15.12.2016 | Soziale Kompetenzen

Soft Skills als Qualifikation für die digitale Arbeitswelt

Verglichen mit technischem Know-how scheinen Soft Skills den Studenten nicht sehr wichtig zu sein - Personaler sehen das offenbar anders.
Bild: Veer Inc.

Im Zeitalter der Digitalisierung ist hochspezialisiertes Fachwissen ausschlaggebend, sollte man meinen. Offenbar jedoch nicht nur, denn auch Soft Skills sind auf den internationalen Arbeitsmärkten gefragt. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Wirtschaftshochschule ESCP Europe.

Die Digitalisierung ist eine Medienrevolution. Medien wiederum sind Kommunikationskanäle. Kein Wunder also, dass die Kommunikationsfähigkeit im heutigen Berufsleben eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt. In einer aktuellen Umfrage der Wirtschaftshochschule ESCP Europe sagt eine Mehrheit der Berufsanwärter sogar, dass die Kommunikationsfähigkeit heutzutage der wichtigste Soft Skill überhaupt sei. Befragt hatten die Forscher vom Talent Management Institute der ESCP Europe 300 Personaler und Studenten in Deutschland und Italien.

Soft Skills sind bei Personalern gefragt

Die künftigen Arbeitnehmer sprechen scheinbar aus Erfahrung: Fast alle (94,6 Prozent) der befragten Studierenden gaben an, Soft Skills seien in ihrem letzten Praktikum wichtig bis sehr wichtig gewesen. Verglichen mit anderen, eher technischen Fähigkeiten messen die Studenten dem Thema Soft Skills allerdings eine weitaus geringere Bedeutung bei als Personaler: Von den befragten Studenten glaubte fast niemand (2 Prozent), das Thema Soft Skills sei im Vergleich mit technischen Know-how sehr wichtig - unter den HRlern waren es hingegen fast die Hälfte (48 Prozent). "Hier liegt eine große Diskrepanz in der Wahrnehmung sogenannter weicher Faktoren, die sich teilweise auch in den Softskill-Präferenzen der jeweils befragten Gruppen widerspiegelt", sagt Chiara Succi, Associate Professor für Strategy, Organizational Behavior and Human Resources an der ESCP Europe.

Unterschiedliche Einschätzungen zum Thema Soft Skills

Auf Platz eins steht bei den Studierenden die besagte Kommunikationsfähigkeit, während die befragten Personaler der Teamfähigkeit die höchste Bedeutung zumaßen. Erhebliche Abweichungen in den beiden Gruppen zeigt die Untersuchung der ESCP Europe allerdings auch: So gab eine Mehrheit der Studenten an, die Fähigkeit zum "netzwerken" sei im Berufsleben zentral, wohingegen die Personaler berufsethisches Verhalten, hohe Anpassungsfähigkeit, Kreativität und Innovationsfähigkeit sowie ein kunden- und nutzerorientiertes Handeln der Bewerber und Mitarbeiter hochschätzten.

Soziale Kompetenz wird wichtiger

Trotz der verschiedenen Auffassungen zur Bedeutung verschiedener Soft Skills ist die Kernaussage für die Co-Autorin der Studie klar: "Insgesamt kommen wir zu dem Ergebnis, dass sich die Bedeutung von Softskills in den letzten fünf bis zehn Jahren eindeutig erhöht hat", resümiert Michaela Wieandt, Associate Researcher am Berliner Talent Management Institut der ESCP Europe. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam kürzlich auch eine Studie der Fachzeitschrift "MIT Sloan Management Review", in der die Bedeutung von sozialen Kompetenzen in der Führung untersucht wurde. Eine solche Fragestellung scheint durchaus angebracht, denn laut der Unternehmensberatung Willis Towers Watson schneiden deutsche Führungskräfte beim Thema Soft Skills im weltweiten Vergleich schlecht ab. Um zumindest den Nachwuchs entsprechend vorzubilden, seien allerdings nicht nur die Universitäten und Hochschulen in der Pflicht, sondern eben auch die Unternehmen selbst, gibt Michaela Wieandt zu bedenken.

Schlagworte zum Thema:  Soziale Kompetenz, Soft Skills, Kompetenz

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