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28.01.2015 | Serie Kolumne Personalentwicklung

Plädoyer für eine Neuausrichtung von HR

Serienelemente
Bild: Thies Raetzke

HR muss sich neu positionieren – nicht weniger als diesen Vorsatz sollten Personaler dieses Jahr auf ihre Agenda setzen, fordert Berater Oliver Maassen. Welche Hausaufgaben dabei auf die Personalentwicklung zukommen, prognostiziert er in seiner heutigen Kolumne.

Ich wünsche Ihnen ein gutes und erfolgreiches Jahr 2015, denn wie immer am Beginn eines Jahres ist es die Zeit der Wünsche, der guten Vorsätze oder einfach der neuen Ziele. Für mich steht dieses Jahr inhaltlich ganz unter dem Vorzeichen der Neuausrichtung von Human Resources. Auch wenn ich selbst als Berater noch mehr Fragen als Antworten zu diesem Thema habe, so ist es doch virulent, dass wir Personalprofis eine Antwort auf die drängende Frage finden: Wofür steht HR ?

Halten wir erst noch einmal den Status Quo von HR fest: Das von Dave Ulrich propagierte Modell für HR hat den Praxistest – zumindest in Deutschland – nicht bestanden. Business Partner sind eher Administratoren der Linie als Sparringpartner auf Augenhöhe, die Expertise-Center erstarren, weil sie zu sehr im eigenen Saft kochen  und häufig den Kontakt zum Business verloren haben, nur die Shared-Service-Funktion läuft einigermaßen rund, zumindest wenn sie nicht vorschnell outgesourct wurde.

HR hat Opferrolle angenommen

HR hat sich in den vergangenen Jahren im Ausprobieren neuer Business-Modelle auch zu viel mit sich selbst beschäftigt. Zwar wurden dadurch respektable Einsparungspotenziale (oft an der falschen Stelle) erzielt, aber der Blick zum Kunden ging dabei zuweilen verloren. So hat der Kunde seine Probleme oft selbst lösen müssen  und ist damit gar nicht so schlecht gefahren.

Durch die beschriebene Entwicklung hat HR in den vergangenen Jahren an Reputation und strategischer Augenhöhe – so dies nicht schon immer mehr Wunschdenken als Realität war – verloren, sich zu stark mit Selbstorganisation beschäftigt und die Opferrolle angenommen, bei jeder Kosteninitiative vorbildlich sich selbst als erstes zu beschneiden. Von strategischem Weitblick auf globale Trends der Arbeits- und Gesellschaftssphäre und ihrer  Bedeutung für die Organisation war wenig zu sehen und auch in den operativen Kernthemen der Auswahl und Entwicklung von Mitarbeitern waren und sind nur sehr wenige neue und innovative Akzente erkennbar.

Hausaufgabe: Trends erkennen, analysieren und umsetzen

Die rasante Veränderung unserer Arbeitswelt läuft also weitgehend ohne die gestaltende Hand einer zukunftsorientierten Personalarbeit. Dass die oft beschworene "4.0-Welt" Auswirkungen  auf die konkrete Arbeitsgestaltung  in unserem Unternehmen hat, haben sich viele HR-Organisationen noch nicht ins Stammbuch geschrieben. Hier also liegt die erste Hausaufgabe für das Jahr 2015: Trends erkennen, analysieren und für die konkrete Unternehmenssituation umsetzen. Auf die Personalentwicklung sehe ich folgende globale Trends einwirken, zu denen ich im Laufe des Jahres in dieser Kolumne auch noch einzeln Stellung beziehen möchte:

  • Demokratisierung der Führung und damit eine neue Ausrichtung klassischer Führungskräfteentwicklung
  • Digitalisierung und den damit einhergehenden neuen Möglichkeiten zu Nachfolge- und Entwicklungsplanung oder des Online-Lernens
  • neurowissenschaftliche Erkenntnisse und deren Umsetzung in unseren Kompetenzmodellen, Diagnostik-Tools und Entwicklungsinstrumenten

Das ist natürlich nur ein kleiner und durchaus subjektiv gewählter Ausschnitt aus einer Vielzahl von Trends, die uns in den kommenden Jahren und Jahrzehnten zu beschäftigen haben.

Es ist aber die Kernaufgabe einer strategisch ausgerichteten Personalfunktion und insbesondere auch der Personalentwicklung Antworten darauf zu finden, wie mit diesen Umwälzungen und Transformationen umzugehen ist.

Wenn wir es schaffen,  Lösungen für die drängenden Fragen der Veränderung unserer Arbeitswelt in der Form zu liefern, dass die emotionale Bindung der Mitarbeiter ebenso steigt wie deren Produktivität, dann kann HR sich über das Generieren  von messbarem Mehrwert behaupten. Dazu wünsche ich uns allen 2015 ein gutes Händchen.

Kolumnist Oliver Maassen

Oliver Maassen ist seit 2013 Geschäftsführer der Pawlik Consultants GmbH. Zuvor war er unter anderem Bereichsvorstand und Personalchef der Unicredit Bank. In seinen früheren Funktionen verantwortete er die Bereiche Personal- und Organisationsentwicklung, Führungstrainings, Personalmarketing und Talent Management.

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