| DAK-Gesundheitsreport

Frauen melden sich öfter krank als Männer

Männer melden sich weniger krank als Frauen, fehlen dafür aber länger.
Bild: Michael Bamberger

Frauen fehlen häufiger bei der Arbeit aufgrund von Krankheiten als Männer. Dies geht aus dem DAK-Gesundheitsreport 2016 hervor.

Sind Frauen und Männer unterschiedlich krank? Nach dem DAK-Gesundheitsreport sind die Unterschiede groß. Erstmals wurden umfassend die Geschlechterunterschiede bei krankheitsbedingten Ausfalltagen und ihren Ursachen analysiert. Die DAK wertete hierfür den Krankenstand von rund 2,7 Millionen erwerbstätigen Versicherten aus. Zusätzlich wurden mehr als 5.000 Frauen und Männer im Alter von 18 und 65 Jahren durch das Forsa-Institut befragt.

Frauen fehlen öfter - aber kürzer 

Im vergangenen Jahr fehlten Frauen 14 Prozent häufiger bei der Arbeit als ihre männlichen Kollegen. Es fehlten täglich 44 von 1.000 Frauen bei der Arbeit, bei den Männern waren es 39. Die Dauer der Krankmeldung ist bei weiblichen Berufstätigen allerdings im Durchschnitt kürzer ausgefallen. Männer gingen insgesamt weniger zum Arzt. Während Frauen im Schnitt sieben Mal den Arzt aufsuchten, waren Männer 4,2 Mal in der Arztpraxis.

Höchster Krankenstand seit 16 Jahren 

Nach dem Gesundheitsreport der DAK erreichte der allgemeine Krankenstand den höchsten Wert seit 16 Jahren.: 50,4 Prozent der Befragten ließen sich mindestens einmal krankschreiben. Die meisten Ausfalltage verursachten sogenannte Muskel-Skelett-Erkrankungen, wie beispielsweise Rückenschmerzen. Aber auch psychische Leiden nahmen leicht zu.

Geschlechterspezifische Unterschiede sind größer als vermutet 

„Unser Report zeigt, dass der viel zitierte kleine Unterschied zwischen Frauen und Männern viel größer ist als gedacht“, sagt Herbert Rebscher, Vorstandschef der DAK-Gesundheit. „Die Ergebnisse verdeutlichen sehr genau, wo die Einflussfaktoren beim Krankenstand liegen und wie hoch der jeweilige Anteil bei den Geschlechtern wirklich ist.“ 

In vielen Branchen ist der Krankenstand bei Frauen höher. So beispielsweise in der öffentlichen Verwaltung und dem Gesundheitswesen. Ausnahme hier: Im Gartenbau und bei den Naturwissenschaften war der Krankenstand bei Männern höher (+ zwölf und + sechs Prozent).

Welche Erkrankungen zu Krankmeldungen führen 

Männer in allen Altersgruppen fehlten häufiger aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Frauen (+ 65 Prozent mehr Fehltage). Zwischen 45 und 64 Jahren leidet fast jeder zehnte Mann an einer koronaren Herzerkrankung. Auch bei Verletzungen sind mehr Fehltage bei Männern zu verzeichnen - knapp doppelt so viel, wie bei Frauen. Dies liegt laut DAK an unterschiedlichen beruflichen Tätigkeiten und der Risikobereitschaft. 

Bei den Erkrankungen zeigt sich, dass Frauen häufiger wegen psychischen Erkrankungen fehlen als Männer (+ 67 Prozent mehr Fehltage). Dies gilt insbesondere bei Depressionen und zeigt sich bei der Einnahme von Psychopharmaka ein: Antidepressiva wurden jeder elften Frau 2015 verschrieben, aber nur jedem zwanzigsten Mann.

Noch größere Unterschiede zeigen sich bei Krebserkrankungen (+ 74 Prozent mehr Fehltage bei Frauen). Allerdings ist das Risiko an Krebs zu erkranken bei Frauen und Männern etwa gleich. Männer erkranken hieran jedoch öfter im höheren Alter – ab etwa 60 Jahren. Sehr verbreitet ist dann Prostatakrebs. Bei Frauen sind Brustkrebserkrankungen verbreitet. Und das oft bereits im Erwerbsleben.

Auch Komplikationen in der Schwangerschaft wirken sich aus

Zwölf Prozent des Unterschiedes beim Krankenstand von Frauen und Männern basieren auf Komplikationen in der Schwangerschaft. Bei den 20 bis 24-jährigen Frauen sind sogar 73 Prozent des Unterschiedes beim Krankenstand auf Schwangerschaftskomplikationen zurückzuführen.

Krankmeldung bei Erkrankung des Kindes

Frauen arbeiten der Analyse nach in vielen Fällen in Berufen, bei denen sie mit offensichtlichen Krankheitssymptomen, wie beispielsweise einer starken Erkältung, nicht zur Arbeit gehen können. Mehr als die Hälfte der Frauen gab dies an (53 Prozent), aber nur 45 Prozent der Männer. Auch beim Thema Betreuung kranker Kinder scheinen Frauen die Hauptbelastung tragen zu müssen: 27 Prozent der Frauen haben sich bei einer Erkrankung des Kindes selbst krank gemeldet hat, weil sie sich nicht anders zu helfen wussten. Bei den Männern lag der Anteil nur bei 17,5 Prozent.

Frauen gehen bei Krankheit häufig trotzdem zur Arbeit (67 Prozent). Doch auch 60 Prozent der Männer zeigten trotz Krankheit Präsenz im Job. 

Studienergebnisse sind eine Chance für das Gesundheitsmanagement

Die Studienergebnisse werden von Experten als Chance für das betriebliche Gesundheitsmanagement und Vorsorgemaßnahmen gesehen. 

Hinweis: DAK-Gesundheitsreport 2016


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Schlagworte zum Thema:  Krankmeldung, Krankschreibung, Frauen

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