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Wie Führungskräfte mithilfe von "Story Telling" überzeugen

Bild: Haufe Online Redaktion

Zuletzt belegten einige Studien, dass die Mitarbeiter mit ihren Chefs unzufrieden sind.  Ein gewichtiger Faktor in der Führung ist auch, richtig zu kommunizieren. Wie Führungskräfte besser überzeugen können, haben Zukunftsforscher der EBS Business School untersucht.

Haufe Online-Redaktion: Sie haben eine Studie über Kommunikationsinstrumente in der Mitarbeiterführung ausgewertet. Welche Instrumente haben Sie dabei untersucht und welches konnte am besten abschneiden?

Rixa Kroehl: Wir haben klassische Instrumente wie Powerpoint-Vorträge und Memos mit dem Instrument "Story Telling" verglichen. Das "Story Telling" hat sich dabei als wesentlich effektiver und effizienter erweisen. Das heißt, das Gesagte kommt eher beim Mitarbeiter an und der Mitarbeiter versteht auch besser, was gemeint ist. In der Folge davon können Mitarbeiter die kommunizierten Ziele eher erreichen.

Haufe Online-Redaktion: Was genau verstehen Sie unter "Story Telling"?

Kroehl:Unter "Stories" verstehen wir Erzählstrukturen die auf Emotio wie Ratio gleichermaßen abzielen und zeitliche Strukturen bieten. Das lässt sich an einem einfachen Beispiel erläutern: Wenn man sagt, dass man eine Orange gegessen hat, die 78 Gramm wog, dann ist das eine sehr eindimensionale und rein auf Fakten basierende Aussage. Wenn man aber erzählt, wie saftig und süß die Orange war, dann prägt sich das ein und man spricht auch die emotionale Seite an.

Haufe Online-Redaktion: Nun ist der Berufsalltag aber von Fakten geprägt. Geschichten könnten da nicht ernst genommen werden…

Kroehl: Das ist richtig. Man kann das "Story Telling" nicht in Situationen anwenden, in denen es darum geht, kurze Informationen weiterzugeben. Im täglichen Business reicht eine neutrale Mail mit den wichtigsten Fakten. Wenn es aber darum geht, einen Veränderungsprozess anzustoßen, bei dem man die Mitarbeiter mitreißen will, sollte man kleine Geschichten in die Kommunikation einbauen. Denn dann steigert man die Motivation und das Commitment der Mitarbeiter – die Kommunikation wird nachhaltig.

Haufe Online-Redaktion: Wie kann ein Manager das "Story Telling" erlernen?

Kroehl: Emotionale Geschichten in die Kommunikation aufzunehmen, lässt sich nur zu einem gewissen Grad erlernen. Nicht jeder Manager hat Talent für eine persönliche und emotionale Ansprache. Nicht umsonst unterscheidet man zwischen Leadership und Management. Ein klassischer Manager wird kaum "Story Telling" einsetzen. Es wäre nicht authentisch, denn seine Mitarbeiter sind harte Fakten gewöhnt. Aber ein "Leader" sollte auf dieses Instrument setzen, um die Mitarbeiter emotional abzuholen.

Haufe Online-Redaktion: Verlieren Führungskräfte nicht an Autorität, wenn sie plötzlich hübsche Geschichten erzählen?

Kroehl:Davor haben tatsächlich einige Führungskräfte Angst. Aber wie gesagt, man kann und soll "Story Telling" nicht in allen Situationen einsetzen und es kann auch nicht jeder dieses Instrument einsetzen. Aber im Grunde ist diese Angst symptomatisch für einen Führungsstil, der wenig emotional und sehr faktenlastig ist. Führungskräfte vergeben sich so oft die Chance, ihre Mitarbeiter zu motivieren und für die Aufgaben zu begeistern.  

Das Interview führte Kristina Enderle da Silva, Redakteurin Personalmagazin.

Rixa Kroehl ist Projektmanagerin am Institute for Future Studies and Knowledge Management (IFK) der EBS Business School.

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