Wie kann der Fachkräftemangel im Controlling bewältigt werden?
Woran mag das liegen? Nun, besonders in unsicheren Zeiten braucht es Orientierung und genau diese können Controller als Business Partner und Transformationsexperten dem Management in VUCA-Zeiten geben. Allerdings reichen hierfür als Skill-Set das „Standard-Wissen“ und die „Standard-Tools“ nicht aus. Benötigt werden Experten mit Business Partner-Fähigkeiten die zusätzlich
- umfassendes Digitalisierungs Know-how,
- regulierungsadäquate ESG-Kompetenzen,
- Risiko-Management-Expertise und
- viel Erfahrung im innovativen Datenmanagement sowie hinsichtlich AI
vorweisen können.
Abb. 1: Controller weiter stark gefragt (vgl. Hays Fachkräfte-Index Finance Quartal 2/2023)
Trotz aller Krisen: Controllerinnen und Controller gesucht!
Auch im aktuellen Hays-Fachkräfte-Index spiegelt sich dies wider (Abb. 1). Nach wie vor werden sehr viele Positionen im Controlling ausgeschrieben. Im Vergleich zum Referenzquartal (Q1/2015) gab es im 2. Quartal 2023 153% mehr Stellenausschreibungen. Trotz eines aktuellen Rückgangs der Controlling-Stellenausschreibungen (von 169% im Q1/2023 auf 153% im letzten Quartal) liegt die Nachfrage noch erheblich über dem Vor-Corona-Niveau. Eine Tätigkeit im Controlling ist also, so wage ich zu prognostizieren, nach wie vor zukunftssicher, auch da die Herausforderungen wie oben skizziert nicht weniger werden.
Angebot und Nachfrage passen nicht zusammen
Dies ist die eine Seite der Medaille: eine sehr hohe Nachfrage aus der Unternehmenspraxis und gleichzeitig viele neue Kompetenzanforderungen für Expertinnen und Experten im Controlling. Die andere Seite der Medaille beleuchtet die aktuelle Misere vieler CFO-Bereiche:
- Offene Stellen können nicht rechtzeitig besetzt werden.
- Die neuen Kompetenzanforderungen passen nicht zu den aktuellen Aufgaben sowie den vorhandenen Kompetenzen der aktuellen Mannschaft.
- Es gibt immer höhere Gehaltserwartungen.
Speziell für hervorragend aus- und weitergebildete Experten mit gesuchte Kompetenzprofilen hat sich ein interessanter Anbietermarkt entwickelt, was von diesen „Eliten“ auch genutzt wird. Man kann, da man eine knappe Ressource verkörpert, flexible Arbeitszeiten, viel „remote-work“, flexible Standortwahl und hohe Gehälter vereinbaren.
Damit sind aber die Besetzungsprobleme bei weitem noch nicht gelöst. Es gibt zu wenige dieser heiß umkämpften „Eliten“ im deutschen Markt und diese sprengen oftmals auch die Budgets der Controlling- oder CFO-Bereiche oder schaffen Missgunst bei der Stammbelegschaft durch viele individuelle Sonderregelungen für die Tätigkeitsverrichtung. Was bleibt ist, dass Unternehmen nach wie vor viele offene Stellen haben, teilweise ist sogar jeder zehnte Arbeitsplatz im CFO-Bereich, wie man hört, unbesetzt.
3 Ansatzpunkte zur Bewältigung des Fachkräftemangels
Damit stellt sich die Frage wie mit diesen offenen Stellen, oftmals Besetzungen in neuen Kompetenzfeldern, umgegangen werden soll. Hierzu sehe ich insbesondere drei Ansatzpunkte:
- Konsequente Effizienzsteigerung im CFO- und auch im Controllingbereich! Repetitive Tätigkeiten, etwa hinsichtlich der Reporterstellung, sollten z.B. durch Bots automatisiert und damit Controller-Kapazitäten für kreative und beratende Themen geschaffen werden. Damit können die bestehenden Aufgaben durch erhöhte Produktivität mit weniger Mitarbeitenden bewältigt werden.
- Qualifizierungsinitiativen für das aktuelle Team! Nach dem Motto „Controller:in lernt nie aus“ sollten die wichtigsten aktuellen Fach- und die damit zusammenhängenden Technologieentwicklungen geschult und damit ein Grundverständnis für die gegenwärtigen Themen und deren Transfer in den Arbeitsalltag geschaffen werden. So kreiert man keine Digitalisierungsexperten im Sinne von „Digital Natives“ oder „Data Scientists“, aber Controllerinnen und Controller, welche die Technologien und deren Möglichkeiten kennenlernen und dabei helfen können, große technologische Entwicklungen zu unterstützen. Aus einer aktuellen Studie leitet sich hinsichtlich Digitalisierung ab, dass Expertinnen und Experten im Controlling, Accounting oder Treasury neben digitalem Spezialwissen (welches man natürlich unbedingt kennen sollte) in ihrem Feld auch ein „Breitenwissen“ zu digitalen Technologien aufweisen und motiviert sein sollten, diese Anwendungen in ihrem Arbeitsalltag anzuwenden. Personalentwicklungsmaßnahmen sind hierzu zu initiieren und das Team um einige ausgebildete „Digital Natives“ zu ergänzen. Und hierfür muss ordentlich seitens der Unternehmen investiert werden.
- Den Suchmarkt erweitern! Hier kann ich einige Beobachtungen und Gesprächserfahrungen teilen. Wenn ich mich mit CFOs oder leitenden Controllern von großen internationalen Konzern austausche, fällt auf, dass in diesen Unternehmen bereits sehr international gedacht wird. Controllingstellen werden international ausgeschrieben und statt in Essen oder Stuttgart sitzt dann der Planungsexperte in Bangalore oder in Skopje. Viele Centerkonzepte funktionieren nur, da in neuen (günstigeren!) Standorten mehr Expertinnen und Experten verfügbar sind als im Konzernhauptsitz in Deutschland. Hier gibt es also noch viel zu tun und mindestens genauso viele Barrieren. Es hilft aber nicht: die Anzahl der Absolventinnen und Absolventen in den deutschen Hochschulen wird in den nächsten Jahren nicht größer und die Mitarbeiterbedarfe wohl nicht signifikant kleiner. Man muss also, auch im Mittelstand, globaler denken um die offenen Stellen im Controlling noch bezahlbar besetzen zu können.
Führungskräfte im Controlling sind also aktuell gefordert, im Hinblick auf die fachbereichsbezogene strategische Personalplanung die richtigen Schritte zu gehen und zukunftssicher aufgestellt zu sein. Wie dies funktionieren kann, habe ich in meiner Kolumne in Ausgabe 1/2023 des Controller Magazins skizziert.
Der Artikel erschien erstmals in Controller Magazin 1/2024.
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