Business-Aktivismus

Was kommt nach der Nachhaltigkeit?


Kolumne: Was kommt nach der Nachhaltigkeit?

Nachhaltigkeit war gestern – was bewegt die Wirtschaft heute? Während Vorträge zu KI und Geopolitik boomen, spielt das Thema Nachhaltigkeit auf den großen Konferenzen eher eine Nebenrolle. Neues Normal statt Hype? In dieser Kolumne zeigt Jule Bosch, was als Nächstes kommt.  

Welche Themen bewegen aktuell die Wirtschaft? Kaum jemand weiß das wohl besser als Speaker-Agenturen.

Ich habe in den letzten Wochen und Monaten mit einigen meiner Agenturen gesprochen, um herauszufinden, ob auch sie den Backlash in Sachen Nachhaltigkeit wahrnehmen. Und tatsächlich. Für dieses Thema gibt es nicht nur bei mir, sondern auch bei den Agenturen aktuell viel weniger Anfragen als noch im letzten oder vorletzten Jahr. Was bewegt also den Mittelstand und auch die Großunternehmen gerade so sehr, dass sie andere Themen und Probleme erstmal hinten anstellen?

Die Antwort: Am meisten nachgefragt werden momentan Vorträge und Expertenwissen in Sachen KI und Geopolitik. Und irgendwie ist das auch nicht überraschend.

Vom Hype zum neuen Normal

Die „Welt da draußen“ ist insbesondere in Bezug auf diese beiden Themen gerade neu, unübersichtlich, komplex und teilweise sogar chaotisch. Noch dazu kommt die Dynamik eines Hypes vor allem in Sachen KI.

Was ich in den letzten Monaten aber auch gelernt habe, nicht von den Speaker-Agenturen, sondern von den Macher:innen in Unternehmen:

Nur weil Nachhaltigkeit weniger Raum auf öffentlichen Bühnen bekommt, ist sie für die Wirtschaft nicht weniger wichtig.

In vielen Unternehmen ist sie vom Hype zum „neuen Normal“ geworden. Einige haben CO₂ als maßgebliche Unternehmenskennzahl etabliert, haben Flotten umgerüstet und ihre Energieversorgung auf Erneuerbare umgestellt, sie haben das Reporting professionalisiert und Nachhaltigkeitsmanager:innen eingestellt. Sie alle wundern sich über Politikerinnen, die denken, es sei gut für die Wirtschaft, die Transformation eher wieder zu drosseln.

Oder wie Katharina Reuter, Geschäftsführerin beim Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft (BNW), im Interview bei Haufe beschreibt: „Die Unternehmen sind weiter als die Politik.“

Wichtig ist jetzt, dass dieser Drive möglichst beibehalten wird, auch wenn der Hype vorbei ist. Dass „hinter den Kulissen“ die Prozesse und Produkte, die für das Tagesgeschäft relevant sind, immer nachhaltiger werden. Und natürlich sind wir noch nicht in jeder Hinsicht am Ziel und es gibt immer noch einiges an Potenzial! 

Von Optimierung zur echten Transformation

Doch der nächste Schritt ist klar, denn die Popularität von Themen entwickelt sich in Wellen. Die nächste Welle der Nachhaltigkeit beschäftigt sich nicht mehr mit dem, was naheliegend ist und relativ schnell umzusetzen - Prozessoptimierung, Energieversorgung, Flotten umrüsten, verbleibende Emissionen kompensieren, Messung und Bericht von Nachhaltigkeitskennzahlen - all das ist vielerorts heute schon Standard.

Nach der Prozessoptimierung kommt die Innovation und mit ihr die tatsächliche Transformation von Geschäftsmodellen. Viele Start-ups und Corporates haben hier schon Pionierarbeit geleistet. Denn die Wirtschaft von morgen verfolgt nicht die Geschäftsmodelle von gestern - nur etwas weniger umweltschädlich.

Die Wirtschaft von morgen ist öko-nomisch. Ihre Geschäftsmodelle schonen nicht nur Ökosysteme, sie regenerieren sie und lösen somit den Widerspruch zwischen Ökologie und Ökonomie endlich auf.

Mal sehen, wie lange wir brauchen, bis diese neue Welle an die Oberfläche - und auf die Bühnen der Unternehmensevents - kommt.

Ich freu’ mich schon aufs Surfen! Wer noch?

Schlagworte zum Thema:  Nachhaltigkeit , Innovation
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