Umsatzsteuer, Sicherungseinbehalt

Wo die Probleme sind:

  • Das richtige Konto
  • Sicherungseinbehalt
  • Höhe der Umsatzsteuer
  • Zeitpunkt der Zahlung
  • Nicht fällige Umsatzsteuer
 
Hinweis

Durch das Corona-Steuerhilfegesetz II wird vorübergehend der allgemeine Umsatzsteuersatz von 19 % auf 16 % und der ermäßigte Umsatzsteuersatz von 7 % auf 5 % reduziert. Da die Senkung der Steuersätze nur befristet vom 1.7.2020 bis 31.12.2020 gilt, wurde sie in diesem Beitrag nicht berücksichtigt. Informationen zu den Auswirkungen der Steuersatzänderung finden Sie im Beitrag "Absenkung des Umsatzsteuersatzes 2020: Herausforderungen für die Praxis".

1 So kontieren Sie richtig!

 

Praxis-Wegweiser:

"Das richtige Konto"

Kontenbezeichnung

Umsatzsteuer nicht fällig 19 %
Eigener Kontenplan SKR 03
  1766
IKR  
4815 SKR 04
  3816
 

Kostenstelle/

Schlüssel
 

Praxis-Wegweiser:

"Das richtige Konto"

Kontenbezeichnung

Umsatzsteuer 19 %
Eigener Kontenplan SKR 03
  1776
IKR  
4806 SKR 04
  3806
 

Kostenstelle/

Schlüssel

So kontieren Sie richtig!

Bei der Sollbesteuerung zahlt der Unternehmer die Umsatzsteuer für den Voranmeldungszeitraum, in dem er seine Leistung erbracht hat. Soweit die Kunden noch keine Zahlungen geleistet haben, tritt er gegenüber dem Finanzamt hinsichtlich der Umsatzsteuer in Vorleistung. Die Vorfinanzierung entfällt jedoch, wenn von vornherein klar ist, dass dem Unternehmer das Entgelt bzw. ein Teil des Entgelts erst nach längerer Zeit zufließt. Das gilt insbesondere in der Baubranche, wenn Zahlungen bis zum Ende von Gewährleistungsfristen erst nach 2 bis 5 Jahren eingehen. Behält der Leistungsempfänger einen Betrag ein, kann der Unternehmer insoweit die Umsatzsteuer korrigieren und bucht die noch nicht fällige Umsatzsteuer auf das Konto "Umsatzsteuer nicht fällig 19 %" 1766 (SKR 03) bzw. 3816 (SKR 04).

 

Buchungssatz:

Umsatzsteuer 19 %

an Umsatzsteuer nicht fällig

2 Praxis-Beispiel für Ihre Buchhaltung: Sicherungseinbehalt über mehrere Jahre

Bauunternehmer Huber rechnet im März gegenüber seinem Kunden, der Braun-GmbH, eine Bauleistung über 100.000 EUR zzgl. 19 % Umsatzsteuer = 19.000 EUR ab.

 

Konto

SKR 03 Soll
Kontenbezeichnung Betrag

Konto

SKR 03 Haben
Kontenbezeichnung Betrag
15322 Braun-GmbH 119.000 8400 Erlöse 19 % USt 119.000
 

Konto

SKR 04 Soll
Kontenbezeichnung Betrag

Konto

SKR 04 Haben
Kontenbezeichnung Betrag
15322 Braun-GmbH 119.000 4400 Erlöse 19 % USt 119.000

Der Kunde ist berechtigt, einen Sicherungseinbehalt i. H. v. 10 % = 10.000 EUR zuzüglich 1.900 EUR Umsatzsteuer zurückzuhalten. Den Betrag von 11.900 EUR zahlt der Kunde erst nach Ablauf von 3 Jahren.

Ergebnis: Bauunternehmer Huber korrigiert die Umsatzsteuer sofort für den Voranmeldungszeitraum März. Er erfasst (100.000 EUR – 10.000 EUR =) 90.000 EUR als Bemessungsgrundlage und zahlt 90.000 EUR × 19 % = 17.100 EUR ans Finanzamt. Den Differenzbetrag von 1.900 EUR Umsatzsteuer zahlt er erst nach Ablauf von 3 Jahren, nachdem sein Kunde die ausstehenden 11.900 EUR gezahlt hat.

 

Konto

SKR 03 Soll
Kontenbezeichnung Betrag

Konto

SKR 03 Haben
Kontenbezeichnung Betrag
1200 Bank 107.100 15322 Braun-GmbH 107.100
1776 Umsatzsteuer 19 % 1.900 1766 Umsatzsteuer nicht fällig 19 % 1.900
 

Konto

SKR 04 Soll
Kontenbezeichnung Betrag

Konto

SKR 04 Haben
Kontenbezeichnung Betrag
1800 Bank 107.100 15322 Braun-GmbH 107.100
3806 Umsatzsteuer 19 % 1.900 3816 Umsatzsteuer nicht fällig 19 % 1.900

3 Umsatzsteuer für Sicherungseinbehalte muss nicht mehr sofort gezahlt werden

Unternehmer müssen Ihre Umsätze nach dem Sollprinzip der Umsatzsteuer unterwerfen, wenn sie die Voraussetzungen für die Istbesteuerung nicht erfüllen. Bei Unternehmen in der Baubranche gilt regelmäßig die Sollbesteuerung. D. h., Unternehmer zahlen die Umsatzsteuer in dem Voranmeldungszeitraum, in dem sie ihre Leistung erbracht haben. Soweit der Unternehmer von seinen Kunden noch keine Zahlungen erhalten hat, treten diese gegenüber dem Finanzamt hinsichtlich der Umsatzsteuer in Vorleistung. Die Vorfinanzierung entfällt erst dann, wenn der Unternehmer seinen Entgeltsanspruch nicht durchsetzen kann.[1]

3.1 Uneinbringlichkeit als Umsatzsteuerkorrekturgrund

Soweit sich die Sollbesteuerung im Einzelfall als unverhältnismäßig erweisen sollte, ist dem durch die Auslegung des Berichtigungstatbestandes der Uneinbringlichkeit gem. § 17 Abs. 2 Nr. 1 UStG Rechnung zu tragen. Laut BFH ist ein Entgelt uneinbringlich, wenn bei objektiver Betrachtung damit zu rechnen ist, dass der Leistende die Entgeltforderung (ganz oder teilweise) jedenfalls auf absehbare Zeit rechtlich oder tatsächlich nicht durchsetzen kann.[1] Der BFH geht somit von einer Uneinbringlichkeit aus, wenn von vornherein klar ist, dass dem Unternehmer das Entgelt bzw. ein Teil des Entgelts erst nach längerer Zeit zufließt.[2] Das gilt insbesondere in der Baubranche, wenn Zahlungen bis zum Ende von Gewährleistungsfristen erst nach 2 bis 5 Jahren eingehen.

3.2 Umsatzsteuerzahlung für Sicherungseinbehalt erst bei Geldeingang

Die Umsatzsteuer ist eine indirekte Steuer, die den Unternehmer nicht belasten soll. Aus diesem Grund ist eine Vorfinanzierung der Umsatzsteuer über mehrere Jahre nicht gerechtfertigt. Eine Vorfinanzierung über mehrere Jahre verstößt – wenn man das Verhältnis zwischen Soll- und Istbesteuerung betrachtet – gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz...

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