Zeitarbeit im Wandel: Arbeitszufriedenheit und Risiken im Check
Noch heute gilt die Zeitarbeit als eher prekäres Arbeitsverhältnis mit relativ geringer Sicherheit, niedriger Entlohnung und oft fehlender sozialer Absicherung. Auch in Bezug auf die Arbeitsbedingungen seien die Zeitarbeiter in Vergleich zu Festangestellten noch immer benachteiligt. Aber ist das wirklich so? Um darauf eine Antwort zu erhalten, wertete die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) ihre zusammen mit dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) durchgeführten „Erwerbstätigenbefragungen“ der Jahre 2012, 2018 und 2024 aus.
Wer, wo und wie
Zunächst analysierten die BAuA-Forscher die grundlegenden Strukturen der Zeitarbeit. Welche Personengruppen arbeiten dort am häufigsten, in welchen Branchen und im Rahmen welcher Arbeitszeiten? Die neuesten Daten aus 2024 zeigen: Nach wie vor dominieren männliche Beschäftigte in der Zeitarbeit und zwar mit 63 Prozent (2012: 63 %; 2018: 67 %). Zudem sind Zeitarbeitende zu 76 Prozent überdurchschnittlich häufig in Vollzeit (2012: 83 %; 2018: 80 %) und mit 40 Prozent weiterhin am häufigsten in der Industrie tätig (2012: 42 %; 2018: 35 %; 2024: 40 %). Letzteres sei laut dem Forscherteam auf die anhaltend hohe Nachfrage nach flexibel einsetzbaren Arbeitskräften in industriellen Produktionsprozessen zurückzuführen.
Arbeitszufriedenheit
Während sich an den grundlegenden Strukturen der Zeitarbeit nur wenig verändert hat, zeigt sich in anderen Bereichen ein deutlicher Wandel - vor allem bei der Arbeitszufriedenheit. Besonders stark gestiegen ist die Zufriedenheit mit dem Einkommen, die sich von 41 Prozent im Jahr 2012 auf 74 Prozent im Jahr 2024 erhöht hat. Ähnlich deutlich fiel der Zuwachs bei der Zufriedenheit mit Art und Inhalt der Tätigkeit aus, die von 79 Prozent im Jahr 2018 auf 92 Prozent im Jahr 2024 gestiegen ist. Der Anstieg der Arbeitszufriedenheit hat aber auch andere Ursachen, in der Möglichkeit, die eigene Arbeitszeit selbst einteilen zu können. Besonders deutlich war der beim Thema Arbeitspausen zu erkennen. So gaben 53 Prozent der Zeitarbeiter im Jahr 2024 an, ihre Pausenzeiten nach den eigenen Bedürfnissen ausrichten zu können. 2012 waren das lediglich 31 Prozent. Verstärkt wurde die Arbeitszufriedenheit auch durch anscheinend immer bessere soziale Beziehungen am Arbeitsplatz. So gaben 89 Prozent der Zeitarbeitenden 2024 an, Hilfe und Unterstützung von Kolleginnen und Kollegen zu erhalten; dieser Wert lag 2012 „nur“ bei 76 Prozent. 61 Prozent berichteten über gute Unterstützung durch ihre Vorgesetzten (2012: 57 %).
Potenzielle psychische Belastungen
Im Vergleich zu diesen oben genannten Daten fallen die Zahlen zu psychischen Belastungen (Monotonie der Arbeit, Arbeitsplatzunsicherheit, hohe Arbeitsanforderungen) differenzierter aus. Hinsichtlich der wahrgenommenen Arbeitsplatzunsicherheit zeigt sich, dass diese 2012 mit 19 Prozent am niedrigsten und 2018 mit 31 Prozent am höchsten lag. 2024 empfanden 25 Prozent eine (sehr) hohe Arbeitsplatzunsicherheit. Über Arbeitsmonotonie klagten 2024 dagegen nur noch 35 Prozent der Befragten, während dies 2012 39 Prozent und 2018 45 Prozent taten. Die Arbeitsanforderungen wurden an den Faktoren „schnelles Arbeiten“ und „gleichzeitiges Betreuen verschiedener Arbeiten“ gemessen. 2024 gaben 36 Prozent der Beschäftigten an, besonders schnell arbeiten zu müssen (2012: 46 %; 2018: 41 %). Eine deutliche Zunahme war beim gleichzeitigen Betreuen verschiedener Arbeiten zu verzeichnen: von 36 Prozent im Jahr 2012 über 39 Prozent im Jahr 2018 auf 51 Prozent im Jahr 2024.
Ratschlag für Unternehmen
Grundsätzlich lässt sich bei den Zeitarbeitern eine größere Zufriedenheit mit ihrer Arbeit ausmachen als noch vor acht und 14 Jahren. Es besteht aber die Gefahr, dass insbesondere das vermehrt „schnelle Arbeiten“ und das „gleichzeitige Betreuen verschiedener Arbeiten“ auf Dauer zu erhöhter und gesundheitsgefährdender Arbeitsbelastung führen. Das Forscherteam der BAuA empfiehlt zur Abwehr von negativen Entwicklungen wie dieser angepasste Gefährdungsbeurteilungen, daraus ableitend passgenaue Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen, etwa durch Gestaltungsspielräume, realistische Leistungsvorgaben und bessere Integration der Zeitarbeiter in den Arbeitsschutz der Einsatzbetriebe.
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