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Netzwerke für Wissensaustausch und Inspiration werden ein neuer Bestandteil der Wissensarbeit. Bild: MEV-Verlag, Germany

Traditionelle Wissensarbeit wird durch die Digitalisierung ihren Stellenwert verlieren. Das zeigt eine aktuelle Studie. Doch neue Kompetenzen, insbesondere emotionale Intelligenz und soziologisches Wissen, könnten der Wissensarbeit neuen Mehrwert geben, meint Harald Schirmer von Continental.

Wissensarbeiter werden durch die Digitalisierung ihren gesonderten Stellenwert verlieren. Dafür sorgen vor allem immer intelligentere Software und künstliche Intelligenz, die die Bedeutung menschlichen Wissens langsam relativieren. Dies ist ein Ergebnis der Studie „Wissensarbeit im digitalen Wandel“ des Personaldienstleisters Hays. Befragt wurden dazu  1.215 Wissensarbeiter und Führungskräfte im deutschsprachigen Raum.


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Die befragten Führungskräfte sind sich weitgehend einig, dass im Zuge der Digitalisierung nicht nur die Automatisierung von Routineaufgaben deutlich zunehmen wird - angesichts der rasanten Entwicklung im Bereich der künstlichen Intelligenz werden ihrer Einschätzung nach auch wissensbasierte Tätigkeiten – also Aufgaben, die zwar Spezialwissen erfordern, aber nach ähnlichen Mustern ablaufen – zunehmend von Softwareprogrammen erledigt.

Digitalisierung macht bisherige Kompetenzfelder der Wissensarbeit zum Allgemeingut  

Harald Schirmer, Manager Digital Transformation & Change bei der Continental AG, bestätigt diesen Trend: "Wissensarbeit bestand viele Jahre darin, strukturierte Datenbanken zu erstellen und zu bewachen. Man kann das auch als Administration von Wissen bezeichnen."

In den vergangen Jahren, so Schirmer, hätten diverse digitale Möglichkeiten diesen Ordnungsaufwand deutlich verändert: Gleichgültig, ob das Suchmaschinen, Tagging oder bereits erste symantische Netzwerke waren – es sei immer weniger wichtig geworden, aufräumen und strukturieren zu können. Parallel entwickelte sich die Notwendigkeit für fast alle Menschen, selbst journalistische, investigative Kompetenzen aufzubauen - um im Fake-News-Dschungel oder der Informationsflut erfolgreich Antworten zu finden.

Nun sorge künstliche Intelligenz dafür, dass wir quasi "nur noch" nach Antworten fragen müssten - den Rest erledige die Technologie. Somit seien breite Kompetenzfelder der Wissensarbeiter zum Allgemeingut geworden und stellten keine besondere Kompetenz mehr dar.

Neuer Mehrwert der Wissensarbeit durch neue Kompetenzen

Gleichwohl sieht Schirmer Entwicklungspotential für Wissensarbeiter – die dann wieder gesteigerte Bedeutung für das Unternehmen erlangen können: "Wissensarbeit hat in den vergangenen Jahrzehnten stark gelitten und Ihren Wert nie richtig beweisen können. Ich sehe aber für Wissensarbeiter die Chance, in der digitalen Welt einen echten Mehrwert zu beweisen. Dafür müssen sie sich an die digitale Welt anpassen, Dynamik und Lernbereitschaft weiterentwickeln und ihr meist logikorientiertes Denken Richtung emotionale Intelligenz und soziologisches Wissen erweitern. Dann haben die 'Experten' die Chance, in der digitalen Welt eine wichtige Rolle zu spielen."

Neue Aufgaben in der Wissensarbeit

Bei der Gestaltung dieser Entwicklung sieht Schirmer vor allem die Wissensarbeiter selbst in der Pflicht: "In der Debatte um Technologietrends hört man häufig den Satz: 'Was geht, wird gemacht'. Dem liegt eine Mentalität zu Grunde, die ich für gefährlich halte. Wollen Wissensarbeiter also die Zukunft gestalten, müssen sie schnellstens die aktuellen Technologietrends verstehen und dann eine eigene Vision entwickeln, an der sich die Technologie orientieren kann. Für mich ist die große Veränderung in der Wissensarbeit jetzt nicht mehr den Fokus auf strukturieren und Antworten finden zu legen, sondern gute und sinnvolle Fragen zu stellen."


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Wissensarbeiter würden in viel mehr Gebieten (neu) gebraucht werden, meint Schirmer: "Big Data, Analytics, Szenarienforschung, Strategieberatung. Dafür brauchen sie jedoch wesentlich breiteres Wissen und müssen schneller lernen, sie müssen sich vor allem vernetzen."

Oft, sagt Schirmer, werde vergessen, dass gute Fragen aus Perspektiven- und Erfahrungsreichtum entstehen: "Wer nichts weiß, kann keine guten Fragen stellen. Arbeiten in Wissens- und Inspirationsnetzwerken ist für mich hierbei der Schlüssel. Vieles wird ersetzt, aber wache Geister werden auch viele neue Gestaltungsräumen und Wirkfelder finden. Um die Zukunft der Wissensarbeiter und Experten ist mir nicht bange."


Studie Wissensarbeit im digitalen Wandel: 

Zum kostenlosen Download der Studie "Wissensarbeit im digitalen Wandel. Neue Spannungs- und Handlungsfelder“ von Hays gelangen Sie hier.

Schlagworte zum Thema:  Fachkräfte, Digitalisierung, Experte

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