Rückstellung/Verbindlichkei... / 2.2 Steuerliche Behandlung in der Buchhaltung

Auch in der Steuerbilanz ist für den Erfüllungsrückstand eine Verbindlichkeit auszuweisen. Da die Verpflichtung weder kurzfristig noch verzinslich ist, muss nach § 6 Abs. 1 Nr. 3 EStG eine Abzinsung mit einem Zinssatz von 5,5 % vorgenommen werden. Der Abzinsungszeitraum ist bei Geldleistungsverpflichtungen der Zeitraum bis zur Fälligkeit einer Verpflichtung. Da der Erfüllungsrückstand über mehrere Perioden fällig wird, ist vom letzten Fälligkeitszeitpunkt, nämlich dem 31.12.05, auszugehen. Da die Verbindlichkeit zum 31.12.01 zu bilden ist, ergibt sich ein Abzinsungszeitraum von 4 Jahren (vom 31.12.01 bis 31.12.05). Die laufzeitkongruenten Diskontierungsfaktoren können der Tab. 2 des genannten BMF-Schreibens vom 26.5.2005 entnommen werden.

 

Hinweis

Abzinsungsfaktoren dem Bewertungsgesetz zu entnehmen

Die Abzinsungsfaktoren können auch der Anlage 26 des BewG aus der Spalte "Zinssatz 5,5 %" entnommen werden.

Nach der Anlage 26 des Bewertungsgesetzes ergeben sich für die hier relevanten Restlaufzeiten (Spalte a der nachfolgenden Tabelle), die in der folgenden Tabelle in Spalte b eingetragenen Diskontierungsfaktoren. Unter Anwendung der Diskontierungsfaktoren für den Abzinsungssatz von 5,5 % ergibt sich folgender Rückstellungsverlauf über die Laufzeit:

 
Datum Restlaufzeit Diskontierungsfaktor Erfüllungsrückstand (= Erfüllungsbetrag) zum 31.12. Bestand Rückstellung 31.12 (= Barwert Erfüllungsbetrag)
  a b c d = b*c
31.12.01 4 0,807 10.000 8.070
31.12.02 3 0,852 15.000 12.780
31.12.03 2 0,898 15.000 13.470
31.12.04 1 0,948 10.000 9.480
31.12.05 0 - - -

Insgesamt ergeben sich in den Jahren 01-04 durch die Abzinsung der Verbindlichkeit in der Steuerbilanz Unterschiede zum Ausweis in der Handelsbilanz:

  • Zum 31.12.01 ist in der Steuerbilanz der abgezinste Erfüllungsbetrag auszuweisen. Der Unterschiedsbetrag zum Erfüllungsbetrag i. H. v. 1.930 EUR ist als Ertrag auf dem Konto "Zinserträge aus der Abzinsung von Verbindlichkeiten" (SKR 03/04 2683/7141) auszuweisen.
  • Auch im Jahr 02 entsteht ein Ertrag aus der Abzinsung, der analog wie im Jahr 01 zu erfassen ist.
  • In den Jahren 03, 04 und 05 entstehen hingegen Zinsaufwendungen aus der Aufzinsung der Verbindlichkeit, die auf dem Konto "Zinsaufwendungen aus der Abzinsung von Verbindlichkeiten" (SKR 03/04 2143/7361) zu erfassen sind.

In diesem Beispiel wird davon ausgegangen, dass in der Buchhaltung nur die handelsrechtlichen Werte gebucht werden. In diesem Fall sind die abweichenden steuerlichen Werte in der Überleitung zur E-Bilanz zu berücksichtigen. Für die dargestellte Verbindlichkeit aus einem Erfüllungsrückstand ergeben sich folgende Differenzen bzw. Überleitungsbeträge in den einzelnen Jahren der Darlehenslaufzeit:

 
Datum Wert Handelsbilanz +/- Wertänderung Vorperiode +/- Wertänderung aktuelle Periode Wert Steuerbilanz Gegenposition (Wertänderung aktuelle Periode) SKR 03/04
31.12.01 10.000 0 -1930 8.070 2683/7141 Zinserträge aus der Abzinsung von Verbindlichkeiten
31.12.02 15.000 -1.930 -290 12.780 2683/7141 Zinserträge aus der Abzinsung von Verbindlichkeiten
31.12.03 15.000 -2.220 690 13.470 2143/7361 Zinsaufwendungen aus der Abzinsung von Verbindlichkeiten
31.12.04 10.000 -1.530 1.010 9.480 2143/7361 Zinsaufwendungen aus der Abzinsung von Verbindlichkeiten

Im Jahr 05 wird zum 31.12.05 keine Verbindlichkeit aus Erfüllungsrückstand mehr ausgewiesen, da der Erfüllungsrückstand abgebaut ist und das Darlehen am 31.12.05 in Höhe des Erfüllungsbetrags von 1.000.000 EUR zurückgezahlt wird. Daher muss die Verbindlichkeit zum Jahresende nicht übergeleitet werden. Allerdings muss vor Ausbuchung der Verbindlichkeit der Zinseffekt von 520 EUR für das Jahr 05 gegen das Konto "Zinsaufwendungen aus der Abzinsung von Verbindlichkeiten" korrigiert werden.

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