Wie Controller die Resilienz von Unternehmen steigern

Die Corona-Pandemie hat die Krisenanfälligkeit vieler Unternehmen aufgedeckt. Prof. Dr. Utz Schäffer erläutert das ebenso aktuelle wie grundlegende Konzept der organisationalen Resilienz und die Hebel für ein Unternehmen, um widerstandsfähig gegen Krisen zu werden.

Die Pandemie hinterlässt ihre Spuren: Der 14. WHU Campus for Controlling fand zum ersten Mal als Online-Veranstaltung mit fünf über die Woche verteilten Vorträgen statt. Pro Tag nahmen im Schnitt ca. 180 Controller und Führungskräfte teil. Auch das Motto „Die Stunde der Controller“ war der aktuellen Situation geschuldet: Gerade in Krisenzeiten sind Controller sehr gefragt, um Schaden vom Unternehmen abzuwenden. Sie sollten ihre Stunde aber auch dafür nutzen, die Krisenanfälligkeit des Unternehmens grundsätzlich zu verringern. Hierzu braucht man eine klare Perspektive auf das Problem und dann ein schlagkräftiges Konzept. Exakt hier ist die Resilienz zu verorten.

Was ist Resilienz und warum ist sie so wichtig?

Resilienz ist in der Psychologie ein bekannter Begriff, im betriebswirtschaftlichen Kontext aber sehr neu. Er gehört noch nicht zum Sprachschatz der Unternehmen. Prof. Dr. Utz Schäffer, Direktor des Instituts für Management & Controlling der WHU – Otto Beisheim School of Management, begann deshalb seinen Vortrag auch mit einer kurzen Definition. Für ihn ist Resilienz die Fähigkeit eines Unternehmens, Stress zu absorbieren, darauf zu antworten und sich entsprechend anzupassen. Die sehr langfristig ausgelegte Resilienz hilft Unternehmen, immer wieder kurzfristig in einer „VUCA“-Welt erfolgreich zu überleben.

Was muss ein Unternehmen tun, um resilient zu werden?

Resilienz fällt nicht vom Himmel, sondern muss systematisch erarbeitet werden. An was ein Unternehmen hier denken muss und wie die Überlebensfähigkeit konkret aufzubauen ist, stand im Fokus des Vortrags von Utz Schäffer. Für ihn sind insbesondere vier Handlungsfelder wichtig. Den Ausgangspunkt bildet ein strategisches Risikomanagement, das weit über Compliance und Risikoberichterstattung hinausgeht und die Frage beantworten muss: „Wie lassen sich Risiken antizipieren und wie kann sich das Unternehmen auf neue Herausforderungen und Disruptionen vorbereiten?“. Die Antworten darauf beeinflussen die anderen drei Handlungsfelder wesentlich:

  • Das adaptive Management („Wie kann das Management flexibler und anpassungsfähiger werden?“),
  • die Ressourcenverfügbarkeit („Wie kann sichergestellt werden, dass ausreichende Ressourcen zur Verfügung stehen?“) und schließlich
  • das robuste und flexible Geschäftssystem („Wie können robuste und flexible Prozesse, Systeme und Strukturen aufgesetzt werden?“).

(Wie) Rechnet sich Resilienz für ein Unternehmen?

Allen vier Handlungsfeldern gerecht zu werden, erfordert Ressourcen. Resilienz ist nicht kostenlos. Utz Schäffer zitierte in seinem Vortrag zwei CEOs von DAX 30-Unternehmen, die jüngst den Trade-off zwischen Effizienz und Resilienz deutlich benannt haben, verbunden mit dem Eingeständnis, es mit der Effizienz in der Vergangenheit etwas übertrieben zu haben. Utz Schäffer forderte die Zuhörer auf, als Controller in ihren Unternehmen das Thema Trade-off auf die Agenda zu nehmen und ein Bewusstsein dafür zu schaffen. Damit könnten sie einen wichtigen Beitrag leisten, um die vielen Barrieren, die der Resilienz entgegenstehen, zu brechen.

„Wir haben zu stark auf Effizienz gesetzt.“ (Carsten Knobel, CEO Henkel, 06/2020)

„This crisis shows us: if you ar not resilient, you are left with nothing.“ (Christian Klein, CEO SAP 06/2020)

Eine intensive Q&A-Runde sowie eine interaktive „Meet the Speaker Session“ im Anschluss an die Präsentation rundeten die gelungene Einführung in die Campus Week ab.

Schlagworte zum Thema:  Resilienz, Risikomanagement, Controller