Working-Out-Loud-Praktiker haben sich in Berlin zum Barcamp getroffen und die Debatte um die Methode unter dem Hashtag #WOLC18 ins Netz getragen. Trotz des intensiven Erfahrungsaustauschs blieben manche Fragen zu WOL unbeantwortet. Ein Rückblick vom Personalmagazin.

"Schön, dass man sich hier auf dem WOL-Camp persönlich sieht. Sonst kennt man sich ja nur von der Zweidimensionalität des Internets!" Die deutschsprachige Working-Out-Loud-Community trifft sich in Berlin vor der Kulisse der alten Schokoladenfabrik von Sarotti zum zweiten Working Out Loud Camp. Über dem Getränkestand steigt Kunstschnee auf. In diesem Weihnachtsmarktflair tauschen die Teilnehmer am Vorabendevent Freundlichkeiten aus, man unterhält sich über aktuelle WOL-Circle und jüngste Erfahrungen aus den eigenen Unternehmen. Natürlich vernetzt man sich über Social Media – soweit noch nicht vorab geschehen.

Auffällig in den Gesprächen: Immer wieder wird die Metapher vom Pflänzchen bemüht, das mit viel Pflege und Liebe zu etwas Großem und Wunderbarem heranwachsen könne, dafür aber im Untergrund erstmal seine Netzwerke spinnen müsse – WOL-Praktiker sehen ihre Community also weiterhin als Graswurzelbewegung an.

Erfahrungsaustausch und Weiterentwicklung der WOL-Methode

Mit der Pflänzchen-Metapher startet auch das eigentliche Barcamp am folgenden Tag in die Auftaktrunde: Jeder Unternehmensvertreter darf vorstellen, wie weit das Pflänzchen "WOL" bei ihm bisher gewachsen ist. Die rund 150 Teilnehmer beschäftigt besonders, wie man die Methode weiter vorantreiben könnte. 

In den anschließenden offenen Sessions, zu denen jeder beitragen kann, was gerade wichtig erscheint, geht es häufig um die Weiterentwicklung und Weiterverbreitung von WOL: Wie kann man im eigenen Unternehmen die Bedeutung von WOL auch auf Führungsebene bewusst machen? Wie kann man Personen motivieren, sich an einem Circle zu beteiligen? Wie könnte man den Erfolg oder zumindest die Auswirkungen von WOL plausibel erfassen und macht das überhaupt Sinn? Mit welchem Ziel wird WOL überhaupt angewendet?

Das "Wieso" von Working Out Loud klar zu kommunizieren ist eine große Herausforderung

Viele Sessions gehen dabei über den bloßen Erfahrungsaustausch hinaus, es scheint das Interesse durch, nicht nur neue Personengruppen für die Methode zu begeistern, sondern explizit an der Methode weiterzuarbeiten. In einer Session wird das Working-Out-Loud-Wiki und das Thema Co-Creation behandelt und wie man mit diesen Methoden das Wissen und die Erfahrungen sammeln und organisieren kann. In einer anderen Session wird getestet, wie man die Zielsetzung und die erste der  zwölf wöchentlichen Circle-Sessions methodisch optimieren kann. Eine weitere Session beschäftigt sich mit KPIs und der Messbarkeit von Erfolg im Kontext von Working Out Loud. In der hier stattfindenden Diskussion wird schnell deutlich, dass die Meinungen zu Erfolgsmessungen in der sonst eher übereinstimmenden Teilnehmergruppe weit auseinandergehen: Ist es überhaupt sinnvoll "Erfolg" im Sinne von KPIs zu messen? Geht es nicht vielmehr um Auswirkungen? Um Erfolg zu erfassen, müsse man ja wenigstens ein einheitliches Ziel definieren, dessen Erreichen ein möglicher Indikator sein könnte - was jedoch bei oftmals divergierenden Interessenlagen im Unternehmen doch schwierig scheint.

Auch in vielen anderen Diskussionsrunden kommen diese Fragen nach dem "Warum?" und hiermit die Themen Purpose und Zielsetzung immer wieder auf: Wieso halte ich persönlich das Netzwerken im Sinne von Working Out Loud für sinnvoll? Wieso stehen wir als Gruppe oder Community hinter der Methode und wieso sollte auch unser jeweiliges Unternehmen die Methode unterstützen? John Stepper, der die Methode prominent ausgearbeitet hat, gibt in seiner Keynote eine schlichte und dennoch weitgreifende Antwort: "...to improve relationships to people, to ourselves and to our work." Wobei er immer noch im Unklaren lässt, was diese Verbesserung der Beziehungen im Einzelfall auszeichnet.

Was geschieht, wenn man den WOL-Circle durchlaufen hat?

Die Teilnehmer beschäftigen sich außerdem mit der konkreten Entwicklung von Anschlussmethoden an die bisherigen Circle: Im Vordergrund steht dabei, wie es weitergehen kann, wenn man den WOL-Circle schon einmal oder mehrfach durchlaufen hat. Auch John Stepper beschäftigt sich mit der Frage der Weiterentwicklung von WOL. In seiner Keynote stellt er dazu ein neues Konzept vor, an dem er momentan arbeitet und das demnächst erstmals erprobt wird. 

Trotz der dominanten Platzierung im Programm hält sich John Stepper selbst zurück, er will offensichtlich auf Augenhöhe mit seinen Mitstreitern arbeiten und mitdiskutieren. Dennoch wird ihm von den Teilnehmern einiges an Vertrauensvorschuss und Respekt entgegengebracht, sodass man ihn dennoch als Star der Veranstaltung bezeichnen kann.

Auch wenn die Ergebnisse der Veranstaltung bisher noch recht vage bleiben, wird deutlich, dass die Methode und die Idee hinter Working Out Loud zunehmends etabliert und weiterverbreitet und aus dieser Stellung heraus auch weiter vorangetrieben wird – sowohl in der grundsätzlichen Ausrichtung als auch in der praktischen Umsetzung. Die Präsenzveranstaltung in der offenen Form eines Barcamps scheint dafür ausgesprochen stimmig.

 

Das Working Out Loud Camp fand am 28. November 2018 im Schmelzwerk, Sarotti-Höfe, Berlin statt. Maxim Nopper-Pflügler aus der Redaktion des Personalmagazins hat das Barcamp besucht und berichtet darüber.

 

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