Welche Rollen und Kompetenzen benötigen Controller?

Wer bin ich – und wenn ja wie viele? Diese Frage an die Controller in Gegenwart und Zukunft analysiert das WHU Controller Panel in seiner Studie 2019. Die Antwort ist anspruchsvoll: 9 Rollen und 6 Kompetenzfelder sind kein Kinderspiel.

In Zeiten der Digitalisierung muss auch das Anforderungsprofil des Controllers auf den Prüfstand gestellt werden:

  • Welche Kompetenzen und Fähigkeiten benötigt der Controller in Zukunft, um erfolgreich agieren zu können?
  • Welche Fähigkeiten verlieren an Bedeutung?
  • Welche neuen Aufgabenbereiche kommen zu den etablierten hinzu?

Delphi-Analyse ergibt 9 Rollen von Controllern

Im Rahmen der WHU Delphi-Studie zu Rollen und Kompetenzen von Controllern haben Utz Schäffer und sein Team Anfang 2019 elf Experten in einem mehrstufigen Prozess befragt, wie sich die Anforderungen an Controller im Kontext der Digitalisierung verändern. Dabei wurde insbesondere auf die unterschiedliche Perspektive der Experten Wert gelegt. Auf Basis der Ergebnisse unterscheidet die WHU Delphi-Studie – abhängig vom Aufgabenspektrum – neun unterschiedliche Controllerrollen:

Abb. 1: Anteil der Controller, die eine Rolle stark ausgeprägt wahrnehmen

Abb. 1: Anteil der Controller, die eine Rolle ihrer eigenen Einschätzung nach stark ausprägt wahrnehmen (alle Abbildungen in diesem Beitrag: Schäffer/Brückner, Rollenspezifische Kompetenzprofile für das Controlling der Zukunft, in Controlling & Management Review, 7/ 2019, S. 14-30.

Die in diesem Beitrag vorgestellten Ergebnisse beruhen auf einer nachgelagerten Erhebung des WHU Controller Panels im April und Mai 2019, an der 448 Controller im deutschsprachigen Raum teilgenommen haben.

Die Inhalte der Studie zu Rollen und Kompetenzen der Controller wurden auch von Prof. Utz Schäffer auf dem WHU Campus vor Controlling 2019 vorgestellt.

Rollenwahrnehmung je nach Hierarchie-Ebene und Unternehmensgröße unterschiedlich

In aller Regel nehmen Controller nicht nur eine einzige Rolle ein, sondern vereinen ein ganzes Bündel von Rollen in sich. Die neun Rollen sind grundsätzlich auf allen Hierarchieebenen im Controlling relevant, allerdings in unterschiedlichem Ausmaß. Außerdem zeigt die Ausprägung einiger Rollen zum Teil auch eine starke Abhängigkeit von der Unternehmensgröße. So findet sich beispielsweise der Guardian vor allem unter Controllingleitern in großen Unternehmen. Die Rolle des Scorekeepers füllen dagegen überwiegend Controller auf den unteren Hierarchiestufen in kleinen und mittleren Unternehmen aus.

Abb. 2: Verbreitung der Rollen in Abhängigkeit von Unternehmensgröße und Hierarchielevel

Abb. 2: Verbreitung der Rollen in Abhängigkeit von Unternehmensgröße und Hierarchielevel

Weiterhin erfordern die unterschiedlichen Rollen unterschiedliche Kompetenzen, die Teil des nächsten großen Themenkreises der Studie waren.

Kompetenzen von Controllern

Im Rahmen der WHU Delphi-Studie wurden sechs Kompetenzfeldern identifiziert, in denen Fähigkeiten und Kompetenzen von Controllern erfasst werden können:

  • Finanzen & Controlling
  • Management
  • Kommunikation & Zusammenarbeit
  • Technologie & Analyse
  • Geschäftsverständnis
  • Persönliche Fähigkeiten & Eigenschaften

Die einzelnen Felder enthalten jeweils ein ganzes Bündel an Kompetenzen und Fähigkeiten, die in der Umfrage einzeln erfasst und ausgewertet wurden: So sehen sich Controller in der Selbsteinschätzung im Bereich der persönlichen Eigenschaften wie z.B. Analytisches Denken, Problemlösungsorientierung sowie Persönliche Integrität und Rückgrat exzellent aufgestellt. Auch viele andere der in Zukunft benötigten Fähigkeiten und Kompetenzen sind heute schon vorhanden, allerdings nicht immer in dem künftig benötigten Umfang.

Abb. 3: Ausprägung der Kompetenzfelder

Abb. 3: Ausprägung der Kompetenzfelder

Insbesondere im Kompetenzfeld „Technologie & Analyse“, für das der stärkste Bedeutungszuwachs erwartet wird, sehen Controller nach eigener Einschätzung aktuell noch große Defizite. In der Selbsteinschätzung der Controller am schwächsten ausgeprägt sind in diesem Feld Kompetenzen wie Programmieren, Entwicklung und Interpretation statistischer Modelle sowie Agile Methoden. Hier ist aber heute noch nicht klar, ob der Controller letztlich all diese Fertigkeiten beherrschen muss oder ob diese in Zukunft von der IT oder beispielsweise einer neu geschaffenen Business Analytics Abteilung abgedeckt werden. Klar ist, dass Unternehmen diese Kompetenzen unter ihren Mitarbeitern aufbauen müssen, wenn sie in Zukunft wettbewerbsfähig sein wollen.

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WHU Controller Panel

Sind Sie an weiteren Ergebnissen und Analysen des WHU Controller Panels interessiert? Dann registrieren Sie sich unter whu-controller-panel.de. Die Mitgliedschaft ist kostenfrei und kann jederzeit gekündigt werden. Mitglieder profitieren von noch ausführlicheren Benchmarks: Sie erfahren, wie heutige Controller aufgestellt sind und welche Kompetenzen und Fähigkeiten für den Controller in Zukunft besonders bedeutend sind. Generelle Unterschiede nach Branche und Unternehmensgröße werden dabei ebenso analysiert wie individuelle Einflussfaktoren.

Das WHU Controller Panel wurde 2007 in Kooperation mit dem ICV gegründet und bietet seither wissenschaftlich fundierte Analysen und praxisrelevante Benchmarks zu allen wichtigen Facetten des Controllings. Es steht unter der Leitung von Prof. Dr. Marko Reimer, Prof. Dr. Utz Schäffer und Prof. Dr. Dr. h. c. Jürgen Weber. Über 1.000 Mitglieder nehmen regelmäßig an den Studien teil.

Haufe Online Redaktion
Schlagworte zum Thema:  Controller, Digitalisierung, Employability