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Wissensarbeiter müssen sich neue Fähigkeiten aneignen - die Unterstützung hierbei ist Führungsaufgabe. Bild: Haufe Online Redaktion

Spezialistentum alleine reicht nicht mehr, um mit digitalem Wissen konkurrieren zu können. Wissensarbeiter stecken deshalb viel Energie in den Aufbau weiterer Kompetenzen. Dass Unternehmen sie hierbei unterstützen müssen, zeigt eine aktuelle Studie von Hays.

Mit der zunehmenden freien Verfügbarkeit von Informationen reift das Bewusstsein, dass Wissen ohne Handlungsbezug wenig wert ist. Zwar nimmt momentan der Grad der Spezialisierung von Wissensarbeitern noch zu, wie die Ergebnisse der Studie „Wissensarbeit im digitalen Wandel“ des Personaldienstleisters Hays belegen. Langfristig könnten aber, so wird befürchtet, gerade hoch spezialisierte Wissensarbeiter von Automatisierung und Outsourcing besonders bedroht sein.

"Die hier mitschwingenden Ängste sind teilweise nicht unbegründet, denn die Auswirkungen der technischen Entwicklungen sind noch nicht klar absehbar“, erklärt dazu Dr. Josephine Hofmann, Competence Center Business Performance Management bei Fraunhofer IAO. Fraglich ist ihrer Ansicht nach, ob durch die Digitalisierung entstehende Berufe die bisherigen Tätigkeiten vollständigen ersetzen können.

Verantwortung und Verständnis heißen die neuen Kompetenzen der Wissensarbeiter    

Gefragt sind daher gerade für Wissensarbeiter fachgebietsübergreifende Kenntnisse und Erfahrungen, um sich im digitalen Wettbewerb zu behaupten. Bei der Einschätzung, welche neuen Kompetenzen  für die Wissensarbeit benötigt werden, zeigen sich die von Hays befragten Fach- und Führungskräfte weitgehend einig: Die Wissensarbeiter sollen in der Lage sein, Verantwortung zu übernehmen, thematisch über den Tellerrand zu blicken und die Themen der Kunden zu verstehen. Zudem müssen sie fähig sein, ihr Wissen zu präsentieren, sich mit anderen zu vernetzen und sich selbst zu managen.

Weiterbildung der Unternehmen geht am Bedarf vorbei 

Gerade hierfür scheinen Wissensarbeiter im Unternehmen aber im Moment noch nicht aus – beziehunsgweise weitergebildet zu werden. Um den Kompetenzaufbau ihrer Mitarbeiter zu unterstützen, haben Unternehmen zwar in den vergangenen Jahren entlang der Prämisse des lebenslangen Lernens in  Weiterbildungsmaßnahmen investiert. Diese allerdings, so die Ergebnisse der Studie „Wissensarbeit im digitalen Wandel“, scheinen nicht den Bedarf der Wissensarbeiter zu adressieren.

Vielmehr geben in der Befragung 62 Prozent der befragten Wissensarbeiter an, sich selbst um ihre persönliche Kompetenzentwicklung zu kümmern, vor allem, wenn es um mentale oder eher weiche Kompetenzen jenseits ihrer rein fachlichen Fähigkeiten geht. Bei der Hälfte der befragten Wissensarbeiter geht die Eigenständigkeit bei ihrer Kompetenzentwicklung und Thementreue sogar so weit, dass sie diese selbst finanzieren. 59 Prozent tun das in ihrer Freizeit.

Weiterbildung wird zur Privatsache 

Auf die Frage, warum Wissensarbeiter ihre Weiterbildung heute als private Angelegenheit sehen, bieten die Studienverfasser verschiedene Erklärungen: Zum einen hätten die Wissensarbeiter in der Vergangenheit eher schlechte Erfahrungen mit den Weiterbildungsangeboten ihres Arbeitgebers gemacht. Sei es, weil die Inhalte zu standardisiert waren, den Bedarf der Wissensarbeiter nicht hinreichend berücksichtigten oder nur die Unternehmenssicht im Auge hatten. Zum anderen könnte den Wissensarbeitern auch im Beruf selbst nach wie vor zu wenig Zeit für die Weiterentwicklung zur Verfügung stehen.

Kompetenzerweiterung ist Führungsaufgabe  

Vor dem Hintergrund dieser zunehmenden Selbstverpflichtung der Wissensarbeiter gilt es, so die Studienautoren, für Unternehmen aufzupassen, langfristig nicht die Loyalität der Wissensarbeiter zu verlieren. Bevor mit Wissensarbeit beschäftigte Mitarbeiter sich nur um ihre Weiterentwicklung kümmern, sollten Arbeitgeber deshalb gegensteuern. Beispielsweise könnten Führungskräfte ihre Spezialisten in andere Abteilungen entsenden oder mit völlig neuen Aufgaben betrauen, damit sie ihr Kompetenzspektrum erweitern. Es gehe darum, neue Karrieremodelle und Anreizsysteme zu entwickeln, die den Wissensarbeiter in seinem Arbeitsverständnis besser erreichen – auch wenn das bedeute, eigene Regelwerke über Bord zu werfen.

Für Josephine Hofmann wird die Weiterbildung von Wissensarbeitern so zur Führungsaufgabe. Zwar könnten derzeit noch keine belastbaren Aussagen oder gar Quantifizierungen zu möglichen Entwicklungen der Wissensarbeit gemacht werden, betont sie, aber der Korridor sei neben rein technologisch bestimmten Faktoren auch stark von unternehmerischen Entscheidungen und Prioritäten abhängig. Dennoch ist Hofmann überzeugt: „Für Führungskräfte bedeutet dies, dass Entwicklungsfähigkeit von Mitarbeitern auch als Führungsaufgabe in Zukunft eine noch größere Bedeutung spielen wird.“


Zur Studie: 

Für die Studie "Wissensarbeit im digitalen Wandel. Neue Spannungs- und Handlungsfelder“ wurden von Hays 1.215 Menschen aus dem deutschsprachigen Raum befragt, je zur Hälfe Wissensarbeiter und Führungskräfte.

Zum kostenlosen Download gelangen Sie hier.

 

Schlagworte zum Thema:  Digitalisierung, Weiterbildung, Experte, Fachkräfte

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