Erste Bilanz zur E-Mail-Bremse bei Evonik
Im Jahr 2013 hatte das Spezialchemie-Unternehmen Evonik in Deutschland klare Unternehmensregeln für Vorgesetzte und Mitarbeiter zur mobilen Erreichbarkeit nach Feierabend in Kraft gesetzt. Die Vorgaben sollen Mitarbeiter vor möglichen Auswüchsen durch ständige Erreichbarkeit schützen und gelten für alle rund 21.000 Mitarbeiter von Evonik in Deutschland, die insgesamt mehr als 17.000 mobile Endgeräte nutzen.
Die Evonik-Regeln sehen einen Erreichbarkeitsrahmen vor, der zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern individuell vereinbart wird, um ein gemeinsames Verständnis von Arbeitszeit und Freizeit sicherzustellen. "Die jeweiligen Vorgesetzten sollen direkt mit ihren Teams über das Thema Erreichbarkeit sprechen. Sie sollen gemeinsam die passenden Wege finden und Freiräume schaffen. Das ist praxisnah und im Interesse aller Beteiligten", erläutert Thomas Wessel, Personalvorstand und Arbeitsdirektor von Evonik.
Die Evonik-Bilanz liest sich positiv
"Wir haben damit ein deutliches Signal gesetzt. Jetzt, rund ein Jahr nach dem Start, wissen wir: Die Botschaft ist angekommen. Die Erreichbarkeitsregeln haben sich bewährt. Es gibt viele positive Reaktionen aus der Belegschaft. Und Evonik kann das neue Bewusstsein nun auch mit Zahlen und Fakten belegen", bilanziert Wessel. Im Vergleich zu der Zeit vor der Einführung der Regeln hat sich das Mailaufkommen laut Evonik nachts und am Wochenende bereits deutlich reduziert. So hat sich zum Beispiel das E-Mail-Aufkommen am Wochenende in etwa halbiert. Ein sogenannter "E-Mail-Tacho" hilft dem Unternehmen, allgemeine Trends und grundlegende Tendenzen im elektronischen Datenstrom zu erkennen.
Ständige Erreichbarkeit als Führungsthema
Darüber hinaus hat Evonik das Thema auch zu einer zentralen Führungsaufgabe von Vorgesetzten gemacht. Eigenverantwortung und Entscheidungsfähigkeit der Mitarbeiter sollen unterstützt werden. Denn Probleme entstehen vor allem dann, wenn die gegenseitigen Erwartungen unklar sind, so das Credo. Evonik hat deshalb die Leitlinien eingeführt – ohne Mitarbeiter im Umgang mit E-Mails und mobilen Kommunikationsmitteln zu bevormunden.
"Uns geht es insbesondere da um Schutz, wo moderne Kommunikationsmedien als Belastung wahrgenommen werden. Mitarbeiter sollen im Feierabend nicht durch berufliche Kommunikation über Handy oder Smartphone gestört werden. Wir erwarten nicht, dass E-Mails in der Freizeit und im Urlaub bearbeitet und beantwortet werden. Ausnahmen gelten bei außergewöhnlichen Umständen oder Ereignissen, die es nötig machen, schnell zu reagieren", so der Arbeitsdirektor. In solchen besonderen Fällen soll der betreffende Mitarbeiter aber angerufen werden – um dem Gedanken gegenzusteuern, jeder Mitarbeiter müsse selbst in der Freizeit permanent auf wichtige Unternehmens-E-Mails achten. Führungskräfte haben die Erreichbarkeit auch deshalb intensiv im Blick und machen sie zu einem festen Thema in ihren Managementrunden.
Hinweis: Im Personalmagazin, Ausgabe 6/2014, können Sie nachlesen, welche Maßnahmen weitere Unternehmen getroffen haben, um die ständige Erreichbarkeit einzudämmen.
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