Ü45-Check der Rentenversicherung im Test
Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und wachsenden Fachkräftemangels sollen möglichst wenige Menschen aufgrund gesundheitlicher Gründe eine frühzeitige Erwerbsminderungsrente beantragen müssen. Leider sind aber bereits 15 Prozent aller Rentenzugänge Personen mit Erwerbsminderungsrente. Im Rahmen des 2017 in Kraft getretenen Flexirentengesetzes muss die Deutsche Rentenversicherung einen Online-Gesundheitscheck anbieten, der zunächst in Modellprojekten erprobt wurde. Das Tool namens „Ü45-Check“ befindet sich mittlerweile in der Einführungs- und Ausbauphase, wird aber noch nicht bundesweit angeboten.
Ü45-Check
Der Ü45-Check, auch Ü45-Onlinecheck genannt, wurde als präventives und kostenloses Online-Angebot konzipiert. Es funktioniert folgendermaßen: Durch die Beantwortung von insgesamt sieben Fragen („Ü45-Screening“) können Versicherte ab 45 Jahren ihren Gesundheits- und Fitnesszustand, und damit auch ihre Arbeitsfähigkeit, einschätzen lassen. Ziel des Ü45-Checks ist es, gesundheitliche Risiken zu identifizieren, damit der Service passende Leistungen zur Prävention und Rehabilitation vorschlagen kann. Der Service ist streng datengeschützt, die Daten werden von der Deutschen Rentenversicherung in der Regel nicht gespeichert.
Frühwarnsystem
Somit fungiert das Tool als Frühwarnsystem mit der Botschaft: Besser jetzt präventive Maßnahmen umsetzen, als eine Minderung der Erwerbsfähigkeit und damit eine Erwerbsminderungsrente zu riskieren. Der Online-Check bewertet durch sieben Fragen zu Lebensstil, Gesundheit und Arbeitsbedingungen, wie fit man ist und ob Risiken für die weitere Erwerbsfähigkeit bestehen. Ziel ist es, Gesundheitsprobleme, beispielsweise Rückenschmerzen, Übergewicht oder Stress, frühzeitig zu erkennen, noch bevor eine Reha oder sogar eine Frührente notwendig wird. Die individuelle Einschätzung des Gesundheitszustands erfolgt bereits kurz nach der Beantwortung der Fragen. Das Ergebnis kann von „kein Handlungsbedarf“ bis hin zu Empfehlungen für eine Teilnahme am Präventionsprogramm der Rentenversicherung, „RV Fit“, oder bei besonders negativer Bewertung sogar an einer medizinischen Rehabilitation reichen. Bei Bedarf kann direkt im Anschluss ein Antrag auf Leistungen zur Prävention oder zur Rehabilitation gestellt werden.
Wissenschaftliche Evaluation
Das Angebot selbst wurde nun einer Evaluation unterzogen, um festzustellen, wie gut das Tool durch die Versicherten angenommen wird. Ein Forscherteam der Pädagogischen Hochschule Freiburg bewertete dabei unter anderem die bisherigen Modellprojekte der Startphase. Die Evaluation wurde unter anderem mittels einer Online-Befragung von Versicherten durchgeführt. Ergebnis: Die Teilnahmequoten in den Modellprojekten reichten von 4,5 Prozent bis 20,8 Prozent. Versicherte, die den Ü45-Check wahrgenommen haben, waren im Vergleich zu einer Kontrollgruppe häufiger weiblich, hatten häufiger das Abitur und seltener gesundheitliche Risiken. Die Antragsquoten von Präventions- und Rehabilitationsleistungen waren bei den eingeladenen Versicherten signifikant höher als in den Kontrollgruppen, der Effekt war stärker unter Personen mit allenfalls mittlerem gesundheitlichem Risiko.
Bewertung: Selektive Ansprache besser
Die Freiburger Wissenschaftler empfahlen auf Basis ihrer Evaluationsergebnisse eine weitgehende Neuausrichtung und Überarbeitung des Ü45-Checks. In seiner jetzigen Form würde er zu hohen, nicht kompensierbaren Kosten führen. Bei selektiver Ansprache von Versicherten mit hohen gesundheitlichen Risiken wären diese, so die Forscher, deutlich geringer. Hürden bestünden vor allem durch die Rahmenbedingungen des Ü45-Checks und der niedrigen Bekanntheit präventiver Leistungen der Rentenversicherung. Die Ansprache des Services sollte letztendlich explizit auf die Personengruppe mit hohen gesundheitlichen Risiken heruntergebrochen werden.
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