Nähe und Sichtbarkeit im virtuellen Raum schaffen
Aus einer Notwendigkeit entstanden, wurden hybride Meetings lange als eine unvollkommene Alternative zum persönlichen Treffen betrachtet. Doch diese Sichtweise ist mittlerweile überholt - auch durch technologische Verbesserungen. Das bedeutet jedoch nicht, dass virtuelle Meetings automatisch wirksam sind. Im Gegenteil: Ohne klare Führung drohen sie unpersönlich, zerfasert oder gar ermüdend zu wirken. Deshalb sollten Führungskräfte hybride Meetings nicht als "Plan B", sondern als gleichwertigen Rahmen für Zusammenarbeit verstehen – und sie bewusst so gestalten, dass Nähe entsteht.
Sichtbarkeit bedeutet mehr als Kamera an oder aus
Laut einer aktuellen Umfrage von Jabra mit Yougov unter mehr als 1.000 Arbeitnehmenden in Deutschland schaltet nur knapp die Hälfte (49 Prozent) in Online-Meetings die Kamera ein. 69 Prozent von ihnen tun dies, um Meetings persönlicher zu gestalten und nonverbale Signale sichtbar zu machen. Doch fast zwei Drittel der Befragten empfinden eine Kamera in vielen Meetings schlicht nicht als notwendig und ein knappes Drittel fühlt sich durch das eigene Videobild am Bildschirm abgelenkt.
Das verdeutlicht: Sichtbarkeit erschöpft sich nicht in der Frage, ob die Kamera an oder aus ist. Im digitalen Raum entsteht sie auch durch andere Faktoren: durch klare Moderation, durch Strukturen, die Orientierung geben, und durch eine Gesprächskultur, die alle Stimmen einschließt. Nur so können Teams in remoten Settings Vertrauen aufbauen.
Sichtbarkeit hängt aber nicht nur von der Kultur, sondern ebenso von einer verlässlichen Infrastruktur ab: 28 Prozent der Befragten schalten ihre Kamera gezielt aus, um technische Probleme zu vermeiden – und 80 Prozent sind überzeugt, dass mangelhafte Technik ihre Arbeit spürbar behindert. Schlechte Audioqualität, instabile Verbindungen oder unzureichende Konferenzlösungen lassen Teilnehmende buchstäblich verschwinden – selbst wenn ihre Kamera eingeschaltet ist.
Remote Leadership: Nähe spürbar machen
Sichtbarkeit soll Zusammenarbeit erleichtern, nicht Kontrolle erzeugen. Für Führungskräfte bedeutet das, den Blick auf das eigentliche Ziel zu richten: Engagement im Gespräch. Gerade in hybriden Strukturen liegt hierin eine kulturelle Aufgabe. Remote Leadership bedeutet, psychologische Sicherheit zu schaffen, Vertrauen aufzubauen und digitale Räume so zu gestalten, dass Nähe spürbar wird. Damit verändert sich auch der Charakter virtueller Meetings: Aus bloßen Funktionstreffen werden echte Begegnungen.
Mit den folgenden Meeting-Prinzipien schaffen Führungskräfte Vertrauen im virtuellen Raum:
- Agenda und Briefing sorgen vorab für Orientierung: Eine klar formulierte Agenda und ein kurzes Briefing geben den Rahmen. Die Teilnehmenden wissen, was sie erwartet, können sich vorbereiten und fühlen sich ernst genommen. Wer vorbereitet ist, beteiligt sich aktiver – und wer vorbereitet wirkt, gewinnt an Glaubwürdigkeit.
- Moderation macht leise Stimmen laut: In virtuellen Räumen dominieren oft die Lautesten. Eine professionelle Moderation gleicht diese Dynamik aus: Stille Personen werden aktiv eingeladen, Pausen bewusst gesetzt, um Raum für Reflexion zu lassen. So entsteht eine Gesprächskultur, in der Vielfalt sichtbar wird und Respekt spürbar ist.
- Technik ermöglicht Gleichberechtigung: Unzureichende Audio- und Videoqualität auf beiden Seiten - sowohl im Konferenzraum als auch bei den remote Teilnehmenden - schwächen die Wirkung von Meetings massiv. Deshalb entscheidet die Verlässlichkeit der Infrastruktur darüber, ob alle gleichermaßen gehört und gesehen werden.
- Verbindlichkeit durch zeitliche Disziplin: Wer die Zeit anderer achtet, setzt das stärkste Zeichen für Wertschätzung und Professionalität. Ein pünktlicher Start, ein klarer roter Faden und konsequentes Timekeeping verhindern Frust und Leerlauf. Die Nachbereitung mit klaren Verantwortlichkeiten zeigt: Besprechungen enden nicht folgenlos.
Engagement wächst mit der Sichtbarkeit
Daten aus einer Studie von Jabra in Zusammenarbeit mit dem Behavioural Lab der London School of Economics zeigen, dass in Online-Meetings die sichtbaren Teilnehmenden doppelt so engagiert und 1,5-mal so fokussiert waren wie die schlecht oder gar nicht sichtbaren Teilnehmenden. Darüber hinaus sind sichtbare Teilnehmende expressiver in Mimik und Gestik und somit automatisch emotional präsenter.
Für Führungskräfte ist das ein wichtiges Signal: Sichtbarkeit ist keine Formalie, sondern eng mit Qualität und Produktivität verknüpft. Es geht dabei nicht nur um Aufmerksamkeit, sondern auch um die Tiefe der Verständigung.
Das könnte Sie auch interessieren:
Herausforderungen beim hybriden Arbeiten meistern
Konstanzer Homeoffice-Studie: Trend zu Präsenzpflicht geht zurück
-
Die besten Business Schools für Master in Management
66
-
Wenn KI das Coaching übernimmt
60
-
Microlearning: Definition, Beispiele und Mehrwert für Unternehmen
46
-
Psychologische Sicherheit: Erfolgsfaktor für Teamerfolg jenseits der Teamzusammensetzung
451
-
Die verschiedenen Führungsstile im Überblick
42
-
Nicht jeder Change ist eine Transformation
34
-
Mini-MBA: Gut und günstig, aber weniger wertvoll
32
-
So gelingt generationsübergreifende Führung
27
-
MBAs zum Schnäppchenpreis
27
-
Skill Management heißt Fähigkeiten identifizieren, einsetzen und entwickeln
25
-
Podcast Folge 72: KI-Schulung nachhaltig gestalten
27.01.2026
-
Initiative fordert Reform des Fernunterrichtsschutzgesetzes
21.01.2026
-
Weiterbildung wirksam machen
14.01.2026
-
Podcast Folge 71: Marktentwicklung Corporate Learning
13.01.2026
-
Die Gefühle bei der Machtübergabe
08.01.2026
-
Die Struktur- und Kulturentwicklung verzahnen
05.01.2026
-
Weniger Beschäftigte bilden sich weiter: Das sind die Gründe
02.01.2026
-
Mit Virtual Reality wird der Lernerfolg sichtbar
24.12.2025
-
Transfernachhilfe für Trainerinnen und Trainer
17.12.2025
-
Podcast Folge 70: Wie führe ich mich selbst als Führungskraft?
16.12.2025