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26.08.2014 | Top-Thema Pflegefall in der Familie und steuerliche Aspekte

Pflegekosten sind außergewöhnliche Belastungen

Kapitel
Pflege- bzw. Betreuung kostet viel Geld
Bild: MEV-Verlag, Germany

In unserer immer älter werdenden Gesellschaft rücken Themen wie Pflege und Unterbringung in einem Heim zunehmend in den Mittelpunkt. Nicht nur die Wahl der richtigen Pflegeform oder des Heims sind wichtig. Ein Pflegefall in der Familie bringt auch steuerliche Aspekte mit sich, die beachtet werden sollten.

Pflege hat viele Gesichter. Da gibt es z. B. die Hilfe, die täglich für eine Stunde vorbei schaut, einkauft und nach dem Rechten sieht, wenn das nicht mehr alleine erledigt werden kann. Andere brauchen nur Unterstützung bei der Körperpflege, kommen aber sonst noch gut alleine zurecht. Und wieder andere benötigen jemanden, der rund um die Uhr zur Verfügung steht. Wenn das Leben zu Hause trotz Unterstützung gar nicht mehr klappt, wird die Pflege in einem Heim fortgesetzt. Für ein "Heim" entscheiden sich jedoch nicht nur pflegebedürftige Menschen; mittlerweile gibt es die verschiedensten Angebote, z. B. betreutes Wohnen oder Wohngemeinschaften für Senioren.

Für welches Pflege- bzw. Betreuungsmodell auch immer Sie sich entscheiden, eines haben sie alle gemeinsam: Sie kosten Geld – und das teilweise nicht zu knapp. Es können Kosten anfallen für die Beschäftigung einer ambulanten Pflegekraft, die Inanspruchnahme von Pflegediensten, von Einrichtungen der Tages- und Nachpflege, der Kurzzeitpflege oder von nach Landesrecht anerkannten niedrigschwelligen Betreuungsangeboten und für die Unterbringung in einem Heim (R 33.3 Abs. 2 EStR 2012).

Für diese Pflegekosten gibt es steuerliche Erleichterungen, z. B. können sie als außergewöhnliche Belastungen nach § 33 EStG geltend gemacht werden. Allerdings ist der steuerliche Abzug von einigen Voraussetzungen abhängig.

Pflegebedürftigkeit

Voraussetzung für die Geltendmachung der Pflegekosten als außergewöhnliche Belastungen ist, dass die gepflegte Person zum begünstigten Personenkreis zählt. Dazu gehören pflegebedürftige Personen mit Pflegestufe I, II oder III und Personen, bei denen eine erhebliche Einschränkung der Alltagskompetenz festgestellt wurde.

Wer nicht zu diesen pflegebedürftigen Menschen gehört, aber kurzfristig auf Pflege angewiesen ist (z. B. wegen einer vorübergehenden Krankheit), kann die dadurch entstehenden Kosten ebenfalls als außergewöhnliche Belastungen geltend machen.

Krankheitsbedingte Pflegekosten

Pflegekosten sind nur dann abzugsfähig, wenn sie durch eine Krankheit bedingt sind. Altersbedingte Pflegekosten können nicht als außergewöhnliche Belastungen geltend gemacht werden; diese zählen zu den üblichen Kosten der Lebensführung und sind durch Grundfreibetrag und Altersentlastungsbetrag abgegolten.

Wichtig: Nur die Aufwendungen für Pflege und Betreuung gehören zu den außergewöhnlichen Belastungen. Wird z. B. bei einer Pflege zu Hause eine Pflegekraft auch für das Kochen, Waschen, Putzen usw. bezahlt, ist dieser Teil der Kosten nur im Rahmen der Steuerermäßigung des § 35a EStG abzugsfähig.

Zumutbare Belastung

Die Pflegekosten einer bedürftigen Person sind als außergewöhnliche Belastungen nach § 33 EStG abzugsfähig, allerdings nicht in voller Höhe:

  • Erstattungen / Zahlungen von Versicherungen oder anderen Stellen: Die Pflegekosten müssen um die entsprechenden Beträge gekürzt werden.
  • zumutbare Belastung: Pflegekosten gehören zu den außergewöhnlichen Belastungen allgemeiner Art. Das Gesetz verlangt, dass ein Teil der Aufwendungen selbst getragen werden muss – dieser Eigenanteil heißt hier zumutbare Belastung. Nur Kosten, die über die zumutbare Belastung hinausgehen, sind als außergewöhnliche Belastungen abziehbar. Wie hoch die zumutbare Belastung ist, hängt davon ab, ob derjenige, der die Kosten geltend macht, verheiratet ist, ob er Kinder hat und wie hoch der Gesamtbetrag der Einkünfte ist.

Beispiel: Herr Serff ist in Pflegestufe I, für einen ambulanten Pflegedienst fallen Pflegekosten in Höhe von jährlich 20.000 EUR an. Davon übernimmt die Pflegeversicherung 8.000 EUR. Herr Serff ist verheiratet; für die studierende Tochter erhält er Kindergeld. Der Gesamtbetrag der Einkünfte der Ehegatten Serff liegt bei 45.000 EUR. Die zumutbare Belastung beträgt 3 % von 45.000 EUR = 1.350 EUR. Von den 12.000 EUR Pflegekosten können deshalb nur 10.650 EUR als außergewöhnliche Belastungen geltend gemacht werden.

Ob die zumutbare Belastung verfassungsgemäß ist, prüft derzeit der BFH (Az VI R 32/13). Wer Pflegekosten bzw. Krankheitskosten geltend macht, sollte deshalb darauf achten, dass der entsprechende Bescheid vorläufig ergeht (BMF, Schreiben v. 10.6.2014). 

Steuerermäßigung für haushaltsnahe Dienstleistungen

Bei Pflege zu Hause kommt für den Teil der Kosten, der aufgrund der zumutbaren Belastung nicht berücksichtigt wird, die Steuerermäßigung nach § 35a EStG für haushaltsnahe Dienstleistungen bzw. Beschäftigungsverhältnisse in Betracht. Das gilt auch für altersbedingte Pflegekosten und hauswirtschaftliche Leistungen, die nicht als außergewöhnliche Belastungen geltend gemacht werden können.

Beispiel: Herr Serff kann wegen der zumutbaren Belastung von seinen Pflegekosten 1.350 EUR nicht als außergewöhnliche Belastungen absetzen. Für die Pflege- und Betreuungsleistungen des ambulanten Pflegedienstes steht ihm die Steuerermäßigung des § 35a Abs. 2 EStG zu. Herr Serff kann deshalb 20% von 1.350 EUR = 270 EUR geltend machen.

Pflegekosten oder Behinderten-Pauschbetrag?

Behinderte Menschen können für ihre behinderungsbedingten Aufwendungen den Behinderten-Pauschbetrag bekommen. Mit ihm sind laufende und typische Aufwendungen für die Hilfe bei den gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen des täglichen Lebens, für die Pflege und für einen erhöhten Wäschebedarf abgegolten. Wird der Behinderten-Pauschbetrag in Anspruch genommen, sind daneben keine Pflegekosten absetzbar (§ 33b Abs. 1 Satz 1 EStG, R 33.3 Abs. 4 EStR 2012).

Im Einzelfall kann es sich deshalb lohnen, auf den Behinderten-Pauschbetrag zu verzichten und stattdessen die Pflegekosten geltend zu machen (z. B. bei sehr hohen Pflegekosten aufgrund einer Heimunterbringung); behinderungsbedingte Aufwendungen und Pflegekosten müssen dann allerdings im Einzelnen nachgewiesen werden.

Andrea Kutschera, Assessorin und Fachjournalistin (DFJS)

Teilstationäre Pflege, Häusliche Pflege, Pflege-Pauschbetrag, Pflege, Vollstationäre Pflege, Familiäre Pflege, Einkommensteuer, Außergewöhnliche Belastung

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