Die Fachanwaltsordnung (FAO) regelt, wie ein Anwalt eine Fachanwaltsbezeichnung erwerben kann. Ein Anwalt darf eine Fachanwaltsbezeichnung führen, wenn er besondere Kenntnisse in einem Rechtsgebiet erworben und nachgewiesen hat.

Die Fachanwaltsordnung schreibt vor, dass ein Rechtsanwalt besondere theoretische Kenntnisse sowie besondere praktische Erfahrungen in einem Rechtsgebiet erworben haben muss, um den Titel Fachanwalt führen zu dürfen.

Für den Erwerb besonderer theoretischer Kenntnisse muss ein angehender Fachanwalt an einem auf die Fachanwaltsbezeichnung vorbereitenden anwaltsspezifischen Lehrgang teilnehmen, der alle relevanten Bereiche des Fachgebiets umfasst, und mindestens 3 schriftliche Leistungskontrollen erfolgreich absolvieren. Dies sehen die §§ 4, 4a Fachanwaltsordnung vor.

Um besondere praktische Erfahrungen in einem Rechtsgebiet nachzuweisen, muss ein Rechtsanwalt belegen, dass er innerhalb der letzten drei Jahre eine bestimmte Zahl an Fällen persönlich und weisungsfrei bearbeitet hat. Je nach Fachgebiet schreibt die Fachanwaltsordnung die Bearbeitung von 50 bis 160 Fällen vor.

Fortbildungspflicht

Wenn ein Anwalt eine Fachanwaltsbezeichnung führt, muss er sich im Kalenderjahr auf seinem Rechtsgebiet mit mindestens 10 Zeitstunden fortbilden (§ 15 Fachanwaltsordnung). Ab 2015 beträgt die Fortbildungspflicht laut Fachanwaltsordnung 15 Zeitstunden im Jahr.

Fachanwaltsbezeichnungen

Derzeit gibt es Fachanwaltsbezeichnungen für Verwaltungsrecht, Steuerrecht, Arbeitsrecht, Sozialrecht, Familienrecht, Strafrecht, Insolvenz, Versicherungsrecht, Medizinrecht, Miet- und Wohnungseigentumsrecht, Verkehrsrecht, Bau- und Architektenrecht, Erbrecht, Transport- und Speditionsrecht, gewerblichen Rechtsschutz, Handels- und Gesellschaftsrecht, Urheber- und Medienrecht, Informationstechnologierecht, Bank- und Kapitalmarktrecht sowie Agrarrecht (§ 1 Fachanwaltsordnung). Im Jahr 2014 ist der Fachanwaltstitel für internationales Wirtschaftsrecht neu hinzugekommen.

News 23.08.2016 Pflichtfortbildungsnachweis

Ob eine anwaltliche Fortbildungsveranstaltung als Pflichtfortbildungsnachweis eines Fachanwalts ausreicht, muss die zuständige Rechtsanwaltskammer nicht nicht vorab per Verwaltungsakt entscheiden. Die Prüfung kann sie später im Rahmen eines Widerrufsverfahrens vornehmen, stellte der Bundesgerichtshof fest.mehr

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Der Bundesgerichtshof hat nach langem Hin und Her - der Fall hat mittlerweile einen Bart - geklärt, unter welchen Voraussetzungen ein Rechtsanwalt  nach einer Wiederzulassung zur Rechtsanwaltschaft berechtigt ist, die ihm vor Widerruf der Zulassung verliehene Fachanwaltsbezeichnung erneut zu führen.mehr

Serie 10.05.2016 Professionelles Kanzleimarketing

Klappern gehört zum Handwerk, kann aber auch manchmal in's Auge gehen. Auf der Kanzlei-Website beißt sich der Hinweis "…erfolgreicher Abschluss des theoretischen Prüfungsteils zur Verleihung des Titels zum Fachanwalt für Steuerrecht" mit dem § 43b der BRAO, wenn der Erwerb des Fachanwaltstitels nicht angesteuert wird. So sieht es zumindest das Anwaltsgericht Köln.mehr

News 17.12.2015 Widerruf des Fachanwaltstitels

Die Rechtsanwaltskammer Hamm hat einem älteren und möglichwerweise  uneinsichtigen Fachanwalt für Steuerrecht den Fachanwaltstitel entzogen, weil er sich auf die Veröffentlichung von wissenschaftlichen Beiträgen berief, ohne die Kammer darüber zu informieren, wann er diese erstellt hatte.mehr

News 08.10.2015 Fachanwaltstitel

Den Nachweis ihrer besonderen theoretischen Kenntnisse erbringen Anwälte in der Regel über die erfolgreiche Teilnahme an Fachanwaltslehrgängen. Anwälte können sich natürlich auch außerhalb der Fachanwaltslehrgänge Spezialwissen aneignen, müssen dies aber lückenlos für alle relevanten Themen nachweisen. Veröffentlichungen zu einigen Themen reichen dafür nicht.mehr

News 06.07.2015 Wettbewerbsrecht

Ein in einer Anwaltskanzlei angestellter Rechtsanwalt ist für Wettbewerbsverstöße auf der Homepage der Kanzlei nur dann wettbewerbsrechtlich verantwortlich, wenn er bestimmenden Einfluss auf den Inhalt der Homepage hatte. In einem vom Oberlandesgericht Frankfurt entschiedenen Fall war das nicht so.mehr

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Obwohl Kanzleiberater Anwälten gebetsmühlenartig empfehlen, sich doch endlich zu spezialisieren, fällt das in der praktischen Umsetzung recht schwer. Und viele Anwälte verfahren wohl auch nach dem Motto „Todgesagte leben länger!“mehr

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