Die Grafik zeigt, wo Startups in Deutschland gedeihen. Neben der Gründer-Hochburg Berlin entstehen derzeit viele weitere regionale Startup-Zentren. Bild: Deutscher Startup Monitor 2017

Startups in Deutschland profitierten 2017 von einem Investitionsboom. Das deutsche Startup-Ökosystem gewinnt an Reife. Im internationalen Vergleich hinkt Deutschland in Sachen Entrepreneurship allerdings hinterher. Das zeigen verschiedene Erhebungen.

Im ersten Halbjahr 2017 stieg deutschlandweit die Zahl der Risikokapitalinvestitionen sprunghaft an – und zwar gegenüber der Vorjahresperiode um gut sechs Prozent auf 264. Der Gesamtwert dieser Investitionen hat sich sogar mehr als verdoppelt: Insgesamt wurden im ersten Halbjahr 2017 Investitionen im Umfang von fast 2,2 Milliarden Euro getätigt, das sind 123 Prozent mehr als in der Vorjahresperiode.

Im zweiten Halbjahr 2017 ging das Dealvolumen gegenüber dem Rekordwert des ersten Halbjahres zwar deutlich zurück, lag aber immer noch klar über den Volumina der zweiten Halbjahre 2015 und 2016. Die Zahl der Investitionen in deutsche Startups belief sich in der zweiten Jahreshälfte 2017 im fünften Halbjahr in Folge auf deutlich mehr als 200. Das geht aus dem Startup-Barometer von Ernst & Young (EY) hervor, das seit 2015 halbjährlich erscheint (Siehe auch Infografik: In deutsche Startups investiertes Risikokapital).

Deutsches Startup-Ökosystem gewinnt an Reife

Schon seit 2012 verfolgt der Deutsche Startup Monitor (DSM) die Entwicklungen der Startup-Szene in Deutschland. Im Oktober erschien der DSM, der vom Bundesverband deutsche Startups (BVDS) und KPMG herausgegeben wird, zum fünften Mal. Mehr als 1.800 Startups mit knapp 20.000 Mitarbeitern gewährten tiefe Einblicke in die deutsche Startup-Landschaft. Das positive Fazit der Studienautoren: Das deutsche Startup-Ökosystem gewinne an Reife. Das hat zur Folge, dass neben Berlin (das weiter unangefochten die „Startup-Hauptstadt“ ist) in vielen anderen Regionen weitere Startup-Zentren entstehen.

Weitere zentrale Ergebnisse den Deutschen Startup Monitors 2017:

  • Mehr als 80 Prozent der befragten Start-ups wollen im Ausland weiter wachsen – so viele wie noch nie. Attraktivstes Ziel sind vor allem EU-Länder.
  • Knapp 64 Prozent der befragten Start-ups stimmen (voll und ganz) zu, dass die deutsche Gründer-Szene durch Zuwanderung profitiert. Fast 29 Prozent der Start-up-Mitarbeiter sind keine deutschen Staatsangehörigen. In Berlin liegt der Anteil sogar bei fast 48 Prozent.
  • 67 Prozent der Start-ups kooperieren mit anderen Start-ups (2016: 53,4 %). Mit etablierten Unternehmen gehen bislang jedoch nur 50 Prozent der Befragten eine Zusammenarbeit ein.

Entrepreneurship international: Deutschland nur auf Platz 15

Im internationalen Vergleich steht das deutsche Startup-Ökosystem allerdings noch nicht so gut da. Globale Erhebungen, wie der Global Entrepreneurship Monitor (GEM) und der erst jüngst wieder erschienene Global Entrepreneurship Index (GEI), zeigen, dass andere Länder bessere Rahmenbedingungen für Gründer („Entrepreneurship Ecosystem“) haben. Beispielsweise liegt die Schweiz beim GEI weltweit auf Rang zwei (hinter den USA). Auch andere europäische Länder, wie Dänemark, Schweden oder Frankreich, liegen in dem Ranking deutlich vor Deutschland, das international nur auf dem 15. Platz landet.

Global Entrepreneurship Index 2018 (Auszug)

RangLand                                                                 GEI
1USA83.6
2Schweiz80.4
3Kanada79.2
4UK77.8
5Australien75.5
6Dänemark74.3
7Island74.2
8Irland73.7
9Schweden73.1
10Frankreich68.5
11Niederlande68.1
12Finnland67.9
13Hong Kong67.3
14Österreich66
15Deutschland65.9
16Israel65.4
17Belgien63.7
18Taiwan59.5
19Chile58.5
20Luxemburg58.2

Der GEI erhebt Daten zu Einstellung, Fähigkeit und Bestreben der lokalen Bevölkerung zum Unternehmertum und setzt diese in Beziehung zu sozialen Rahmenbedingungen und der wirtschaftlichen Infrastruktur. Daraus wird ein Indexwert zwischen 1 und 100 errechnet, der den Status des jeweiligen Entrepreneurship-Ökosystems vergleichbar machen soll. Insgesamt umfasst der GEI 137 Länder.

Vergleichsweise wenig Gründungsaktivität in Deutschland, trotz guten wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen

Auch beim Global Entrepreneurship Monitor (GEM), der die Entrepreneurship-Ökosysteme von 65 Ländern unter verschiedenen Gesichtspunkten vergleicht, schneidet Deutschland nicht gut ab. So liegt Deutschland  in der aktuellen Ausgabe (GEM 2016/2017) beispielsweise bei der „Total Early-stage Entrepreneurial Activity“ (TEA) auf dem drittletzten Platz (Rang 63 von 65). Bei den meisten anderen untersuchten Aspekten des Gründer-Ökosystems landet Deutschland auch nur im hinteren Mittelfeld (Entrepreneurship education at school stage: Rang 46, Entrepreneurship education at post school stage: Rang 47, Cultural & Social Norms: Rang 42, Physical Infrastructure: Rang 41). Lediglich bei den Punkten „Finanzierung“ sowie „wirtschaftliche und rechtliche Infrastruktur erreicht Deutschland einen guten 10. Platz. Und noch besser schneidet Deutschland in Sachen Entrepreneurship-Förderprogramme der Regierung ab: hier liegt Deutschland weltweit auf Platz 3.

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