Nichtfinanzielle Erklärung / 3.1 Gesetzliche Inhalte
 

Rz. 8

Inhaltlich ist neben einer kurzen Beschreibung des Geschäftsmodells in der nichtfinanziellen (Konzern-)Erklärung zumindest auf Umwelt-, Arbeitnehmer- und Sozialbelange sowie die Achtung der Menschenrechte und Bekämpfung von Korruption und Bestechung einzugehen (§ 289c Abs. 12 HGB sowie durch Verweis über § 315c Abs. 2 HGB auch im Konzern). Konkret können die in Tabelle 1 exemplarisch dargestellten denkbaren Beispiele für Angaben genannt werden.

 
Umweltbelange Z. B. Angaben zu Treibhausgasemissionen, zum Wasserverbrauch, zur Luftverschmutzung, zur Nutzung von erneuerbaren und nicht erneuerbaren Energien oder zum Schutz der biologischen Vielfalt.
Arbeitnehmerbelange Z. B. Angaben zu Maßnahmen, die zur Gewährleistung der Geschlechtergleichstellung ergriffen wurden, zu den Arbeitsbedingungen, zur Umsetzung der grundlegenden Übereinkommen der Internationalen Arbeitsorganisation, zur Achtung der Rechte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, zum Informationsfluss und zur Konsultierung, zum sozialen Dialog, zur Achtung der Rechte der Gewerkschaften, zum Gesundheitsschutz oder zur Sicherheit am Arbeitsplatz.
Sozialbelange Z. B. Angaben zum Dialog auf kommunaler oder regionaler Ebene oder zu den zur Sicherstellung des Schutzes und zur Entwicklung lokaler Gemeinschaften ergriffenen Maßnahmen.
Achtung der Menschenrechte Z. B. Angaben zu Maßnahmen zur Vermeidung von Menschenrechtsverletzungen.
Bekämpfung von Korruption und Bestechung Z. B. Angaben zu bestehenden Instrumenten zur Bekämpfung von Korruption und Bestechung.

Tab. 1: Konkretisierung der Mindestaspekte nach § 289c Abs. 2 HGB

 

Rz. 9

Dabei sind nach § 289c Abs. 3 HGB bzw. durch Verweis von § 315c Abs. 2 HGB jeweils diejenigen Angaben notwendig, die für das Verständnis des Geschäftsverlaufs, des Geschäftsergebnisses, der Lage der Kapitalgesellschaft/des Konzerns sowie der Auswirkungen ihrer Tätigkeit auf die genannten Aspekte erforderlich sind, einschließlich

  • einer Beschreibung der von der Kapitalgesellschaft/dem Konzern verfolgten Konzepte  sowie der von der Kapitalgesellschaft/dem Konzern angewandten Due-Diligence-Prozesse,
  • der Ergebnisse dieser Konzepte,
  • der wesentlichen Risiken, die mit der eigenen Geschäftstätigkeit der Kapitalgesellschaft/dem Konzern verknüpft sind und die sehr wahrscheinlich schwerwiegende negative Auswirkungen auf die genannten Aspekte haben oder haben werden, sowie die Handhabung dieser Risiken durch die Kapitalgesellschaft,
  • der wesentlichen Risiken, die mit den Geschäftsbeziehungen der Kapitalgesellschaft, ihren Produkten und Dienstleistungen verknüpft sind und die sehr wahrscheinlich schwerwiegende negative Auswirkungen auf die genannten Aspekte haben oder haben werden, soweit die Angaben von Bedeutung sind und die Berichterstattung über diese Risiken verhältnismäßig ist, sowie die Handhabung dieser Risiken durch die Kapitalgesellschaft,
  • der bedeutsamsten nichtfinanziellen Leistungsindikatoren, die für die Geschäftstätigkeit der Kapitalgesellschaft von Bedeutung sind,
  • soweit es für das Verständnis erforderlich ist, Hinweisen auf im Jahresabschluss ausgewiesene Beträge und zusätzliche Erläuterungen dazu.

Da eine oberflächliche Beschreibung vom Gesetzgeber ausdrücklich nicht erwünscht ist und die benannten Inhalte lediglich als Mindestvorgaben gedacht sind, können im Einzelfall und in Abhängigkeit vom jeweiligen Geschäftsmodell ebenso andere nichtfinanzielle Informationen, wie z. B. Kundenbelange, wesentlich und dadurch berichtspflichtig sein.

 

Rz. 10

Sollte das Unternehmen in Bezug auf einen oder mehrere der genannten Aspekte kein Konzept verfolgt, hat sie dies anstelle der auf den jeweiligen Aspekt bezogenen Angaben in der nichtfinanziellen Erklärung klar und begründet zu erläutern. Es ist somit das sog. "Comply-oder-Explain"-Prinzip umgesetzt, wonach die berichtspflichtigen Gesellschaften grundsätzlich über alle geforderten Aspekte zu berichten haben, soweit dafür Konzepte vorhanden sind. Sollte jedoch in einem oder mehreren Bereichen kein Konzept verfolgt werden, dann ist dies nach § 289c Abs. 4 HGB zu erläutern.

Zudem besteht ein gewisses Angabewahlrecht: Das Unternehmen darf lediglich auf den Ausweis berichtspflichtiger Aspekte verzichten, sofern damit das Risiko einer ernsthaften Schädigung der Geschäftslage der Gesellschaft einhergeht (§ 289e Abs. 1 HGB).

 

Rz. 11

Zwecks der konkreten Ausgestaltung der Berichtspflicht zu Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelangen bzw. der aufzustellenden und offenzulegenden Informationen, wird auf nationale, unionsbasierte oder internationale Rahmenwerke, wie etwa die weit verbreiteten G4 Sustainability Reporting Guidelines, den Global Compact , die ISO-Norm 26000 oder den Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK), verwiesen. Analog kommt eine Ausgestaltung nach unternehmenseigenen Vorstellungen oder in Anlehnung an die durch die EU-Kommission entwickelten unverbindlichen Leitlinien in Betracht. Die Anwendung von Rahmenwerken ist entsprechend freiwillig. § 289d HGB fordert für berichtspflichtige Unter...

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