Der HR-Markt floriert und mit ihm Europas HR-Leitmesse in Köln: Die Zukunft Personal Europe erreichte vom 11. bis 13. September erneut einen Besucherrekord. Neuerungen und bewährte Formate sorgten in der Kombination für ein rundes Messeerlebnis. Ein Rückblick vom Personalmagazin.

Die Bilanz der Zukunft Personal Europe kann sich sehen lassen: 770 Aussteller, darunter 105 Start-ups, trafen vergangene Woche laut Veranstalter auf 18.015 Fachbesucher. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es 17.809 Teilnehmer. Die Fläche legte zwar kaum zu, doch dies hatte logistische Gründe: Die vier Messehallen waren komplett ausgebucht. Die Aussteller zeigten sich mehrheitlich sehr zufrieden mit der Messe: Die Geschäfte auf dem größten europäischen HR-Marktplatz liefen offensichtlich gut.

Executive Lounge erfolgreich lanciert

Der Veranstalter Sspring Messe Management hatte einige Neuheiten am Start, die das Publikum größtenteils annahm: Am ersten Messetag trafen sich auf dem CDO Executive Circle Top-Manager mit Chief Digital Officers – inklusive einer Begegnung mit dem WOL-Mitbegründer John Stepper. 16 Teilnehmer kamen in der „Executive Lounge“ zusammen und tauschten sich darüber aus, wer die Transformation in Unternehmen treibt, welche Rolle CDOs und CHROs spielen und wie die Zusammenarbeit aussehen sollte. Hermann Arnold war dabei für Haufe-Umantis vertreten.

Am zweiten Messetag lud das Peter Drucker Forum aus Wien nach Köln, um in einem geschlossenen „Executive Round Table“ über die Bedeutung von Robotern und KI für die Rolle des Menschen in der Arbeitswelt zu debattieren. Die Anwesenheit der Unternehmensvertreter aus dem C-Level stellte die Messeleitung im Marketing nach vorne, innerhalb des Messegeschehens blieben die Veranstaltungen im Hintergrund, zumal die meisten Vertreter keine Messestände besuchten.

Future of Work Village: Schöne Bürowelt lädt zum Networking ein

Als Messeneuheit kündigte der Veranstalter das „Future of Work Village“ an: Die ausgewiesene Fläche in Halle 2.1 gestaltete der neue Messe-Partner Design Offices. Das Ziel: Die Bürowelten sollten in Kombination mit den von Ausstellern dort präsentierten Tools die Zukunft der Arbeitswelt erlebbar machen. Nach welchen Kriterien die Anbieter dort platziert wurden, war allerdings nicht deutlich erkennbar. Somit blieb der Eindruck einer schön und bunt gestalteten modernen Bürowelt mit vielen Sitzecken und Besprechungskojen, die zum Verweilen und Netzwerken mit Gleichgesinnten einluden. „Bei aller Wertschätzung für modernes Arbeiten wirkt es teilweise wie Småland für Erwachsene. Ich hoffe, dass solche Umfelder den Unternehmen wirklich einen Mehrwert bringen und die Leute noch ernsthaft arbeiten“, sagte Michael Picard, HR-Managementberater und langjähriger Personalleiter von C&A, Metro Cash & Carry und Otto.

Die Blogger Lounge war in die neu gestalteten Bürowelten integriert und erreichte nach Meinung der Blogger in diesem Jahr noch mehr Zuschauer als zuvor. Die Präsentationsfläche verfügte zwar zunächst nicht einmal über einen Monitor und befand sich im Randbereich ohne Ausschilderung. Doch der Veranstalter baute im laufenden Betrieb um – und erntete für die agile Organisation Lob von Seiten der Blogger.

BGM Summit: qualitativ Top, quantitativ Flop

Lediglich der neue „BGM Summit – 360 Grad betriebliche Gesundheit“, der bereits am Vortag der Zukunft Personal Europe begann, hatte Anlaufschwierigkeiten: Mit rund 70 Besuchern blieb das Event quantitativ – vermutlich wegen hoher Eintrittspreise – unter den Erwartungen. Doch die Qualität stimmte: Mit dem Bauwerk Köln wählte der Veranstalter eine coole Location, in der die lockere Atmosphäre fürs Networking stimmte. 

Auch das Vortragsprogramm überzeugte mit prominenter Besetzung aus Querdenkern und BGM-Experten, praxisnahen Workshops und guten Praxisbeispielen. Auf dem Summit wurde zudem der Nachwuchs-Innovationspreis vergeben, der an Maik Hayer von der Deutschen Bahn ging – für ein digitales Lernprogramm zum ergonomischen Arbeiten bei der Güterbahninstandhaltung. Die hohe Vortragsqualität stand im deutlichem Gegensatz zum Begleitprogramm der Corporate Health Expo, das bis auf die Thementage der INQA beinahe ausnahmslos aus Anbietervorträgen bestand. Auch die versprochene Vielfalt an Ausstellern beschränkte sich auf die Themen BGF, Fitness, Ernährung, Benefits und Wellness.

Innovationen: Breite an der Spitze legt zu

Um die Innovationsstärke des Marktes sichtbarer zu machen, verlieh die Messe bereits zum dritten Mal den HR Innovation Award. Überrascht habe die Jury nicht so sehr die Anzahl der Einreichungen, sondern die hohe Qualität. „Die Breite an der Spitze der Innovation hat zugenommen“, betonte der Juryvorsitzende Prof. Dr. Stephan Fischer von der Hochschule Pforzheim. Darüber hinaus nutzten einige Aussteller die Messeplattform geschickt für die Einführung ihrer Produktneuheiten.

Deutschlands beste Jobportale 2018 vergeben

In der Recruitinghalle war die Stellenanzeige im neuen „Liquid Design“ von Stepstone ein bestimmendes Messethema. Auf der Future Stage Recruiting durften zahlreiche Job-Boards Preise für ihre Performance entgegennehmen. So etwa beim Gütesiegel „Deutschlands beste Jobportale 2018“, in das die Bewertungen von mehr als 31.500 Bewerbern und 11.500 Arbeitgebern eingeflossen waren. Bei den Generalisten-Jobbörsen landete Stepstone vor Regio-Jobanzeiger und den vier Drittplatzierten Xing, Stellenanzeigen.de, Jobware und Jobstairs. Bei den Spezialisten-Jobbörsen hatte Azubiyo die Nase vorne und verwies Youfirm sowie Vorjahressieger Jobvector auf die Plätze. Den Sieg in Sachen Jobsuchmaschinen mussten sich Indeed und Gigajob teilen. Erstmals hat es hier Stellenonline.de unter die Top 3 geschafft.

Permanent beta: Motto bleibt im Marketing stecken

Allein: Das Motto „work:olution – succeed in permanent beta“ war auf der Messe nicht wirklich zu entdecken. Konkrete Beispiele aus Unternehmen, die über erfolgreiche Transformationsprozesse und Dos und Don’ts im Changemanagement berichteten, blieben eher die Ausnahme – etwa auf der Bühne der Initiative Neue Qualität der Arbeit, die drei Tage lang ein hochkarätiges Programm lieferte. Doch insgesamt setzte der Marktplatz wenig neue inhaltliche Impulse jenseits der präsentierten Ausstellerinnovationen. Auch unter den elf Keynote-Speakern, die sich aufgrund von Doppelvorträgen auf neun Slots verteilten, waren drei Aussteller. Zudem tummelten sich spannende Szene-Persönlichkeiten bisweilen sogar abseits des offiziellen Programms an den Ständen der Anbieter. So hatte Xing beispielsweise ein eigenes Programm gestaltet.

Das Highlight der Messe war John Steppers Auftritt, der von der Szene gefeiert wurde. Der WOL-Gründer trat erstmals außerhalb der WOL-Community auf und stellte sein Konzept vor, das als Graswurzelbewegung in Konzernen große Erfolge erzielt. Eine neue Phase deutet sich allerdings an, mit der das Konzept über Zertifizierungen kommerzialisiert wird – was auf der Messe allerdings nur am Rande vorkam.

Fazit: Gelungenes Gesamterlebnis

Die Zukunft Personal Europe funktioniert als Marktplatz, möglicherweise auch ohne inhaltlich spektakuläre Akzente zu setzen. Die Messe ist ein großer Rummel und das eigentliche Motto lautet: netzwerken, sehen und gesehen werden. Für die Aussteller ist die Plattform ein Muss – wer hier nicht dabei ist, hat gegenüber Mitbewerbern schlicht Nachteile im Kampf um die Aufmerksamkeit der Kunden. Selbst die Blogger, die sonst für kritische Zwischentöne bekannt sind, fanden bisher an der  diesjährigen Zukunft Personal Europe kaum etwas auszusetzen. „Die Zukunft Personal gefällt mir von Jahr zu Jahr besser“, schrieb etwa Tim Verhoeven von Bearing Point auf NocheinPersonalmarketingBlog.blogspot.com.

Die Voraussetzungen sind somit gut für den im nächsten Jahr anstehenden 20. Geburtstag: Die Messe bespielt vom 17. bis 19. September 2019 noch einmal die gewohnten Hallen. Erst ab 2020 steht der nächste große Wachstumssprung mit dem Umzug in neue Hallen auf dem Kölner Messegelände auf dem Programm.

Schlagworte zum Thema:  Zukunft Personal