Reisekosten / 5.1.3 Fahrten zum Arbeitgebersammelpunkt und weiträumigen Tätigkeitsgebiet

Treffpunktfahrten und Fahrten in ein weiträumiges Arbeitsgebiet sind keine Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte, sondern fallen unter den Reisekostenbegriff der beruflichen Auswärtstätigkeit. Weder der gleichbleibende Treffpunkt noch das weiträumige Arbeitsgebiet erfüllen die Voraussetzungen einer betrieblichen Einrichtung. Gleichwohl zählen die hierbei anfallenden Fahrtkosten nicht zu den begünstigten Reisekosten. Entscheidend ist, dass aufgrund der arbeitsrechtlichen Direktiven der Arbeitnehmer dauerhaft zu diesem Sammelpunkt kommen muss. Etwas anderes gilt, wenn sich der Arbeitnehmer aus freien Stücken dort einfindet, um von dort aus seinen Einsatzort zu erreichen. Der Gesetzgeber hat den Ansatz der nachteiligen Entfernungspauschale deshalb daran geknüpft, dass der Arbeitnehmer diesen Ort oder das weiträumige Tätigkeitsgebiet typischerweise arbeitstäglich zur Arbeitsaufnahme aufsuchen muss.

 

Wichtig

Entfernungspauschale nur bei typischerweise arbeitstäglichen Fahrten

Die Finanzverwaltung wendet die gesetzlich fingierte Entfernungspauschale nur auf solche Sachverhalte an, in denen die Anfahrt des Arbeitnehmers zum Sammel-/Treffpunkt bzw. zum weiträumigen Tätigkeitsgebiet nahezu ausschließlich arbeitstäglich erfolgt. Arbeitnehmer, die regelmäßig mehrtägige Auswärtstätigkeiten unternehmen, sind daher von der gesetzlichen Fiktion ausgeschlossen, z. B. Lkw-Fahrer im ­Güterfernverkehr oder Flugpersonal mit Langstreckenflügen. Eine andere Auffassung vertritt das Sächsische Finanzgericht, das den Begriff "arbeitstägliche Fahrt" dahingehend auslegt, dass eine typischerweise arbeitstägliche Anfahrt zu einem Sammelpunkt auch dann vorliegt, wenn zwar die Anfahrt von der Firma nicht an jedem Arbeitstag stattfindet, jedoch immer dann, wenn der Mitarbeiter von zu Hause zum Betrieb fährt, um von dort beginnend seine Arbeit binnen eines Tages oder längerwährend auf einer Baustelle zu verrichten. Der BFH hat das Verfahren in der Hauptsache aus formalen Gründen erledigt, ohne eine inhaltliche Entscheidung zu treffen.

Fahrten zum Arbeitgebersammelpunkt

Das Gesetz fingiert eine Gleichstellung mit den Fahrten zu einer Tätigkeitsstätte beim Arbeitgeber, wenn der Arbeitnehmer

  • keine erste Tätigkeitsstätte hat und
  • aufgrund der arbeitsrechtlichen Weisungen seines Arbeitgebers zur Arbeitsaufnahme arbeitstäglich dauerhaft denselben Ort oder dasselbe weiträumige Tätigkeitsgebiet aufsucht.

Fährt also der Arbeitnehmer aufgrund arbeitsrechtlicher Anweisung zur Aufnahme seiner beruflichen Tätigkeit dauerhaft typischerweise arbeitstäglich zum selben Ort, gilt für diese Fahrten die Regelung der Entfernungspauschale. Erst die anschließende Weiterfahrt fällt unter die Reisekostenregeln. In Betracht kommen Fahrten zum gemeinsamen Treffpunkt für einen betrieblichen Sammeltransport zur Baustelle, zum Busdepot oder Bahnhof bei im Fahrdienst beschäftigten Arbeitnehmern sowie der (Fähr-)Hafen bzw. die Schiffsanlagestelle beim Schiffspersonal.

 

Praxis-Beispiel

Entfernungspauschale Fahrten zum Busdepot

Ein Arbeitnehmer ist als Busfahrer beim örtlichen Verkehrsunternehmen beschäftigt. Er ist verpflichtet, sich zu Arbeitsbeginn im Busdepot einzufinden, um den Bus zu übernehmen, dessen Linie er befährt. Der Arbeitgeber unterhält 2 Busdepots mit unterschiedlichen Standorten innerhalb einer Großstadt. Der Busfahrer fuhr bislang von seiner Wohnung in das Busdepot Süd. Ab dem kommenden Monat muss er den Bus im Busdepot Nord übernehmen.

Sowohl das Busdepot Süd als auch das Busdepot Nord stellen für B einen Sammelpunkt dar, weil er sich auf Weisung seines Arbeitgebers dort einfinden muss, um seine Arbeit aufnehmen zu können. Daher konnte er für diese Fahrten bisher lediglich 0,30 EUR pro Entfernungskilometer ansetzen und das wird auch ab dem nächsten Monat für die Fahrtstrecke von seiner Wohnung zum Busdepot Nord der Fall sein.

Weitere typische Sachverhalte sind arbeitstägliche Fahrten von Berufskraftfahrern zum Fahrzeugübernahmedepot, insbesondere bei Fahrern im gewerblichen Güterverkehr zum Lkw-Standort, für die ebenfalls nur die nachteilige Entfernungspauschale gilt. Die arbeitgeberseitige Festlegung der arbeitstäglichen Fahrten zum "Sammelpunkt" kann sich auch aus der jeweiligen Eigenart der betrieblichen Tätigkeit ergeben, etwa wenn Fahrer im Zustelldienst jeden Morgen zunächst ihre auszuliefernden Waren im Paketdepot abholen müssen.

Neben den Fahrten von Berufskraftfahrern zum Fahrzeugübernahmedepot sind von der nachteiligen Rechtsänderung Fahrten von Bauarbeitern zum betrieblich festgelegten Treffpunkt, um von dort im Rahmen der angeordneten Sammelbeförderung zur jeweiligen auswärtigen Einsatzstelle zu fahren, betroffen.

 

Praxis-Beispiel

Entfernungspauschale für Fahrten zum betrieblichen Sammeltransport

Die Arbeiter einer Baufirma haben sich arbeitstäglich am Betriebshof zu treffen, um anschließend mit den betrieblichen Fahrzeugen im Sammeltransport die jeweiligen Baustellen anzufahren. Eine arbeitsrechtliche Festlegung der ersten Tätigkeitsstätte i...

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