Gallup-Index: Emotionale Bindung bleibt schwach, Führung gefragt
Der Engagement-Index von Gallup untersucht seit 2001 die Motivation und emotionalen Bindung der Beschäftigten zu ihren Unternehmen und Arbeitgebern. Für die jüngste Untersuchung wurden zwischen dem 18. November und 20. Dezember 1.700 Beschäftigte ab 18 Jahren telefonisch interviewt. Das Ergebnis fasst Gallup folgend zusammen. „Die große Mehrheit der Beschäftigten ist emotional nur gering an ihren Arbeitgeber gebunden und erfüllt ihre Aufgaben pflichtgemäß, ohne sich darüber hinaus einzubringen.“
Ergebnisse
Aber was sind die Ergebnisse des 2025-Index genau, die zu diesem negativen Fazit Anlass geben? Die wichtigsten Punkte auf einen Blick:
- 77 Prozent der Beschäftigten in Deutschland hatten eine schwache emotionale Bindung zu ihrem Arbeitgeber.
- Der Anteil der Beschäftigten ohne emotionale Bindung war mit 13 Prozent weiterhin unverändert auf dem niedrigsten Stand seit Beginn der Erhebung.
- Die Zahl der emotional hoch gebundenen Arbeitnehmenden blieb mit nur 10 Prozent sehr schwach ausgeprägt (2024: 9 %, dieser Wert war der niedrigste gemessene Wert seit Beginn der Index-Ergebung).
- Die emotionale Bindung wirkte sich auch auf den Krankenstand aus: Die Gruppe derjenigen, die sich innerlich bereits verabschiedet haben, kam 2025 auf 9,7 Krankheitstage, diejenigen mit hoher Bindung dagegen auf nur 5,6 Tage.
- Jeder Fehltag kostete den Arbeitgeber im Schnitt 347,20 Euro.
- Dennoch blieb die Bereitschaft, weiter beim derzeitigen Unternehmen zu arbeiten, wenn auch deutlich unter dem Niveau der Vor-Corona-Zeit (2018: 78 %). Immerhin 40 Prozent möchten auch in drei Jahren noch bei ihrem derzeitigen Unternehmen beschäftigt sein (2024: 34 %).
- Während 74 Prozent gute Chancen für sich auf dem Arbeitsmarkt sahen, wurde die Situation des derzeitigen Arbeitgebers dagegen verhalten eingeschätzt. Lediglich 23 Prozent der Beschäftigten waren davon überzeugt, dass ihre Geschäftsführung zukünftige Herausforderungen erfolgreich meistern wird (2024: 27 %).
- Die Sorge vor der Konkurrenz durch KI-Technologie nimmt deutlich zu. Jeder Sechste (16 %) hielt die Streichung der eigenen Stelle in fünf Jahren für wahrscheinlich.
Folgekosten für Unternehmen
Die wirtschaftlichen Folgen waren laut dem Gallup-Index erheblich: Die Gruppe der inneren Kündiger verursachte 2025 vor allem durch den bedingten höheren Krankenstand volkswirtschaftliche Produktivitätseinbußen zwischen 119,2 und 142,3 Milliarden Euro. Demgegenüber trugen die emotional hoch Gebundenen als Leistungsträger maßgeblich zum Erfolg ihrer Arbeitgeber bei. Geringe oder fehlende emotionale Bindung war dabei nicht maßgeblich auf Unzufriedenheit mit dem Arbeitgeber zurückzuführen – nur fünf Prozent der Befragten gaben an, mit ihm „nicht“ oder „überhaupt nicht zufrieden“ zu sein, 27 Prozent der Beschäftigten waren „äußerst zufrieden“ (2024: 24 %).
Primär ein Führungsproblem
Aus dieser Tatsache ergebe sich laut dem Analysten-Team von Gallup eine Chance für die Unternehmen, die Situation wieder deutlich zu verbessern. Denn ein durch gute Führung geprägtes Arbeitsumfeld, das in einer hohen emotionalen Bindung resultiert, wirke sich deutlich auf die geplante Bleibedauer aus. Gute Führung wiederum orientiere sich an den emotionalen Bedürfnissen der Mitarbeitenden. Wer sich von seiner Führungskraft nicht gesehen, eingebunden, gefördert und inspiriert fühlt, erfülle seine Aufgaben – aber mehr auch nicht. Emotionale Mitarbeiterbindung, so die Gallup-Analysten, sei kein „Nice-to-have“, sondern mittlerweile ein harter Wettbewerbsfaktor.
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