Reisebüro bezeichnet.

 

Wichtig

Abgrenzung Reiseveranstalter/Reisevermittler

Ob jemand als Reiseveranstalter im eigenen oder als Reisevermittler im fremden Namen handelt, richtet sich wie im Zivilrecht danach, wie er im allgemeinen Geschäftsverkehr gegenüber dem Kunden auftritt, bzw. als wessen Leistung die Reise am Markt erscheint. Dies ist nach objektiver Würdigung aller Umstände zu entscheiden. In Prospekten und Vordrucken aufgenommene Hinweise auf eine bloße Vermittlertätigkeit können umsatzsteuerlich nur bedeutsam sein, wenn sich der Unternehmer auch entsprechend verhalten hat. Der Unternehmer muss durch eindeutige Vereinbarungen – außerhalb der Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) – herausstellen, dass er nur als Vermittler auftritt. Die tatsächliche Durchführung muss dem entsprechen. Nicht von einer Vermittlungstätigkeit ist auszugehen, wenn der Unternehmer bei objektiver Würdigung der Gesamtumstände gegenüber den Kunden wie ein Reiseveranstalter auftritt.

Die Vermittlungsleistungen von Reisebüros können im Prinzip in 3 Arten unterteilt werden:

  1. Vermittlung von Reiseleistungen für Reiseveranstalter;
  2. Vermittlung von Einzelleistungen, die Bestandteile einer Reise sind, wie z. B. Personenbeförderungen (z. B. Flüge oder Busreisen);
  3. Vermittlung von Umsätzen, die ausschließlich im Drittlandsgebiet bewirkt werden.

Leistungsort der Vermittlungsleistung

Die Vermittlung einer Reiseleistung für einen Reiseveranstalter durch ein Reisebüro wird dort erbracht, wo der Reiseveranstalter (Empfänger der Leistung) sein Unternehmen betreibt oder wo sich dessen Betriebsstätte befindet, an die die Reiseleistung erbracht wird:

  • Hat der Reiseveranstalter seinen Sitz in Deutschland, ist die Vermittlungsleistung des Reisebüros deshalb steuerbar.
  • Hat der Reiseveranstalter seinen Sitz oder seine Betriebsstätte im Ausland (in einem anderen EU-Mitgliedstaat oder in einem Drittland), ist die Vermittlung einer Reiseleistung nicht steuerbar.

Vermittlung einheitlicher Reiseleistungen oder von Einzelleistungen?

Die Vermittlung von Reiseleistungen für Reiseveranstalter im Inland wird vielfach bereits vor der Durchführung der vermittelten Reiseleistungen abgerechnet. Deshalb lässt sich oft nur schwer feststellen, ob es sich bei den vom Reisebüro vermittelten Umsätzen um einheitliche Reiseleistungen i. S. d. § 25 Abs. 1 UStG oder um Einzelleistungen handelt (soweit der Reiseveranstalter die Reiseleistung mit eigenen Mitteln erbringt). Hieraus ergeben sich auch Unsicherheiten, ob die Vermittlungsleistung steuerpflichtig, steuerfrei oder nicht steuerbar ist.

 

Achtung

Verkauf von Eintrittskarten

Mit dem Verkauf von Eintrittskarten, die z. B. ein Reisebüro vom Veranstalter zu Festpreisen (ohne Ausweis einer Provision) oder von Dritten erworben hat und mit eigenen Preisaufschlägen weiterveräußert, erbringt das Reisebüro keine Vermittlungsleistung, wenn nach der Vertragsgestaltung das Reisebüro das volle Unternehmerrisiko trägt. Dies ist der Fall, wenn das Reisebüro die Karten nicht zurückgeben kann.

Vorsteuerabzug aus Vermittlungsprovisionen

Weil Gutschriften (Gutschrift) nur bei steuerpflichtigen Leistungen als Rechnungen (Rechnung) gelten, ist bei der Abrechnung der Vermittlungsleistung mit Gutschriften damit zugleich fraglich, ob den Reiseveranstaltern daraus der Vorsteuerabzug zusteht. Die Verwaltung beanstandet es nicht, wenn die Beteiligten in diesen Fällen die Vermittlung von Flugreisen einvernehmlich zu 70 % als steuerpflichtig behandeln. Reiseveranstalter können in diesen Fällen die auf die als steuerpflichtig behandelte Vermittlungsprovision entfallende Umsatzsteuer als Vorsteuer abziehen. Dies gilt auch in Fällen, in denen mit Gutschriften abgerechnet wird.

Verkauf von Einzeltickets: Vereinfachungsregel für grenzüberschreitende Flüge

Aus Vereinfachungsgründen kann der Verkauf von Einzeltickets für grenzüberschreitende Flüge (Linien- oder Charterflugschein) vom Reisebüro an die Kunden als steuerfreie Vermittlungsleistung behandelt werden. Gleiches gilt für die Umsätze des Consolidators, der in den Verkauf der Einzeltickets eingeschaltet worden ist.

Die Vereinfachungsregelung findet ausschließlich Anwendung beim Verkauf von Einzelflugtickets durch Reisebüros und Tickethändler. Sobald diese ein "Paket" von Flugtickets erwerben und mit anderen Leistungen (z. B. Unterkunft und Verpflegung) zu einer Pauschalreise verbinden, handelt es sich um eine Reiseleistung, deren Umsatzbesteuerung sich nach § 25 UStG richtet. Können nicht alle Reisen aus diesem "Paket" veräußert werden und werden daher Flugtickets oh...

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