Hoeneß muss trotz Selbstanzeige vor Gericht
Die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts München II habe die Anklage gegen den 61-Jährigen "unverändert" zugelassen, teilte die Pressestelle des Oberlandesgerichts München am Montag mit.
Der Planung des Gerichts zufolge muss Hoeneß damit vom 10. März an auf der Anklagebank Platz nehmen. Insgesamt sind bisher vier Verhandlungstermine angesetzt, zudem ist die Vernehmung von vier Zeugen geplant. Die Staatsanwaltschaft München II hatte Ende Juli Anklage gegen den 61 Jahre alten Vereinsboss erhoben.
Mit der Zulassung der Anklage erreicht die Steueraffäre des früheren Nationalspielers einen neuen Höhepunkt. Im April waren die Ermittlungen der Münchner Staatsanwaltschaft gegen Hoeneß wegen Steuerhinterziehung öffentlich bekanntgeworden. Der Bayern-Präsident hatte sich im Januar selbst beim Finanzamt angezeigt.
Trotz der Anklage soll Hoeneß Aufsichtsratsvorsitzender der Münchner bleiben, hieß es in einer Mitteilung. Am Montag brach er mit dem Team von Trainer Pep Guardiola zum Königsklassen-Spiel bei Viktoria Pilsen auf.
Am vergangenen Donnerstag habe die zuständige Wirtschaftsstrafkammer per Beschluss die Anklage gegen Hoeneß zur Hauptverhandlung zugelassen, teilte Gerichtssprecherin Andrea Titz weiter mit. Einzelheiten zum Anklagevorwurf könnten "aufgrund der besonderen Geheimhaltungspflichten in Steuerstrafverfahren" bis zur Verlesung des Anklagesatzes in öffentlicher Sitzung aber nicht mitgeteilt werden.
Hoeneß hatte sich im Januar beim Finanzamt angezeigt - kurz nachdem ein deutsch-schweizerisches Abkommen über eine Altfalllösung für Steuerflüchtlinge gescheitert war. Die Staatsanwaltschaft nahm monatelange Ermittlungen auf, in deren Zuge sie auch das Haus des Bayern-Präsidenten am Tegernsee durchsuchte. Gegen Hoeneß wurde auch ein Haftbefehl erwirkt, gegen Kaution blieb der Vereinschef jedoch auf freiem Fuß.
Hoeneß gab sein Fehlverhalten öffentlich zu: "Ich habe Riesenmist gebaut, aber ich bin kein schlechter Mensch", sagte er einmal in einem Interview. Noch Ende Juli zeigte sich der Bayern-Präsident optimistisch in seiner schwierigen Steuer-Causa. "Ich bin zuversichtlich, dass es eine gute Lösung gibt." Verbindungen seines Steuerfalls zum FC Bayern schloss Hoeneß übrigens stets kategorisch aus. Sein Schweizer Konto sei "ganz allein Uli Hoeneß" gewesen, beteuerte er.
Rückendeckung kam vom Bayern-Aufsichtsrat, dessen Chef Hoeneß ist. Der Aufsichtsrat des Sportvereins sei "einvernehmlich der Meinung, dass Uli Hoeneß das Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden der FC Bayern München AG trotz der nun erfolgten Eröffnung des Hauptverfahrens weiter ausüben soll", hieß es am Montag in einer Mitteilung.
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