Ist-Besteuerung

Wo die Probleme sind:

  • Das richtige Konto
  • Unterschiede zur Soll-Besteuerung
  • Grenzwerte
  • Mehrere Betriebe
  • Antrag/Genehmigung

1 So kontieren Sie richtig!

 

Praxis-Wegweiser:

"Das richtige Konto"

Kontenbezeichnung

Erlöse 19 %
Eigener Kontenplan SKR 03
  8400
IKR  
5100 SKR 04
  4400
 

Kostenstelle/

Schlüssel
 

Praxis-Wegweiser:

"Das richtige Konto"

Kontenbezeichnung

Umsatzsteuer 19 %
Eigener Kontenplan SKR 03
  1776
IKR  
4806 SKR 04
  3806
 

Kostenstelle/

Schlüssel

So kontieren Sie richtig!

Freiberufler, die ihren Gewinn mit einer Einnahmen-Überschussrechnung ermitteln, dürfen immer die Ist-Besteuerung wählen. Die Unternehmer, die gemäß § 148 AO von der Bilanzierung befreit sind, dürfen ebenfalls die Ist-Besteuerung wählen. In allen anderen Fällen kommt es darauf an, wie hoch der Gesamtumsatz im Vorjahr gewesen ist.

Bei Anwendung der Ist-Besteuerung führt der Unternehmer die Umsatzsteuer erst ab, nachdem die Kunden ihre Rechnung bezahlt haben. Die Buchung erfolgt auf das Konto "Umsatzsteuer 19 %" 1776 (SKR 03) bzw. 3806 (SKR 04).

 

Buchungssatz:

Bank

an Erlöse/Umsatzsteuer 19 %

2 Praxis-Beispiel für Ihre Buchhaltung: Unterschied zwischen Ist- und Soll-Besteuerung

Der Unternehmensberater Huber hat seinem Kunden für ein Unternehmenskonzept 10.000 EUR zuzüglich Umsatzsteuer (= 11.900 EUR brutto) in Rechnung gestellt. Seine Rechnung datiert vom 15.4.. Sein Kunde überweist ihm am 5.10. einen Betrag von 8.000 EUR.

a) Unternehmensberater Huber wendet die Ist-Besteuerung an

Herr Huber erfasst den gezahlten Betrag von 8.000 EUR – 1.277,31 EUR USt = 6.722,69 EUR erst in seiner Umsatzsteuervoranmeldung für den Monat Oktober; bei einer vierteljährlichen Abgabe in der Voranmeldung für das 4. Quartal. Herr Huber versteuert nur den Betrag, den sein Kunde tatsächlich gezahlt hat. Er bucht im Zeitpunkt der Zahlung wie folgt:

Buchungsvorschlag:

 

Konto

SKR 03 Soll
Kontenbezeichnung Betrag

Konto

SKR 03 Haben
Kontenbezeichnung Betrag
1200 Bank 8.000 8400 Erlöse 19 % USt 6.722,69
      1776 Umsatzsteuer 19 % 1.277,31
 

Konto

SKR 04 Soll
Kontenbezeichnung Betrag

Konto

SKR 04 Haben
Kontenbezeichnung Betrag
1800 Bank 8.000 4400 Erlöse 19 % USt 6.722,69
      3806 Umsatzsteuer 19 % 1.277,31

b) Unternehmensberater Huber wendet die Soll-Besteuerung an

Herr Huber muss den Umsatz in seiner Umsatzsteuervoranmeldung für den Monat April erklären. Er zahlt die in der Rechnung ausgewiesene Umsatzsteuer von 1.900 EUR im Monat Mai, bei einer Dauerfristverlängerung im Juni. Im Zeitpunkt der Rechnungserstellung bucht er wie folgt:

Buchungsvorschlag:

 

Konto

SKR 03 Soll
Kontenbezeichnung Betrag

Konto

SKR 03 Haben
Kontenbezeichnung Betrag
1400 Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 11.900 8400 Erlöse 19 % USt 10.000
      1776 Umsatzsteuer 19 % 1.900
 

Konto

SKR 04 Soll
Kontenbezeichnung Betrag

Konto

SKR 04 Haben
Kontenbezeichnung Betrag
1200 Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 11.900 4400 Erlöse 19 % USt 10.000
      3806 Umsatzsteuer 19 % 1.900

Zahlt der Kunde im Oktober nicht den vollen Betrag, kann er die Umsatzsteuer von (11.900 EUR – 8.000 EUR = 3.900 EUR : 119 × 19 =) 622,69 EUR im Voranmeldungszeitraum Oktober nur dann korrigieren, wenn absehbar ist, dass er die restliche Forderung nicht mehr erhält bzw. sein Kunde eine Zahlung des Restbetrags ablehnt. Ist dies der Fall, bucht er die Zahlung und den Restbetrag als Forderungsausfall (Korrektur der Erlöse) wie folgt:

Buchungsvorschlag:

 

Konto

SKR 03 Soll
Kontenbezeichnung Betrag

Konto

SKR 03 Haben
Kontenbezeichnung Betrag
1200 Bank 8.000,00 1400 Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 11.900
8400 Erlöse 19 % USt 3.277,31      
1776 Umsatzsteuer 19 % 622,69      
 

Konto

SKR 04 Soll
Kontenbezeichnung Betrag

Konto

SKR 04 Haben
Kontenbezeichnung Betrag
1800 Bank 8.000,00 1200 Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 11.900
4400 Erlöse 19 % USt 3.277,31      
3806 Umsatzsteuer 19 % 622,69      

Bestehen Aussichten, den Restbetrag von 3.900 EUR noch zu erhalten, bleibt die Forderung insoweit bestehen und eine Korrektur der Umsatzsteuer scheidet aus. Wenn Kunden verspätet zahlen, ist der Nachteil der Soll-Besteuerung besonders groß.

3 Wer kann wann die Ist-Besteuerung beantragen

Das Finanzamt kann dem Unternehmer auf Antrag gestatten, seine Umsätze nach vereinnahmten Entgelten zu versteuern, wenn

  • sein Gesamtumsatz gem. § 19 Abs. 3 UStG im vorangegangenen Kalenderjahr nicht mehr als 500.000 Euro betragen hat, oder
  • er von der Verpflichtung, Bücher zu führen und auf Grund jährlicher Bestandsaufnahmen regelmäßig Abschlüsse zu machen, nach § 148 der Abgabenordnung befreit ist, oder
  • er Umsätze aus einer Tätigkeit als Angehöriger eines freien Berufs i. d. S. § 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG ausführt.

Zum umsatzsteuerlichen Unternehmen gehören nicht nur selbstständig ausgeübte Tätigkeiten, sondern auch die Vermietung an umsatzsteuerpflichtige Unternehmen, wenn der Vermieter seine Einnahmen gem. § 9 UStG freiwillig der Umsatzsteuer unterwirft. Die Soll- oder Ist-Besteuerung spielt jedoch keine Rolle, wenn es sich um Unternehmer handelt, die ausschließlich steuerfreie Umsätze erzielen oder Kleinunternehmer im Sinne des § 19 Abs. 1 UStG sind.

 

Praxis-Tipp

Bei der Einnahmen-Überschussrechnung kommt es auf den Zufluss der...

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