Debattierkurse zur Führungskräfteentwicklung
Führungskräfteentwicklung gehört zu den großen Dauerbaustellen der Personalentwicklung. Organisationen investieren viel in Programme, Trainings und Coachings – und dennoch bleibt oft unklar, was tatsächlich dazu führt, dass Mitarbeitende Führungsverantwortung übernehmen. Eine Studie liefert dazu einen überraschend konkreten Hinweis: Wer debattieren lernt, hat bessere Chancen, in Führung zu gehen.
Debattierkurse helfen, als Führungsperson wahrgenommen zu werden
Das Forschungsteam um Jackson G. Lu vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) untersuchte die Auswirkungen von Debattiertraining in zwei verschiedenen Experimenten. In einem Feldexperiment wurden 471 Mitarbeitende eines Fortune-100-Unternehmens in zwei Gruppen aufgeteilt. Die Fortune 100 sind die vom Fortune Magazine gekürten 100 umsatzstärksten und einflussreichsten Unternehmen der USA. Eine der beiden Gruppen absolvierte einen neunwöchigen Debattierkurs. Achtzehn Monate später hatten Personen aus dieser Gruppe laut Studienauswertung um rund zwölf Prozentpunkte häufiger eine Führungsposition übernommen als die Teilnehmenden aus der Kontrollgruppe, die kein Training erhielt.
Zusätzlich führte das Forschungsteam ein Laborexperiment mit 975 Teilnehmenden durch, die in Dreiergruppen eingeteilt wurden. In jeder Gruppe erhielt nach Zufallsprinzip vor dem Zusammentreffen jeweils eine Person ein 30-minütiges Debattiertraining, eine Person erhielt ein 30-minütiges Training zum Thema Kultur und eine Person durfte für den gleichen Zeitraum für sich allein tun, was sie wollte. Anschließend kamen die Gruppen in Zoom-Breakout-Rooms zusammen, wobei sie nicht offenlegen durften, was sie zuvor getan hatten, und gemeinsam an einer Aufgabe arbeiteten. Bei dieser Aufgabe ging es darum, die Aktivitäten eines Orientierungstags für neue Studierende zu planen. Dabei zeigte sich: Die Teilnehmenden, die das Debattiertraining absolviert hatten, wurden von den anderen Personen aus ihrer Gruppe deutlich häufiger als Führungspersonen wahrgenommen.
Zwar fand die Studie ausschließlich in einem US-Kontext statt, die Auswirkung des Debattiertrainings war aber unabhängig von Ethnie, Herkunft und Geschlecht nachweisbar. Dabei ist allerdings zu beachten, dass die Studie nur misst, wer als Führungskraft wahrgenommen wird und entsprechende Rollen übernimmt, und nicht unbedingt, wie erfolgreich diese Personen später führen.
Durchsetzungskraft als entscheidender Hebel
Die Forschenden führen die Auswirkungen auf eine Fähigkeit zurück, die Debattierkurse fördern: "Assertiveness", was als "Durchsetzungskraft" oder auch "Selbstbehauptung" übersetzt werden kann. Die Studie definiert Assertiveness als "anpassungsfähigen Kommunikationsstil, bei dem Personen ihre Gefühle und Bedürfnisse direkt ausdrücken und dabei gleichzeitig respektvoll gegenüber anderen bleiben". Debattiertraining zwingt Teilnehmende dazu, Stellung zu beziehen, Argumente zu strukturieren, auf Gegenargumente zu reagieren und auch unter Druck sprachfähig zu bleiben.
Anders als in klassischen Rhetoriktrainings geht es dabei nicht nur um Präsentation von Inhalten, sondern um das Austragen von Meinungsunterschieden – eine Fähigkeit, die im Führungsalltag zentral ist, zumindest in wettbewerbsorientierten Arbeitskulturen wie den USA und auch Europa. In Kulturen, in denen zurückhaltendere Kommunikationsstile stärker normiert sind, könnten die Effekte anders ausfallen.
Kommunikative Präsenz ist ein Zeichen von Führung
Damit rückt die Studie eine Kompetenz in den Mittelpunkt, die häufig unterschätzt wird: Führung entsteht nicht nur durch fachliche Exzellenz oder strategisches Denken, sondern auch durch Sichtbarkeit und kommunikative Präsenz. Wer sich einbringt und Position bezieht, hat folglich bessere Chancen, als Führungskraft wahrgenommen zu werden. Zugleich zeigt die Studie, dass sich diese Fähigkeit gezielt entwickeln lässt. Damit könnte Debattiertraining künftig ein wirkungsvoller Baustein von moderner Führungskräfteentwicklung sein.
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