Mit einer digitalen Gesundheitsakte will die AOK das digitale Netz für ihre Versicherten ausbauen. Bild: Haufe Online Redaktion

Seit Jahren wird an einer elektronischen Gesundheitskarte rumgewerkelt. Widerstände gab es von verschiedenen Seiten. Inzwischen besteht die Befürchtung, dass die Technik sogar schon wieder veraltet ist. Die AOK will nun eigene Wege gehen.

Nachdem die Digitalisierung im Gesundheitswesen insgesamt nicht richtig vorankommt, wollen die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOKen) ihr eigenes Netzwerk ausbauen. Der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Martin Litsch, stellte am 10.10.2017 ein entsprechendes Pilotprojekt vor. «Das AOK-Gesundheitsnetzwerk besteht im Kern aus einer digitalen Akte. Diese solle die verschiedenen Leistungserbringer über die ambulanten und stationären Sektorengrenzen hinweg miteinander vernetzen», erläuterte Litsch.

Speicherung von Gesundheitsinformationen und Wearables-Daten

Dabei behielten die 26 Millionen AOK-Versicherten die Hoheit über ihre Daten. Das heißt, sie können ihre Gesundheitsinformationen, die von Ärzten und Kliniken bereitgestellt werden, einsehen und anderen Leistungserbringern zur Verfügung stellen. Außerdem bestehe die Möglichkeit, selbst erhobene Daten wie Messwerte von sogenannten Wearables, die regelmäßige Bewegung, Blutdruck oder Puls messen, in dem Gesundheitsnetzwerk zu speichern.

Digitale Gesundheitsakte soll Zusammenarbeit der Ärzte verbessern

Litsch verwies auf eine aktuelle Umfrage, nach der eine digitale Gesundheitsakte bei gesetzlich Krankenversicherten inzwischen eine große Akzeptanz finde. Danach halten es 82 Prozent der Befragten für sinnvoll, dass medizinische Daten in einer digitalen Gesundheitsakte gespeichert werden, so dass Ärzte in der Praxis und im Krankenhaus diese abrufen können. 85 Prozent sind der Meinung, dass sich durch eine digitale Gesundheitsakte die Zusammenarbeit von Hausärzten, Fachärzten und Kliniken verbessern lasse. «Die Zeit ist reif für solche Angebote», unterstrich Litsch.

Abstimmung unterschiedlicher digitaler Systeme

Es besteht die Befürchtung, dass die unterschiedlichen digitalen Systeme bei Ärzten oder anderen Leistungserbringern sowie bei den Kassen nicht zusammenpassen. Noch im August war das Bundesgesundheitsministerium Berichten entgegengetreten, wonach die elektronische Gesundheitskarte (eGK) als ein Element der Digitalisierung im Gesundheitswesen faktisch vor dem Aus stehe.

Gesundheitsministerium fordert gemeinsame Anstrengungen

Vielmehr sei Bewegung in die Umsetzung des elektronischen Verkehrs mit Gesundheitsdaten gekommen, hieß es im Ministerium. Die bisherigen Tests seien erfolgreich verlaufen, so dass im Herbst damit begonnen werden könne, bundesweit die Arztpraxen an das System anzuschließen. Das Ministerium forderte die Akteure im Gesundheitswesen zu gemeinsamen Anstrengungen auf, damit die mehr als 70 Millionen gesetzlich Versicherten nach mehr als zehn Jahren Entwicklung endlich über gesicherte IT-Netze kommunizieren könnten.

Kritik an der elektronischen Gesundheitskarte

Die AOK Bayern hatte damals erklärt, es sei «unsicherer denn je, wann die Gesundheitskarte die in sie gesetzten Erwartungen erfüllt». In Ärzteverbänden und gesetzlichen Krankenkassen hieß es, in der Bundesregierung gebe es Pläne, die eGK nach der Bundestagswahl für gescheitert zu erklären. Die eGK hat nach Berechnungen des Dachverbands der Innungskrankenkassen bis jetzt rund 1,7 Milliarden Euro an Kosten verursacht.

Auch aus den regionalen Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) kamen Zweifel an der Zukunftsfähigkeit der Gesundheitskarte. «Wenn man mit Fachleuten redet, hört man, das sei eine Technik, die eigentlich schon überholt ist», hieß es bei der KV Bayern.

Schlagworte zum Thema:  Digitalisierung, Gesundheitswesen

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