Austauschverfahren, Kfz-Bra... / 3.1 Grundsätzlich ist die Angabe "Gutschrift" erforderlich

Rechnet der Leistungsempfänger über eine bezogene Leistung ab, muss die Angabe "Gutschrift" auf der Abrechnung stehen.

Dieses strikte Erfordernis der Angabe "Gutschrift" hat das BMF mit Schreiben vom 25.10.2013 etwas entschärft. Danach ist auch die Verwendung adäquater Fachausdrücke möglich. Somit kann auch z. B. der Begriff "Eigenfaktura" verwendet werden, ohne dass das zum Ausschluss des Vorsteuerabzugs führt.

Allerdings gibt es hiervon eine Ausnahme:

Wird in einer Abrechnung sowohl über eine empfangene Leistung (Gutschrift) als auch über eine erbrachte Leistung (Rechnung) abgerechnet, muss in der Abrechnung die Angabe "Gutschrift" enthalten sein.

Außerdem muss aus dem Dokument klar ersichtlich sein, über welche Leistung als Leistender (Rechnung) und über welche Leistung als Empfänger (Gutschrift) abgerechnet wird. Auch ist eine Saldierung der gegenseitigen Leistungen unzulässig.

So ist die Lage im Austauschverfahren in der Kfz-Branche. Tauscht bspw. der Werkstattinhaber im Auto eines Kunden den Motor aus und nimmt den kaputten Motor in Zahlung, handelt es sich um 2 gegenseitige Leistungsaustausche. Der Werkstattinhaber liefert den neuen Motor, während der Kunde den defekten Motor liefert. Für die Lieferung des neuen Motors erhält der Werkstattinhaber einen Barbetrag und den (Wert des) defekten Motor(s).

Beträgt die Barzahlung 1.000 EUR und der Wert des defekten Motors 250 EUR, muss er wie folgt abrechnen:

 
Rechnung: Lieferung des neuen Motors  
Barzahlung: 1.000,00 EUR
Inzahlungnahme Altmotor   250,00 EUR
  1.250,00 EUR
USt 19 %   237,50 EUR
Gesamtbetrag 1.487,50 EUR
Gutschrift: Empfang Altmotor  
Wert netto 250,00 EUR
USt 19 %    47,50 EUR
Gesamtbetrag 297,50 EUR
Vom Kunden zu zahlender Betrag 1.190,00 EUR
Der Betrag von 1.190 EUR ergibt sich wie folgt: Rechnungsbetrag 1.487,50 EUR
abzüglich Gutschrift   297,50 EUR
  1.190,00 EUR

In der Praxis gilt eine Vereinfachungsregelung

Da diese Vorgehensweise zu umständlich und zeitraubend ist und viele Kfz-Betriebe vor große Probleme stellen würde, kommt in der Praxis die Vereinfachungsregelung des Abschn. 10.5 Abs. 3 S. 9 UStAE zur Anwendung.

Danach können Kfz-Betriebe die Altteile mit einem Durchschnittswert in Höhe von 10 % des Bruttoaustauschentgelts bewerten. Das hat folgende Auswirkungen:

  • Die Lieferung des Altteils wird nicht der Umsatzsteuer unterworfen und
  • in der Rechnung über die Lieferung des Austauschteils braucht der Wert des Altteils nicht in den Rechnungsbetrag einbezogen zu werden.

Umsatzsteuerlich handelt es sich damit nur um einen (nicht 2) Leistungsaustausch, nämlich Lieferung des Austauschteils. Es genügt, den auf den Wert des Altteils entfallenden Steuerbetrag anzugeben.

Im obigen Beispiel sähe die Rechnung so aus:

 
Rechnung: Lieferung des Austauschmotors  
Barbetrag: 1.000,00 EUR
USt 19 %   190,00 EUR
  1.190,00 EUR
USt 19 % auf Wert des Altteils von 125 EUR (1.250 × 10 % × 19 %)    23,75 EUR
Zu zahlender Betrag 1.213,75 EUR

Im Ergebnis muss aus der Lieferung des Austauschmotors 213,75 EUR Umsatzsteuer an das Finanzamt abgeführt werden. Ist der Kunde Unternehmer, steht ihm der Vorsteuerabzug von 213,75 EUR zu.

Der Werkstattinhaber muss den auf den Altmotor entfallenden Umsatzsteuerbetrag (hier 23,75 EUR) gesondert aufzeichnen.

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