17.03.2016 | Serie Manipulationen an Maschinen verhindern

Wie können sich Anlagenbetreiber davor schützen?

Serienelemente
Schutzeinrichtungen müssen funktionieren
Bild: Haufe Online Redaktion

Arbeitsschützern ist das Problem seit langem bekannt: Mehr als ein Drittel der Schutzeinrichtungen an Maschinen in Deutschland sind vorübergehend oder ständig manipuliert. Das ergab eine Studie schon vor Jahren. Wie können sich Betreiber von Maschinen und Anlagen davor schützen?

Manipulationsbedingte Unfälle ziehen menschliches Leid, haftungsrechtliche Probleme und hohe Kosten durch Produktionsausfälle nach sich.

Vorgesetzte wissen oft über Manipulationen von Sicherheitseinrichtungen Bescheid

Vor Manipulationen kann sich nur der Betreiber von Maschinen und Anlagen schützen, der weiß, wann und warum manipuliert wird.

Im Normalbetrieb geschieht das häufig, um schneller arbeiten zu können, also etwa den Durchsatz bzw. die Stückzahlen zu erhöhen. Wo Schutzeinrichtungen die Arbeit verlangsamen, werden sie außer Kraft gesetzt.

Doch das passiert nicht selten mit Wissen oder Duldung der Geschäftsleitung bzw. von Vorgesetzten.

Anreize zur Manipulation liegen auch in der Maschinenkonstruktion

Oft werden Anlagen und Maschinen vom Hersteller entgegen den Anforderungen der EU-Maschinenrichtlinie so ausgerichtet, dass nur der Normalbetrieb vorschriftsgemäß erfolgen kann. Für andere Betriebsarten fehlen Sicherheitseinrichtungen.

So ist es oft nicht möglich, solche Maschinen sicher in Betrieb zu nehmen, einzurichten, neu einzustellen bzw. zu justieren oder zu entstören. Es ist kritisch, wenn etwa bei der Inbetriebnahme von Maschinen und Anlagen Schutzeinrichtungen noch nicht installiert sind oder wenn sie bei der Instandhaltung zur Prüfung außer Kraft gesetzt werden müssen.

Wie können sich Anlagenbetreiber vor Manipulationen schützen?

Um Manipulationen wirksam zu verhindern, müssen also Betreiber und Hersteller aktiv werden. Hersteller müssen schon beim Bau von Maschinen berücksichtigen, welche Fehlanwendungen nahe liegen – und dies durch konstruktive Merkmale so weit wie möglich verhindern.

Die Kommission „Arbeitsschutz und Normung empfiehlt: „Hersteller können der Manipulation wirksam vorbeugen, indem sie bei der Konstruktion folgende drei Grundsätze befolgen:

  1. Manipulation verhindern, indem Maschinen so konstruiert werden, dass der Manipulationsanreiz möglichst gering ist.
  2. Manipulation erschweren, zum Beispiel durch Positionsschalter mit individueller Kodierung oder RFID-Technik.
  3. Bestehende Manipulation erkennen, beispielsweise anhand von Plausibilitätsprüfungen durch intelligente Maschinensteuerungen (SPS).“

Mehr dazu lesen Sie im KAN-Brief "Maschinensicherheit: Manipulationsanreiz verringern ist das A und O".

Betreiber dürfen nur solche Maschinen/Arbeitsmittel bereitstellen, die sicher betrieben werden können – die also die Anforderungen der Maschinenrichtlinie einhalten und über manipulationssichere Schutzeinrichtungen verfügen.

Manipulationen sind lebensgefährlich - Bewußtsein der Mitarbeiter schulen

Mitarbeiter müssen durch Betriebsanweisungen und Unterweisungen informiert werden, welche Gefahren bei der Arbeit drohen und wie man sie vermeidet.

Nutzen Sie die Haufe-Argumentationshilfe "Wieso ist es gefährlich, Schutzeinrichtungen außer Kraft zu setzen?", um dabei auch auf die Gefahren durch Manipulationen einzugehen.

Mehr zum Thema "Manipulation von Schutzeinrichtungen an Maschinen verhindern"

Mehr zum Thema  finden Sie auf der sehr informativen Plattform "Manipulation von Schutzeinrichtungen an Maschinen verhindern" des Mannheimer Vereins zur internationalen Förderung der Maschinen- und Systemsicherheit e.V.

Schlagworte zum Thema:  Manipulation, Unterweisung, Maschine, Unfallverhütung, Unfallanalyse, Unfallursache, Arbeitsunfall

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