Degressive Abschreibung / 2.2 Wie hoch ist die degressive AfA?

Kennzeichnend für alle AfA-Methoden ist, dass unabhängig von der Wahl der AfA-Methode der Grundsatz der Verteilung der Anschaffungskosten/Herstellungskosten auf die Nutzungsdauer des Wirtschaftsguts zu beachten ist. Somit ist vor Bestimmung der jeweiligen AfA-Methode die voraussichtliche betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer zu ermitteln.

Bei der degressiven AfA leitet sich die Höhe des Abschreibungssatzes von der linearen AfA ab. Der Abschreibungsprozentsatz der degressiven Abschreibung bleibt immer gleich. Der gleichbleibende AfA-Satz bestimmt sich bei der Buchwertabsetzung nach der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer des Wirtschaftsguts.

Die Bemessungsgrundlage für diesen Prozentsatz – und damit auch die Abschreibungen – werden jedoch von Jahr zu Jahr kleiner, da sie vom jeweiligen Restbuchwert des Vorjahrs ausgehen. Die Abschreibungen gehen aber nicht ewig weiter: Im letzten Jahr der Nutzungsdauer ist der Restbuchwert des Vorjahrs bis auf den Erinnerungswert von einem EUR voll abzuschreiben.

Die Vorschrift über die steuerrechtlich zulässige degressive AfA wurde schon mehrfach für steuerbilanzpolitische Zwecke genutzt. Die degressive AfA wurde abgeschafft, dann wieder eingeführt und schließlich wieder abgeschafft. Doch damit nicht genug: Die Vorschrift wurde auch oft geändert. Zurzeit handelt es sich steuerlich um ein "Auslaufmodell". Für Anschaffungen/Herstellungen ab 2011 gibt es keine degressive AfA mehr. Sie kommt jedoch weiterhin für z. B. im Jahr 2010 angeschaffte Wirtschaftsgüter mit längerer Nutzungsdauer in Betracht.

 
Anschaffungszeitraum abnutzbarer beweglicher Wirtschaftsgüter Der degressive AfA-Satz beträgt
1.1.2001 bis 31.12.2005
  • das 2-fache des linearen Satzes,
  • jedoch maximal 20 % (Obergrenze) der Anschaffungs- oder Herstellungskosten bzw. des Restbuchwerts.
1.1.2006 bis 31.12.2007 und vor dem 1.1.2001
  • das 3-fache der linearen AfA,
  • jedoch maximal 30 % (Obergrenze) der Anschaffungs- oder Herstellungskosten bzw. des Restbuchwerts.
1.1.2008 bis 31.12.2008 Keine degressive Abschreibung.
1.1.2009 bis 31.12.2010
  • das 2,5-fache der linearen AfA,
  • jedoch maximal 25 % (Obergrenze) der Anschaffungs- oder Herstellungskosten bzw. des Restbuchwerts.
1.1.2011 bis auf Weiteres Keine degressive Abschreibung.

Abb. 1: Überblick über Anschaffungszeiträume mit den entsprechenden Höchstsätzen

 

Achtung

Obergrenze des Abschreibungsprozentsatzes gilt nur für die Steuerbilanz

Die Begrenzung des Abschreibungsprozentsatzes auf 20 %, 30 % bzw. 25 % gilt nur für die Steuerbilanz. In der Handelsbilanz ist man nicht an die steuerlichen Höchstsätze gebunden.

 

Praxis-Beispiel

Buchwertabschreibung

Einzelgewerbetreibender A hat Anfang des Geschäftsjahrs 2010 eine Maschine für 100.000 EUR angeschafft, deren Nutzungsdauer 12 Jahre beträgt (AfA-Satz bei linearer AfA = 8,3333 %). Er schreibt die Maschine degressiv mit einem Abschreibungssatz von 2,5 × 8,3333 % = aufgerundet 20,84 % ab. Es ergeben sich folgende Buchwerte und Jahresabschreibungen:

 
Anschaffungskosten 2010 100.000 EUR
./. Abschreibung 2010: 20,84 % von 100.000 EUR  20.840 EUR
= Buchwert zum 31.12.2010 79.160 EUR
./. Abschreibung 2011: 20,84 % von 79.160 EUR  16.497 EUR
= Buchwert zum 31.12.2011 62.663 EUR
./. Abschreibung 2012: 20,84 % von 62.663 EUR  13.059 EUR
= Buchwert zum 31.12.2012 49.604 EUR
./. Abschreibung 2013: 20,84 % von 49.604 EUR  10.338 EUR
= Buchwert zum 31.12.2013 39.266 EUR
./. Abschreibung 2014: 20,84 % von 39.266 EUR   8.184 EUR
= Buchwert zum 31.12.2014 31.082 EUR
./. Abschreibung 2015: 20,84 % von 31.082 EUR   6.478 EUR
= Buchwert zum 31.12.2015 24.604 EUR
./. Abschreibung 2016: 20,84 % von 24.604 EUR   5.128 EUR
= Buchwert zum 31.12.2016 19.476 EUR
./. Abschreibung 2017: 20,84 % von 19.476 EUR   4.059 EUR
= Buchwert 31.12.2017 15.417 EUR
./. Abschreibung 2018: 20,84 % von 15.417 EUR   3.213 EUR
= Buchwert 31.12.2018 12.204 EUR
./. Abschreibung 2019: 20,84 % von 12.204 EUR   2.544 EUR
= Buchwert 31.12.2019 9.660 EUR
./. Abschreibung 2020: 20,84 % von 9.660 EUR   2.014 EUR
= Buchwert 31.12.2020 (= Ende des vorletzten Jahrs) 7.646 EUR
./. Abschreibung 2021 (Übergang zur linearen AfA: Restnutzungsdauer 1)   7.645 EUR
= Restbuchwert 31.12.2021 (= Erinnerungswert) 1 EUR

Ab dem 9. Jahr (2018) ist die lineare Abschreibung, die sich bei Verteilung des Restbuchwerts auf die Restnutzungsdauer von 4 Jahren ergibt (15.417 EUR : 4 = 3.855 EUR), höher als der Abschreibungsbetrag, der sich bei Fortführung der degressiven Abschreibung ergeben würde (degressive AfA 2018: 20,84 % von 15.417 EUR = aufgerundet 3.213 EUR). In der Abschreibungspraxis wird daher meist zu diesem Zeitpunkt zu der linearen Abschreibung übergegangen.

 

Praxis-Beispiel

Berechnung des maximal ansetzbaren Abschreibungsprozentsatzes

Die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer eines beweglichen Wirtschaftsguts, das Anfang 2010 angeschafft wurde, beläuft sich auf:

(1) 5 Jahre
(2) 20 Jahre.

Bei linearer AfA beträgt der AfA-Satz im Fall (1) 20 %, im Fall (2) 5 %.

Bei degressiver AfA beträgt der AfA-Satz im Fall (1) höchs...

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