Kennzahlen-Kommunikation: KPIs öffentlich visualisieren

Wie viele Kennzahlen braucht der Mensch? Und wie stelle ich sie dar? Prof. Nicole Jekel stellt in ihrer Kolumne diverse Beispiele für die emotionale Darstellung von Kennzahlen in guten wie in schlechten Zeiten dar.

Ein Bild sagt mehr als 1.000 Zahlen

Es gibt etliche Tipps, wie viele Kennzahlen genug sind. Die einen sagen: ‚Twenty is plenty!‘, also 20 KPIs seien genug. Die anderen befürworten zehn KPIs. Minimalisten hingegen meinen, dass drei bis fünf Kennzahlen letztlich das absolute Maximum seien.

Erfolgsbeispiele gibt es für gute Zeiten

 Ich denke, dass es je nach Branche und Unternehmen variiert. Je länger ich mich allerdings mit der Thematik beschäftige, desto mehr komme ich dahin, dass in guten Zeiten weniger KPIs besser sind und dass es in schlechten Zeiten nicht genug sein können. Darüber hinaus sollten sie für die Mitarbeiter(innen) immer sichtbar sein. Erfolgreiche Unternehmen haben hierfür wenige Kern-Kennzahlen in ihrem Eingangsbereich visualisiert.

  • Ein Unternehmen hat im Eingangsbereich Plexiglasröhren aufgebaut und beispielsweise Golfbälle als Erfolgsmaßstab in ausgewählten Farben in die Röhre geworfen, so dass die Summe der Bälle den Erfolg aufzeigt. Im Futurium in Berlin, einem 2019 neu eröffneten Museum, erfolgt eine ähnliche Abfrage mit Holzkugeln. Jeder Museumsgast ist auf der ersten Ebene gefragt, abzustimmen und kann sich zwischen zwei Alternativen bzw. Röhren entscheiden.
  • Bei einer weiteren Insel im Futurium können mit Papierklebern Dinge abgeklebt werden, auf die man verzichten kann. Sie sehen, selbst im Museum kehren diese Mach-Mit-Plakate ein. Ähnlich berichtete Allan Stevens, dass in den 1970er Jahren bereits für ein Unternehmen alle Matrixausdrucke in einem Raum ausgelegt wurden und die Manager aufgefordert wurden, die relevanten Ausdrucksteile herauszunehmen, die wirklich gelesen wurden. Mit diesen – eher spielerischen – Methoden können schnell sehr gute, praktische und pragmatische Ergebnisse erzielt werden.
  • In einem Start-up-Unternehmen in Berlin wurden beispielsweise die relevanten Kennzahlen mit Musiksongs emotional aufgeladen. So ist aus einer Umsatzkennzahl die Diamonds-are-Forever-Kennzahl in Anlehnung an einen James-Bond-Film entstanden. In Anlehnung an weitere James-Bond-Filme lauten entsprechend weitere vier KPIs dieses Unternehmens:
KennzahlName/SongtitelDt. FilmtitelJahr
AuftragseingangMoonrakerMoonraker - Streng geheim1979
EBITGoldenEyeGoldenEye1995
CashflowTomorrow Never DiesDer Morgen stirbt nie1997
MonatskennzahlThe World is Not EnoughDie Welt ist nicht genug1999

Empfehlungen für schlechte Zeiten

Gehen wir nun einmal von einer schlechten Zeit aus: Jetzt können es nicht genug KPIs sein. Hier ist meine Empfehlung, dass in bereits guten Zeiten ein Fitnesstest durchgeführt wird: Dabei wird der Monat mit den niedrigsten Ergebnissen des letzten Jahres genommen (in volatilen Märkten kann dies auch der Monat der letzten 24 bzw. 36 Monate sein) und die Kosten werden kritisch analysiert. Welche Kosten können vermieden werden? Welche können verringert werden? Wo kann gespart werden?

  • Die besten Ideen für Einsparpotenziale finden sich bei Sportunternehmen, wenn es darum geht, z. B. Kalorien einzusparen. Puma hat dazu beispielsweise bei den Hackeschen Märkten in Berlin eine Kalorientreppe aufgebaut. Mit jeder Stufe nach oben werden -0,105 KCAL abgebaut. Diese Treppe kann als Idee genutzt werden, um Anregungen zu sammeln, wie Kosten reduziert werden können.
  • Geschäftsmodelle werden beispielsweise von einem smarten Wohnungswirtschaftsunternehmen mit Lean Canvas Methoden kontinuierlich kritisch reflektiert, inwiefern die Prozesse digitalisiert werden können.
  • Auch Design Thinking kann eine weitere Option sein, um kritisch in Problemen und Lösungen zu denken und auf diese Weise tatsächlich den Kundennutzen in den Mittelpunkt stellen. Zahlreiche Start-up-Unternehmen als auch Bestandsunternehmen nutzen diese Methode, um kritisch vor-, nach- und querzudenken, denn ‚grün‘ ist ja heute das neue ‚rot‘!

To Go’s:

  • In guten Zeiten Kennzahlen gemeinsam in Durchlaufbereichen feiern.
  • Für schlechte Zeiten bereits in guten Zeiten den schlechtesten Monat simulieren und daraus Optimierungen ableiten ...
  • ... Controlling rockt Ihre Woche!

Hören Sie dazu auch den Podcast.

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Controller Magazin 3/2020
Schlagworte zum Thema:  Kennzahl, Reporting