BARMER-Arztreport

Starker Anstieg von Endometriose-Diagnosen


Endometriose-Diagnosen steigen rasant

Die Anzahl der Frauen mit gesicherten Endometriose-Diagnosen hat sich in den vergangenen 20 Jahren in Deutschland mehr als verdoppelt. Das zeigt nun der BARMER-Arztreport 2026. Mehr dazu hier. 

Gab es im Jahr 2005 erst rund 230.000 Betroffene, waren es im Jahr 2024 bereits rund 510.000. Das geht aus dem aktuellen Arztreport der BARMER hervor, der heute in Berlin vorgestellt wurde.

Was ist Endometriose?

Bei der Endometriose handelt es sich um eine chronische, meist schmerzhafte Erkrankung, bei der Gewebe, welches der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutterhöhle wächst. 

Durchschnittsalter bei Diagnose sinkt endlich

Laut Arztreport sank das Durchschnittsalter der erstmals von einer Diagnose betroffenen Frauen im Zeitraum von 2015 bis 2024 um 3,8 Jahre auf 37,4 Jahre. „Endometriose ist viel stärker im gesellschaftlichen Bewusstsein angekommen. Somit wird die Diagnose früher gestellt, und für die Frauen entfallen Jahre der Ungewissheit.

Passgenaue und langfristige Therapie wichtig für Endometriose-Patientinnen

Wichtig ist, dass die betroffenen Frauen rasch eine passgenaue und langfristige Therapie erhalten, die sich stets auch an den individuellen Umständen orientiert“, sagte Prof. Dr. med. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der BARMER. Die Therapie müsse nicht nur die Symptome im Blick behalten, sondern auch mögliche Organschäden beispielsweise am Darm oder den Kinderwunsch betroffener Frauen berücksichtigen. Ziel sei, die Lebensqualität der Patientinnen zu verbessern. Das sehe auch die seit dem vergangenen Jahr aktualisierte Leitlinie zur Diagnostik und Behandlung der Erkrankung so vor. 

Krankenhausbehandlungen steigen deutlich

Frauen profitierten vor allem dann von dem Fortschritt bei den früher gestellten Endometriose-Diagnosen, wenn ihnen zeitgleich auch wirksame und passgenaue Therapien angeboten werden könnten. Das sei auch deswegen von besonderer Bedeutung, da die Krankenhausbehandlungen seit dem Jahr 2005 um mehr als 80 Prozent auf rund 38.000 Fälle angestiegen seien. „Aufgrund der aktualisierten Leitlinie könnte sich die Anzahl der Krankenhausbehandlungen bei Endometriose in den kommenden Jahren verringern. Anstatt der Bauchspiegelung mit Gewebeentnahme sieht sie nicht-invasive bildgebende Verfahren zur Erkennung vor“, sagte Studienautor Prof. Dr. med. Joachim Szecsenyi vom Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen.

Endometriose-Patientinnen haben überdurchschnittlich oft Begleiterkrankungen

Laut Arztreport haben Frauen mit der Diagnose Endometriose deutlich häufiger Begleiterkrankungen, als es ihrem Alter entsprechend zu erwarten gewesen wäre. Besonders ausgeprägt zeigte sich dies bei Schmerzdiagnosen. Bauch- und Beckenschmerzen wurden mehr als doppelt so häufig dokumentiert. Ebenso fanden sich überdurchschnittlich oft Diagnosen wie Migräne sowie Muskel-Skelett-Erkrankungen. Zudem litten die betroffenen Frauen auch häufiger an depressiven Episoden und Angststörungen.

„Die Ergebnisse des Arztreports belegen zwar, dass mit Endometriose keine erhöhte Sterblichkeit ein-hergeht. Allerdings leiden die betroffenen Frauen unter einer hohen Krankheitslast. Deshalb ist eine ganzheitliche Therapie erforderlich, zu der auch eine engere Kooperation zwischen Schmerz- und Endometriosezentren gehört“, betonte BARMER-Chef Straub. Eine passgenaue Therapie könne dazu beitragen, dass sich die Erkrankung nicht unnötig verschlimmere und die Folgen besser bewältigt werden könnten.

Regionale Unterschiede

Diese Behandlung müsse unabhängig vom Wohnort geschehen. Allerdings gebe es hier spürbare regionale Unterschiede. Dem Report zufolge liege die niedrigste Erstdiagnoserate auf Bundeslandebene in Thüringen mit rund 20 Prozent unter Bundesdurchschnitt und die höchste im Saarland mit zirka 20 Prozent über Schnitt. Zudem werde Endometriose verstärkt in dicht und weniger in dünn besiedelten Regionen diagnostiziert. Auch diese Unterschiede zeigten, dass bei der Endometriose noch weitere Aufklärungsarbeit erforderlich sei. Es sei davon auszugehen, dass viele Frauen von der Erkrankung keine Kenntnis hätten, weil sie diese für Regelschmerzen hielten.



BARMER

Schlagworte zum Thema:  Gesetzliche Krankenversicherung
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