Verbindlichkeitenspiegel

Zusammenfassung

 
Begriff

Verbindlichkeiten, die am Bilanzstichtag dem Grunde und der Höhe nach bestimmt und dem Unternehmer bekannt sind, müssen grundsätzlich ohne Rücksicht auf die Fälligkeit handelsrechtlich und steuerrechtlich passiviert werden.

Kapitalgesellschaften müssen im Anhang weitere Angaben zu ihren Verbindlichkeiten machen. Von der Erstellung eines sog. Verbindlichkeitenspiegels sind nur kleine Kapitalgesellschaften befreit. Jeder "Verbindlichkeitenspiegel" – es bietet sich eine tabellarische Übersicht an –, muss dem gesetzlich vorgeschriebenen Gliederungsschema entsprechen. Der Verbindlichkeitenspiegel stellt die Veränderungen der Verbindlichkeiten in einem Bilanzjahr dar.

 
Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

§ 266 HGB regelt die Gliederung der Bilanz für Kapitalgesellschaften; § 268 Abs. 5 HGB, §§ 267 und 267a HGB, § 285 Nr. 1 und 2 HGB und § 288 Abs. 1 HGB; § 5b EStG, elektronische Übermittlung der Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung bzw. Überleitungsrechnung auf Basis des XBRL-Standards; BMF, Schreiben v. 6.6.2018, IV C 6 – S 2133-b/18/10001, E-Bilanz; Veröffentlichung der Taxonomien 6.2 v. 1.4.2018; FM Sachsen-Anhalt, Erlass v. 19.4.2016, 46-S 2133 b-3 betr. elektronische Bilanz; Unterlagen zur Steuererklärung; BMF, Schreiben v. 28.9.2011, IV C 6 – S 2133-b/11/10009, BStBl 2011 I S. 855; FM Schleswig-Holstein, Verfügung v. 17.2.2015, VI 306 – S 2130-048 betr. elektronische Übermittlung von Bilanzdaten gem. § 5b EStG (E-Bilanz) – Gesetzlicher Übermittlungsumfang; OFD Nordrhein-Westfalen, Verfügung v. 29.9.2015, S 1501– 2015/0004 – St 417 betr. Anforderung von nicht mit der E-Bilanz übermittelten Unterlagen – Fälle, die der Außenprüfung unterliegen; OFD Frankfurt/M. , Verfügung v. 12.4.2016, S 1456 A – 001 – St 33, betr. Nachforderung von Unterlagen zur E-Bilanz; BFH, Urteil v. 15.5.2018, VIII R 14/17, BFH/NV 2018 S. 1137: Ablehnung des Antrags auf Verzicht der Übermittlung der E-Bilanz per Datenfernübertragung – Festsetzung von Zwangsgeld. Ausnahme von der Passivierungspflicht s. § 5 Abs. 2a EStG, BFH, Urteil v. 10.8.2016, I R 25/15, BFH/NV 2017 S. 779.

1 Gliederung der Verbindlichkeiten in der Bilanz

Für Kapitalgesellschaften ist die Gliederung der Handelsbilanz gesetzlich genau geregelt.[1] Die Gliederung der Verbindlichkeiten in der Bilanz ist in § 266 Abs. 3 HGB (Passivseite C.) vorgeschrieben. Kleine Kapitalgesellschaften[2] können eine verkürzte Bilanz aufstellen, in die nur die in den § 266 Abs. 2 und 3 HGB mit Buchstaben und römischen Zahlen bezeichneten Posten gesondert und in der vorgeschriebenen Reihenfolge aufgenommen werden.[3]

Auch Kleinstkapitalgesellschaften[4] können eine verkürzte Bilanz aufstellen, in die nur die in den § 266 Abs. 2 und 3 HGB mit Buchstaben bezeichneten Posten gesondert und in der vorgeschriebenen Reihenfolge aufgenommen werden.[5]

Für die Praxis bedeutet dies, dass kleine und Kleinstkapitalgesellschaften in der Bilanz "nur" die Position C. "Verbindlichkeiten" ausweisen und nicht nach der Art der Verbindlichkeiten unterscheiden müssen.

Empfehlenswert ist es, wenn auch letztere und Einzelkaufleute[6] und Personengesellschaften (OHG und KG)[7] sich an die Gliederung nach § 266 Abs. 3 HGB (Passivseite C.) halten, weil dadurch "hinreichend" der Bilanzausweis aufgeschlüsselt dargestellt wird.

C. Verbindlichkeiten:

  1. Anleihen,

    davon konvertibel;

  2. Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten;
  3. erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen;
  4. Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen;
  5. Verbindlichkeiten aus der Annahme gezogener Wechsel und der Ausstellung eigener Wechsel;
  6. Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen;
  7. Verbindlichkeiten gegenüber Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht;
  8. sonstige Verbindlichkeiten,

    davon aus Steuern,

    davon im Rahmen der sozialen Sicherheit.

Aufgrund des durch das BilRUG v. 17.7.2015[8] geänderten § 268 Abs. 5 HGB ist ab dem Jahresabschluss 2016 neben dem Betrag der Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit von bis zu einem Jahr auch der Betrag der Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr zu jedem gesondert auszuweisenden Posten (einschließlich des Gesamtbetrags) zu vermerken.[9]Erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen sind, soweit Anzahlungen auf Vorräte nicht von dem Posten "Vorräte" offen abgesetzt werden, unter den Verbindlichkeiten gesondert auszuweisen.[10] Sind unter dem Posten "Verbindlichkeiten" hohe Beträge für Verbindlichkeiten ausgewiesen, die erst nach dem Abschlussstichtag rechtlich entstehen, müssen diese im Anhang erläutert werden.[11]

Der Vermerk der Restlaufzeiten bis zu 1 Jahr und die Angabe der Restlaufzeiten von mehr als fünf Jahren können zum Zwecke der Klarheit der Aussage in der Bilanz zusammengefasst werden. Allerdings muss dieser Posten dann im Anhang gesondert ausgewiesen werden.[12]

 
Wichtig

Berechnung der Restlaufzeiten von Verbindlichkeiten

Die Bemessung der Restlaufzeit ist stichtagsbezogen. Sie beginnt also am Bilanzstichtag. Der Laufzeitbeginn ist unbeachtlich. Im Übrigen kommt es bezüglich des Endes der Berechnung auf die vereinbarte F...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Finance Office Professional. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Finance Office Professional 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge