Wuppertaler Kreis Umfrage: Prognose zu Weiterbildung

Das Jahr 2020 war für Weiterbildungsanbieter ein hartes Krisenjahr mit erheblichen Umsatzeinbrüchen, sowohl bei den offenen Seminaren als auch bei den unternehmensinternen Angeboten. Für das aktuelle Jahr rechnen sie nun mit steigenden Umsätzen - und mit einer weiter voranschreitenden Digitalisierung ihrer Angebote. Das zeigt die Verbandsumfrage des Wuppertaler Kreis e.V. unter seinen rund 50 Mitgliedern. 

Wie der Verband der Weiterbildungsanbieter "Wuppertaler Kreis" berichtet, mussten 92 Prozent der Verbandsmitglieder im Jahr 2020 Umsatzrückgänge hinnehmen - 41 Prozent sogar über 30 Prozent Umsatzrückgang. Gefragt nach dem erwarteten Jahresumsatz 2021 sagten 57 Prozent, der Umsatz werde steigen. Von den Optimisten rechnen 24 Prozent sogar mit einem Plus von mehr als zehn Prozent. 

Offene und unternehmensinterne Seminare brachen stark ein

Da die Mitglieder des Wuppertaler Kreises überwiegend Akademien sind, ist es nicht verwunderlich, dass der Hauptumsatzträger das offene Seminar ist. Bei diesem Format wurde im Krisenjahr 2020 ein Umsatzrückgang von 87 Prozent verzeichnet. 53 Prozent der Befragten beklagten sogar einen Rückgang von über 30 Prozent. Aber auch die firmeninternen Seminare brachen im Jahr 2020 ein. Gemeldet wird ein Umsatzminus von 79 Prozent. Dabei sprachen 42 Prozent sogar von einem Minus von über 30 Prozent.

Lediglich bei den Maßnahmen für öffentliche Auftraggeber (wie etwa Schulungen, die im Auftrag des Arbeitsamts oder nach dem Sozialgesetzbuch durchgeführt werden) fiel der Umsatzrückgang noch moderat aus und lag bei "nur" minus 30 Prozent. Allerdings führen lediglich 40 Prozent der befragten Bildungsanbieter solche SGB-Schulungen durch. Um die Krise zu überstehen, beantragten 60,5 Prozent der Akademien Kurzarbeitergeld und 18,4 Prozent wurden zusätzlich durch die Überbrückungshilfen des Bundes unterstützt.

Weiterbildungsbranche: viel Optimismus, aber auch negative Prognosen

Bei der Verbandsumfrage 2021 wurden die Mitglieder insbesondere gefragt, bei welchem Umsatzplus sie wohl am Ende des Jahres 2021 stehen werden. Danach gibt es bei vielen Anbietern Anzeichen für eine wirtschaftliche Erholung: Die Mehrheit der Weiterbildungsdienstleister geht davon aus, dass sich ihr Gesamtumsatz im Jahr 2021 gegenüber dem Vorjahr 2020 positiv entwickeln wird. 57 Prozent sagen, der Umsatz wird steigen. Von diesen Optimisten gehen 24 Prozent davon aus, dass der Umsatz sogar um mehr als zehn Prozent zulegen wird.

Elf Prozent sagen, der Umsatz 2021 werde auf Vorjahresniveau verharren. Ein Drittel der Anbieter rechnet mit zum Teil erheblichen Rückgängen, da viele Veranstaltungen weiterhin nicht in Präsenz durchgeführt werden können und ein Wechsel zu digitalen Formaten nicht für alle Bildungsangebote attraktiv erscheint. Bezogen auf das jeweilige Weiterbildungsformat sehen die Umsatzerwartungen für das gesamte Jahr 2021 so aus: Die Umsätze mit offenen Seminaren werden steigen (sagen 45 Prozent der Befragten), gleich bleiben (13 Prozent), sinken (34 Prozent). Die Umsätze mit firmeninternen Seminaren werden steigen (39 Prozent), gleich bleiben (26 Prozent), sinken (24 Prozent).

Veränderung der Arbeitswelt hat Einfluss

Die Teilnehmenden der Verbandsumfrage 2021 wurden auch aufgerufen, den Einfluss der Veränderung der Arbeitswelt auf die betriebliche Weiterbildung abzuschätzen. Folgende Thesen erhielten die meiste Zustimmung:

  • Die Nachfrage nach Weiterbildung zu Themen wie Digitalisierung von Arbeitsprozessen sowie Change Management wird steigen (93 Prozent).
  • Weiterbildungsdienstleister werden zu Formatexperten, die Inhalte und Kompetenzen je nach Situation der Kunden auf unterschiedlichen Plattformen anbieten (91 Prozent).
  • Aufgabe der Weiterbildung ist es, Beschäftigte zu unterstützen, die eigenverantwortlich, flexibel und agil ihren Arbeitsprozess gestalten (91 Prozent).
  • Bei der Herausforderung, Wir-Gefühl und Unternehmenskultur in der virtuellen Zusammenarbeit zu entwickeln, kann Weiterbildung Unterstützung leisten (89 Prozent).
  • Coaching von virtuellen Teams wird als Aufgabe für Weiterbildungsdienstleister an Bedeutung gewinnen (84 Prozent).
  • Eine Kernaufgabe für die betriebliche Weiterbildung ist der "Performance Support", die unmittelbare Unterstützung der Beschäftigten am (mobilen) Arbeitsplatz (81 Prozent).
  • Weiterbildung umfasst zukünftig auch, aus den Lernprozessen Daten für die betriebliche Personalentwicklung bereitzustellen (68 Prozent).
  • Firmeninterne Workshops und Seminare werden zukünftig nicht mehr in Präsenz, sondern üblicherweise in Form von Videokonferenzen durchgeführt (68 Prozent).

Die wichtigsten digitalen Weiterbildungsformate der Zukunft

Fast alle der befragten Experten gehen davon aus, dass die Pandemie ein tiefgreifender Einbruch ist, der die Weiterbildung grundlegend neu gestalten wird. Sie sind davon überzeugt, dass diejenigen Weiterbildungsdienstleister als Gewinner aus dieser Transformation hervorgehen, die schnell und flexibel ihre Angebote auf digitale Formate umstellen. Folgenden digitalen Innovationen in der betrieblichen Weiterbildung sagen die Mitglieder des Wuppertaler Kreises eine besonders hohe Bedeutung vorher:

  • Bereitstellung von Lernmanagementsystemen, die in die digitale Arbeitsumgebung integriert werden (90 Prozent).
  • Entwicklung von Lerninhalten für mobile Endgeräte wie Podcasts, Videocasts (84 Prozent).
  • Produktion von Lernvideos und kleinen Lernangeboten für firmeninterne Plattformen (79 Prozent).
  • Entwicklung von Simulationen (71 Prozent).
  • Durchführung von Großveranstaltungen und Tagungen in hybriden Online-Formaten (68 Prozent).
  • Personalisierte Lernangebote auf Basis der Analyse von Arbeitsergebnissen oder Online-Tests (68 Prozent).
  • Digitale Zertifikate für Weiterbildungsergebnisse wie "Open Badges" (66 Prozent).
  • Teamcoaching, Teamtrainings für virtuelle Teams (66 Prozent).
  • Onboarding-Programme für im Homeoffice oder mobil arbeitende Beschäftigte (61 Prozent).
  • Entwicklung von "Augmented Reality"-Angeboten, zum Beispiel mit Datenbrillen in der realen Arbeitsumgebung (56 Prozent).
  • Gamification, zum Beispiel Lernangebote in Spiel- oder Wettbewerbsform (50 Prozent).
  • Echtzeitanalyse von Arbeitsergebnissen (Data Analytics) als Beitrag zum Bildungscontrolling (44 Prozent).

Wuppertaler Kreis: Verband der Akademien

Der Wuppertaler Kreis e.V. mit Sitz in Köln nennt sich "Verband der führenden Weiterbildungsdienstleister der deutschen Wirtschaft". Zu ihm gehören rund 50 Anbieter beruflicher Bildung wie etwa die Akademie Deutscher Genossenschaften, das Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft, die Deutsche Bahn Training, Learning & Consulting, die Dekra Akademie, das Haus der Technik, die Provadis GmbH, die Technische Akademie Wuppertal oder die Tüv Süd Akademie.

Ein Mitglied des Wuppertaler Kreises, die Akademie für Führungskräfte der Wirtschaft GmbH in Überlingen, stellte zum 1. Februar 2021 die Geschäftstätigkeit krisenbedingt ein. In der Weiterbildungsszene wurde das als herber Verlust gewertet. 

Die vollständige, 35-seitige "Verbandsumfrage 2021" mit allen Informationen und Schaubildern zu den ermittelten Trend finden Sie auf der Webseite des Wuppertaler Kreises.


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