Degressive Abschreibung / 2.2 Wie hoch ist die degressive AfA?

Kennzeichnend für alle AfA-Methoden ist, dass unabhängig von der Wahl der AfA-Methode der Grundsatz der Verteilung der Anschaffungskosten/Herstellungskosten auf die Nutzungsdauer des Wirtschaftsguts zu beachten ist. Somit ist vor Bestimmung der jeweiligen AfA-Methode die voraussichtliche betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer zu ermitteln.[1]

Bei der degressiven AfA leitet sich die Höhe des Abschreibungssatzes von der linearen AfA ab. Der Abschreibungsprozentsatz der degressiven Abschreibung bleibt immer gleich. Der gleichbleibende AfA-Satz bestimmt sich bei der Buchwertabsetzung nach der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer des Wirtschaftsguts.

Die Bemessungsgrundlage für diesen Prozentsatz – und damit auch die Abschreibungen – werden jedoch von Jahr zu Jahr kleiner, da sie vom jeweiligen Restbuchwert des Vorjahrs ausgehen. Die Abschreibungen gehen aber nicht ewig weiter: Im letzten Jahr der Nutzungsdauer ist der Restbuchwert des Vorjahrs bis auf den Erinnerungswert von einem EUR voll abzuschreiben.

Die Vorschrift über die steuerrechtlich zulässige degressive AfA wurde in den letzten Jahren mehrfach für steuerbilanzpolitische Zwecke genutzt. Die degressive AfA wurde abgeschafft, dann wieder eingeführt und schließlich wieder abgeschafft. Doch damit nicht genug: Die Vorschrift wurde auch oft geändert.

 
Anschaffungszeitraum abnutzbarer beweglicher Wirtschaftsgüter Der degressive AfA-Satz beträgt
1.1.2001 bis 31.12.2005
  • das 2-fache des linearen Satzes,
  • jedoch maximal 20 % (Obergrenze) der Anschaffungs- oder Herstellungskosten bzw. des Restbuchwerts.
1.1.2006 bis 31.12.2007 und vor dem 1.1.2001
  • das 3-fache der linearen AfA,
  • jedoch maximal 30 % (Obergrenze) der Anschaffungs- oder Herstellungskosten bzw. des Restbuchwerts.
1.1.2008 bis 31.12.2008 Keine degressive Abschreibung.
1.1.2009 bis 31.12.2010
  • das 2,5-fache der linearen AfA,
  • jedoch maximal 25 % (Obergrenze) der Anschaffungs- oder Herstellungskosten bzw. des Restbuchwerts.
1.1.2011 bis auf Weiteres Keine degressive Abschreibung.

Abb. 1: Überblick über Anschaffungszeiträume mit den entsprechenden Höchstsätzen

 

Achtung

Obergrenze des Abschreibungsprozentsatzes gilt nur für die Steuerbilanz

Die Begrenzung des Abschreibungsprozentsatzes auf 20 %, 30 % bzw. 25 % gilt nur für die Steuerbilanz. In der Handelsbilanz ist man nicht an die steuerlichen Höchstsätze gebunden.

 

Praxis-Beispiel

Buchwertabschreibung

Einzelgewerbetreibender A hat Anfang des Geschäftsjahrs 2010 eine Maschine für 100.000 EUR angeschafft, deren Nutzungsdauer 10 Jahre beträgt. Er schreibt die Maschine degressiv mit einem Abschreibungssatz von 25 % ab. Es ergeben sich folgende Buchwerte und Jahresabschreibungen:

 
Anschaffungskosten 2010 100.000 EUR
./. Abschreibung 2010: 25 % von 100.000 EUR  25.000 EUR
= Buchwert zum 31.12.2010  75.000 EUR
./. Abschreibung 2011: 25 % von 75.000 EUR  18.750 EUR
= Buchwert zum 31.12.2011  56.250 EUR
./. Abschreibung 2012: 25 % von 56.250 EUR  14.063 EUR
= Buchwert zum 31.12.2012  42.187 EUR
./. Abschreibung 2013: 25 % von 42.187 EUR  10.547 EUR
= Buchwert zum 31.12.2013  31.640 EUR
./. Abschreibung 2014: 25 % von 31.640 EUR   7.910 EUR
= Buchwert zum 31.12.2014  23.730 EUR
./. Abschreibung 2015: 25 % von 23.730 EUR   5.933 EUR
= Buchwert zum 31.12.2015  17.797 EUR
./. Abschreibung 2016: 25 % von 17.797 EUR 4.450 EUR
= Buchwert zum 31.12.2016 13.347 EUR
./. Abschreibung 2017: 25 % von 13.347 EUR 3.337 EUR
= Buchwert 31.12.2017 10.010 EUR
./. Abschreibung 2018: 25 % von 10.010 EUR 2.503 EUR
= Buchwert 31.12.2018 (= Ende des vorletzten Jahrs) 7.507 EUR
./. Abschreibung 2019 (Übergang zur linearen AfA: Restnutzungsdauer 1)[2] 7.506 EUR
= Restbuchwert 31.12.2019  

Ab dem 7. Jahr (2016) ist die lineare Abschreibung, die sich bei Verteilung des Restbuchwerts auf die Restnutzungsdauer von 4 Jahren ergibt (17.797 EUR : 4 = 4.450 EUR), genauso hoch bzw. in den Folgejahren höher als der Abschreibungsbetrag, der sich bei Fortführung der degressiven Abschreibung ergeben würde (degressive AfA 2016: 25 % von 17.797 EUR = aufgerundet  4.450 EUR). In der Abschreibungspraxis wird daher meist zu diesem Zeitpunkt zu der linearen Abschreibung übergegangen.

 

Praxis-Beispiel

Berechnung des maximal ansetzbaren Abschreibungsprozentsatzes

Die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer eines beweglichen Wirtschaftsguts, das Anfang 2010 angeschafft wurde, beläuft sich auf:

(1) 5 Jahre
(2) 20 Jahre.

Bei linearer AfA beträgt der AfA-Satz im Fall (1) 20 %, im Fall (2) 5 %.

Bei degressiver AfA beträgt der AfA-Satz im Fall (1) höchstens 25 % (da 2,5 × 20 % = 50 % > 25 %, damit kommt der maximale degressive Satz zum Tragen) und im Fall (2) höchstens das 2,5-fache von 5 % = 12,5 % (hier kommt der 2,5-fache Satz zum Tragen).

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Finance Office Professional. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Finance Office Professional 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Artikel.



Meistgelesene beiträge