Serienelemente
Plenum der Fachkonferenz Strategisches Management 2018 Bild: Horváth Akademie GmbH

Was sind die Märkte der Zukunft und wie gehen Unternehmen strategisch an diese heran? Knapp 80 Strategieexperten kamen hierzu am 25. April 2018 auf der Jahreskonferenz Strategisches Management in Stuttgart zusammen. Referenten aus verschiedenen Branchen, sowohl aus Großkonzernen als auch aus Start-Ups, lieferten anschauliche Praxisbeispiele und Impulse zum Leitthema "Think big! Die Märkte der Zukunft - und wie man sie strategisch erobert". Über die Erkenntnisse berichten wir in einer neuen Serie.

Kontinuierliche Auseinandersetzung mit Zukunftsfragen notwendig

Die Zukunft akkurat vorherzusagen ist nicht nur ziemlich schwierig, sondern nahezu unmöglich. Dennoch ist, dass es unerlässlich, sich permanent mit Fragen zur Zukunft zu beschäftigen. Darüber waren sich die knapp 80 Strategieexperten einig, die am 25. April 2018 auf der Jahreskonferenz für Strategisches Management in Stuttgart zusammenkamen. Dr. Oliver Greiner und Dr. Tatjana Kazakova aus dem Competence Center Strategy, Innovation & Sales vom Veranstalter Horváth & Partners moderierten die Konferenz und diskutierten mit den Teilnehmern unter anderem über die Bedeutung einer engen Verzahnung von Strategie- und Innovationsarbeit.

Potenzial von Modellen zur Zukunftsantizipation wird unterschätzt

Seit vielen Jahren gibt es Modelle und Tools, die den Umgang mit einer stets unsicheren Zukunft erleichtern. Allerdings könnten diese Methoden nie ein genaues Zukunftsbild kreieren, sondern lediglich mögliche Szenarien beleuchten, so Sebastian Ley, Principal im Competence Center Strategy, Innovation & Sales von Horváth & Partners. Die Szenariotechnik, ein etablierter und weit verbreiteter Ansatz, beschäftigt sich mit der Entwicklung möglicher Zukunftsszenarien. Hierbei können aus dem gesamten Möglichkeitsspektrum wahrscheinliche Entwicklungen identifiziert und darauf aufbauend zukunftsorientierte Geschäftsmodelle entwickelt werden. Solche Ansätze helfen nicht nur, Komplexitäten zu reduzieren und relevante Trends zu erkennen, sondern schaffen auch eine gewisse Zukunftsoffenheit. „Es geht darum, gedankliche Grenzen zu sprengen und das Undenkbare zu denken zu wagen.“, legte Ley den Teilnehmern nahe. Einige Unternehmen würden altbekannte Tools jedoch lediglich zur Selbstberuhigung nutzen, stellte er bewusst provokant in den Raum. Ergänzend betonte Sebastian Ley, dass Modelle zur Zukunftsantizipation einen breiteren Verwendungszweck bedienen müssten als es in vielen Organisationen der Fall sei, da diese großes Potenzial beim Entdecken von neuen Chancen offenbaren würden. Die Entwicklungsgeschwindigkeit und Dynamik der heutigen Zeit erschwere zwar solche Methoden, dennoch werde durch diese das bewusste Handeln angeregt.

Unternehmen stehen sich beim Thema Innovation oft selbst im Weg

Die Zusammensetzung der acht Referenten aus Abteilungsleitern aus Großkonzernen, Entrepreneuren sowie Leiter unabhängiger Inkubatoren versprach vielseitige Ansichten und Denkanstöße. Starke Diskrepanzen sorgten für angeregte Diskussionen und man gelang zu der Erkenntnis, dass sich viele Unternehmen beim Thema Innovation selbst im Weg stehen. Auch wenn die Notwendigkeit und Relevanz von Zukunftsauseinandersetzung für die Strategiearbeit erkannt werde, scheitere es oft an der Umsetzung. Damit einhergehend dürften die Etablierung einer Fehlerkultur, das Erstellen von flexiblen Budgets sowie die Verankerung von Mut zum Wandel keine Lippenbekenntnisse bleiben, sondern müssten in der gesamten Organisation gelebt werden. „Man muss auch mal in eine Sackgasse laufen dürfen“, resümierte Dr. Stefan Niemand, Leiter für Elektrifizierung bei AUDI, diesbezüglich passend.

Wie kann sich ein Unternehmen auf die volatile Zukunft vorbereiten?

Einige Referenten gewährten Einblicke in die mögliche Zukunftsarbeit ihrer Unternehmen.

  • Wie sieht die Mobilität 2020, 2030 und 2050 aus?
  • Was sind sogenannte „Desirable Futures“?

Mit Fragen wie diesen müssen sich Strategieexperten permanent befassen, denn obwohl es beunruhigend sein kann, die Zukunft nicht zu kennen, bieten neue Märkte oft auch große Chancen. Wie kann sich daher ein Unternehmen aufstellen, um möglichst gut für die Zukunft gewappnet zu sein? Des Öfteren genannt wurden die wichtige Rolle von zukunftsoffenem Denken sowie die Bedeutung von Agilität und Flexibilität, um schnell auf Veränderungen zu reagieren. Im Idealfall müsse ein Unternehmen heute die sogenannte Ambidextrie, also die „Beidhändigkeit“, beherrschen. Dabei gelte es,

  1. Gewinne im Kerngeschäft abzuschöpfen sowie Kernkompetenzen auf dem Weg zur Operational Excellence auszubauen und
  2. gleichzeitig Neues nicht aus dem Blick zu verlieren, stets zu innovieren und nach neuen Wachstums- und Geschäftsfeldern zu suchen.

Die Referenten zeigten interessante Wege auf, wie sie diesen Drahtseilakt in ihrem Unternehmen angehen werden.

Keine Scheu vor Selbstdisruption

Zum Ende der Konferenz fassten die Konferenzleiter Dr. Oliver Greiner und Dr. Tatjana Kazakova wesentliche Key-Take-Aways der Vorträge noch einmal zusammen. Elementar für eine erfolgreiche Zukunft seien sowohl die enge Zusammenarbeit von Strategie- und Innovationsarbeit als auch der kontinuierliche Blick in die Zukunft als Basis für die Strategieentwicklung. Außerdem müsse die Scheu vor Selbstdisruption abgelegt werden. Darauf aufbauend sei Raum für Kreativität kein Luxus, den sich nur wenige Unternehmen leisten können, sondern eine Notwendigkeit, um bestehende Denkmuster zu durchbrechen. Nicht zuletzt brauche es „Mut zum Wandel“ und eine erhöhte Risikobereitschaft, wie es Isabel Hartung, Head of Corporate Development bei TRUMPF, in ihrem Vortrag zur TRUMPF Strategie hervorgehoben hatte.

Wissenschafts- und Praxisexperten mit Einblicken in die Strategiearbeit

Referenten und Teilnehmer repräsentierten unterschiedliche Branchen aus Wissenschafts-, Beratungs-, und Unternehmensperspektive. Dabei wurde großer Wert auf die unterschiedlichen Sichtweisen von etablierten Unternehmen und der Start-Up-Welt gelegt. In dieser neuen Serie finden Sie zu jedem Vortrag einen Kurzbericht mit spannenden Impulsen:

  • Die Zukunft gestalten - mit Strategie und Innovationskraft
    Patrick Kück, Director Strategy & Innovation, Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG 
  • Strategie zwischen Wachstum und Regulierung
    Christian Tilmann, Director Group M&A and Corporate Development, McKesson Europe AG
  • Von der Vision zum Geschäftsmodell
    Philipp Schröder, Managing Director Vertrieb und Marketing, sonnen GmbH 
  • Zukunftsmärkte erschließen: Wissen warum, wissen wo, wissen wie
    Sebastian Ley, Principal, Competence Center Strategy, Innovation & Sales, Horváth & Partners 
  • Schlüsseltrends für Wachstum in regulierten Märkten identifizieren
    Daniel Saur, Head of Corporate Development, McKesson Europe AG
  • Exponential Technologies: Was kommt auf uns zu?
    Harald Neidhardt, CEO & Curator, futur/io Institute 
  • Der richtige Zeitpunkt entscheidet
    Dr. Stefan Niemand, Leiter Elektrifizierung, AUDI AG 
  • TRUMPF Strategie 2025: Mut zum Wandel
    Isabel Hartung, Head of Corporate Development und Mitglied der erweiterten Geschäftsleitung, TRUMPF GmbH & Co. KG 
  • Human Innovation: Wie man Menschen zu einer besseren Version ihrer selbst motiviert
    Stefan Baumann, Inhaber und Geschäftsführer STURM und DRANG GmbH

Schlagworte zum Thema:  Zukunft, Innovation, Strategie, Management

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