Lagebericht: Grundlagen, Gr... / 4.2.3 Nachtragsbericht (DRS 20.114)
 

Rz. 38

Im Nachtragsbericht nach § 289 Abs. 2 Nr. 1 HGB i. d. F. vor BilRUG 2015 war auf Vorgänge von besonderer Bedeutung nach dem Bilanzstichtag einzugehen. Dieser Teil des Lageberichts beschäftigt sich inhaltlich mit den gleichen Berichtsbereichen wie der Bericht nach § 289 Abs. 1 HGB. Dabei wird jedoch der Zeitraum der Erstellung von Jahresabschluss und Lagebericht betrachtet, der zeitlich hinter dem Ende des Geschäftsjahres liegt und spätestens mit der Übermittlung an die Lageberichtsadressaten endet. Von besonderer Bedeutung sind solche Vorgänge, die zu einer Änderung der Darstellung der Lage des Unternehmens im Bericht nach § 289 Abs. 1 HGB geführt hätten, sofern sie vor Ende des Geschäftsjahres eingetreten wären. Diese Vorgänge haben einen starken Einfluss auf die derzeitige Bestandsfestigkeit des Unternehmens respektive den künftigen Fortbestand.

 

Rz. 39

In Bezug auf die Vorgänge von besonderer Bedeutung nach dem Bilanzstichtag sind grundsätzlich die Art des Vorgangs sowie sein Einfluss auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage anzugeben. Die betroffenen Vorgänge lassen sich in die Bereiche Daten oder Datenänderungen sowie unternehmenspolitische Maßnahmen aufteilen. Beispiele für Daten oder Datenänderungen sind: wirtschaftliche und politische Ereignisse, Änderung von Marktdaten, Eintritt großer Bereichs- oder Geschäftsverluste, Ausgang und Eröffnung von Gerichtsprozessen, Ausfuhr- bzw. Einfuhrsperren, Vertragskündigungen, Streiks, Kurzarbeit und Entlassungen. Beispiele für unternehmenspolitische Maßnahmen sind alle Maßnahmen, die Änderungen bewirken in folgenden Bereichen: wichtige Verträge, Niederlassungen, Beteiligungen, Betriebsteile, Großkunden, Kapitalzusammensetzung und -höhe.

 

Rz. 40

Durch diesen Teil des Lageberichts soll für den Lageberichtsadressaten sichergestellt sein, dass er über aktuelle Informationen verfügt und diese zu seiner Disposition nutzen kann.

 

Rz. 40a

Die Berichterstattung über Vorgänge von besonderer Bedeutung wurde durch das am 23.7.2015 in Kraft getretene Bilanzrichtlinie-Umsetzungsgesetz v. 17.7.2015 vom Lagebericht in den Anhang verschoben. Dort sind entsprechend § 285 Nr. 33 HGB i. d. F. des BilRUG "Vorgänge von besonderer Bedeutung, die nach dem Schluss des Geschäftsjahrs eingetreten und weder in der Gewinn- und Verlustrechnung noch in der Bilanz berücksichtigt sind, unter Angabe ihrer Art und ihrer finanziellen Auswirkungen" aufzuführen. Inhaltlich ist auf die Ausführungen zum Nachtragsbericht zu verweisen. Anzuwenden ist die neue Regelung für Geschäftsjahre, die nach dem 31.12.2015 beginnen. Entsprechend DRS 20.114 soll jedoch ein Verweis in den Lagebericht auf den Anhang aufgenommen werden bzw. eine Negativerklärung im Lagebericht abgegeben werden, sofern keine entsprechenden Vorgänge eingetreten sind.

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