Schädlicher Beteiligungserwerb im Laufe des Wirtschaftsjahres
Hintergrund: Anteile auf andere Gesellschafter übertragen
Die mit genau 50 % beteiligte Gesellschafterin hatte gegen Ende November des Streitjahres 2013 ihre Anteile auf die anderen Gesellschafter übertragen. Die GmbH hat 2013 vor und nach der Übertragung Verluste erwirtschaftet. Das Finanzamt wollte gem. § 8c Abs. 1 Satz 1 KStG einen Verlustrücktrag nach 2012 für die bis zur Übertragung entstandenen Verlustanteile nur zur Hälfte zulassen.
Entscheidung: Anteiliger Verlustrücktrag darf nicht untersagt werden
Das FG entschied, entgegen den Verwaltungsanweisungen (BMF, Schreiben v. 4.7.2008, BStBl 2008 I S. 736, Rz. 31) erfasse das gesetzliche Verlustausgleichsverbot nicht die bis zu dem schädlichen Beteiligungserwerb entstandenen Verlustanteile, soweit ein Verlustrücktrag in Frage kommt.
Das Gesetz wolle verhindern, dass die von dem alten Gesellschafter erlittenen Verluste von dem neuen Gesellschafter genutzt werden. Diese Zielsetzung liefere keine Rechtfertigung, einen anteiligen Verlustrücktrag zu untersagen, weil der Altgesellschafter damit die von ihm selbst getragenen Verluste nutze. Für eine zeitanteilige Aufteilung spreche zudem die Entscheidung des BFH (Urteil v. 30.11.2011, I R 14/11, BStBl 2012 II S. 360), die eine Verrechnung eines zeitanteilig erwirtschafteten Gewinns mit einem Verlustvortrag aus dem Vorjahr für geboten erklärt hatte.
Hinweis: Übertragung auf den Bilanzstichtag verlegen
Die zeitanteilige Betrachtungsweise erfordert bei unterjährigem Beteiligungserwerb keine Aufteilung des Gewinns der GmbH bzw. AG, wenn deshalb wie im Urteilsfall der gesamte Verlust vollständig in das Vorjahr zurück getragen werden kann. Anders kann es aussehen, wenn vor dem Beteiligungserwerb ein Gewinn, danach jedoch ein Verlust erwirtschaftet wurde oder umgekehrt, aber auch dann, wenn der Verlust nur anteilig (oder gar nicht) zurück getragen werden kann und deshalb der Verlustvortrag anteilig zu kürzen ist. Die hier möglicherweise auftretenden Probleme lassen sich vermeiden, wenn die Übertragung der Anteile auf den Bilanzstichtag verlegt wird. In manchen Fällen lässt sich das gesetzliche Verlustabzugsverbot aushebeln, wenn die GmbH oder AG rechtzeitig vorhandene stille Reserven aufdeckt.
FG Münster, Urteil v. 217.2016, 9 K 2794/15 K, F
-
Erstattungszinsen für Gewerbesteuer als steuerpflichtige Betriebseinnahmen
349
-
Mündliche Verhandlungen zur Verfassungsmäßigkeit der Erbschaftsteuer
224
-
Antrag auf Aufteilung der Steuerschuld nach § 268 AO ist unwiderruflich
150
-
Sonderausgabenabzug für einbehaltene Kirchensteuer auf Kapitalerträge aus anderen Einkunftsarten
120
-
Vermietung an den Partner in einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft
95
-
Abschreibung für eine Produktionshalle
89
-
Wirksamkeit von nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens ergangenen „Erstattungsbescheiden“
88
-
Rückforderung von Kindergeld bei fehlendem Kontakt zum Kind
69
-
Nutzungs- oder Funktionsänderung eines Gebäudes
68
-
Steuerliche Behandlung von "Earn-Out-Zahlungen"
65
-
Kaffeefahrten unterliegen auch bei Verlusten der Margenbesteuerung
18.09.2026
-
Nutzung des Gesellschaftspostfachs erleichtert
17.09.2026
-
Alle am 17.9.2026 veröffentlichten Entscheidungen
17.09.2026
-
Kosten für ein außerhäusliches Arbeitszimmer
17.09.2026
-
Steuerbefreiung für ein Familienheim bei nur beabsichtigter Eigennutzung
17.09.2026
-
Steuerermäßigung für energetische Sanierung bei Miteigentum
16.09.2026
-
Sonderabschreibung nach § 7b EStG für getrennte Doppelhaushälfte
16.09.2026
-
Kein Vertrauensschutz in die Anwendung der Fünftelregelung
16.09.2026
-
Keine gesonderte Feststellung bei nur einem wirtschaftlich Beteiligten
16.09.2026
-
Schädliche Betriebsvorrichtungen für die erweiterte Kürzung
16.09.2026