Mehr Geld für Behandlung schwerer psychischer Leiden
Nach massiver Kritik werden die Regeln zur Bezahlung von psychiatrischen Kliniken nachgebessert. So sollen Menschen, die zum Beispiel unter schweren Depressionen, Schizophrenie oder Suchtproblemen leiden, auch davor geschützt werden, frühzeitig entlassen zu werden.
Änderung des Entgeltsystems für die Psychiatrie und Psychosomatik (PEPP)
Die Spitzenorganisationen der gesetzlichen und privaten Krankenkassen und der Krankenhäuser vereinbarten eine entsprechende Änderung des umstrittenen Entgeltsystems für die Psychiatrie und Psychosomatik (PEPP). Das teilte der Kassen-Spitzenverband am Donnerstag in Berlin mit.
Kritiker bemängelten, das noch junge PEPP-System könne dazu führen, dass Patienten mit schweren Erkrankungen zu früh entlassen werden. In der Psychiatrie wird von den Kassen für jeden Aufenthaltstag eine Pauschale gezahlt - je nach Erkrankung sinken die Tagessätze während des Aufenthaltes. Nun sollen die Kliniken unter anderem ergänzende Entgelte für bestimmte Intensivbehandlungen und eine intensive Pflege abrechnen können.
Derzeit noch Streit über den Zeitpunkt der Einführung
Streit gibt es aber weiter darüber, ab wann das vor zwei Jahren eingeführte System verpflichtend für alle rund 580 psychiatrischen und psychosomatischen Kliniken gilt (s. News v. 19.06.2012). In diesem Jahr ist es den Kliniken noch freigestellt, ob sie mit dem neuen System abrechnen wollen.
Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Georg Baum, sagte der Nachrichtenagentur dpa: «Wir brauchen eine Verlängerung der Optionsphase bis 2017.» Für den Vizechef des Kassen-Spitzenverbands, Johann-Magnus von Stackelberg, wäre dies hingegen «vollkommen kontraproduktiv». Nur wenn die Häuser auf PEPP umsteigen, könne die Vergütung sachgerecht weiterentwickelt werden.
Derzeit rechnen 80 Häuser mit dem neuen System ab, davon mit jeweils 12 die meisten in Bayern und in Rheinland-Pfalz, gefolgt von Niedersachsen mit 8.
Die Grünen begrüßten die Änderungen, halten sie aber für unzureichend: «Zentrales Ziel muss es sein, die Versorgung zu verbessern und am individuellen Bedarf des Patienten auszurichten», sagte die Gesundheitsexpertin Maria Klein-Schmeink.
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