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| Wahrnehmungsfehler

Weil wir nicht sehen, was es zu sehen gibt

Fehler in der Wahrnehmung passieren ständig. Recruiter müssen sich dessen bewusst sein.
Bild: Haufe Online Redaktion

Ein Jahr lang hat ein australischer TV-Moderator jeden Tag den gleichen Anzug in der Sendung getragen – und keiner hat es gemerkt, während seine Ko-Moderatorin stets für ihre Mode in der Kritik stand. Ein weiterer Beweis dafür, dass ständig Wahrnehmungsfehler unterlaufen – auch in HR.

Lisa Wilkinson, die Moderatorin einer täglich ausgestrahlten TV-Show in Australien, beklagte sich vor gut einem Jahr darüber, dass sich die Zuschauer zu oft mit ihrer Kleidung beschäftigten. Ihre Fähigkeiten als Fernsehjournalisten dagegen wurden nicht beachtet. Das berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) in ihrer Online-Ausgabe. Der Ko-Moderator Karl Stefanovic beschloss daraufhin, täglich den gleichen Anzug zu tragen – was offensichtlich keiner der Zuschauer bemerkte. Für ihn steht nun fest: "Frauen werden viel härter danach beurteilt, was sie anziehen", zitiert ihn die FAZ.

Eignungsdiagnostik professionalisieren

Doch es ist nicht nur ein Thema der Chancengleichheit zwischen Mann und Frau, das die Australier damit ansprechen. Vielmehr lässt sich daran wieder einmal belegen, wie stark selektiv unsere Wahrnehmung ist. Für Recruiter kann es sich solch ein Wahrnehmungsfehler fatal auswirken: Sie entscheiden sich dann vielleicht für den falschen Kandidaten entscheiden und lassen die besten Bewerber zum Konkurrenten ziehen. Grund genug, sich dies immer wieder bewusst zu machen und zusätzliche eignungsdiagnostische Instrumente einsetzen, die solche Wahrnehmungsfehler ausgleichen oder reduzieren.

Wahrnehmungsfehler im Recruiting

Welche Wahrnehmungsfehler es gibt, hat Dr. Axel Schweickhardt im Personalmagazin aufgezeigt. Dazu zählt die bereits angesprochene selektive Wahrnehmung: Wir nehmen also bestimmte Dinge wahr und andere nicht – abhängig vom persönlichen Erfahrungsschatz. Außerdem entstehen Fehler bei der Projektion: Dabei werden eigene Eigenschaften auf den anderen übertragen. "Ist uns eine Person in einem wichtigen Merkmal ähnlich, übertragen wir gerne auch weitere eigene Eigenschaften auf diese Person", erläutert Schweickhardt.

Auch den Halo-Effekt sollte man bedenken: Dieser macht sich bemerkbar, wenn man eine besondere Eigenschaft des Gegenübers alle weiteren geradezu überstrahlt. Beispielsweise werden attraktive Menschen als intelligenter eingeschätzt. Auch passiert es häufig, dass Wahrnehmungen mit Bewertungen und Eigenschaften verknüpft werden – zum Beispiel ein konservativer Kleidungsstil wird mit Gewissenhaftigkeit verbunden. Und zuletzt entstehen Fehler, wenn die Wahrnehmung von Emotionen geleitet wird – selbst schwächere Emotionen lassen keine objektive Wahrnehmung zu.

Tipp: Weitere Hinweise von Dr. Axel Schweickhardt zu Wahrnehmungsfehlern in der Eignungsdiagnostik lesen Sie im Personalmagazin (im PDF ab Seite 31).

Haufe Online Redaktion

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