Mobil optimiert sind inzwischen die meisten Karriereseiten der 160 Dax-Unternehmen. Allerdings begehen sie oft einen Fehler beim Einbinden ihrer Stellenanzeigen auf der Webseite. Bild: Fotolia LLC.

Viele Unternehmen orientieren sich an den Dax-Vorbildern. Doch nicht immer taugen diese Vorbilder. Die neue Online-Recruiting-Studie von Wollmilchsau zeigt, wie gut die Dax-Karriereseiten hinsichtlich der "Candidate Experience" sind. Bei knapp der Hälfte ist ein grober Fehler vorhanden.

Es gibt einiges, was die Dax-Unternehmen gut machen im Online-Recruiting: So ist bei etwa 90 Prozent der untersuchten Webseiten der Karrierebereich mit nur einem Klick über die Startseite erreichbar – ein Faktor, der offensichtlich erscheint, aber lange von vielen Unternehmen vernachlässigt wurde.

Mobile Optimierung der Karriereseiten überwiegend vorhanden

Auch bei der Optimierung für mobile Nutzer schlagen sich die 160 Unternehmen aus Dax, Tec-Dax, M-Dax und S-Dax inzwischen gut: 80 Prozent der untersuchten Karriere-Webseiten sind mobil optimiert. Das entspricht einer Steigerung um 19 Prozentpunkte im Vergleich zu den Studienergebnissen aus dem Vorjahr. 

Bei 78 Prozent der untersuchten Karriereseiten ist zudem die Jobbörse mobil optimiert. Im vergangenen Jahr war dies bei nur 56 Prozent der Fall. Mobil optimierte Stellenanzeigen sind bei 71 Prozent der börsennotierten Unternehmen zu finden.

Mobile Bewerbung weiterhin oft nicht möglich

Allerdings fangen an dieser Stelle schon die Probleme an: So können potenzielle Kandidaten zwar meist mobil auf die Stellenanzeigen der Unternehmen zugreifen. Jedoch lassen weniger als die Hälfte der untersuchten Unternehmen (44 Prozent) auch eine mobile (Vor-) Bewerbung zu. 

Hinzu kommt, dass sich die Online-Bewerbungsformulare insgesamt nicht gerade als nutzerfreundlich beschreiben lassen. Im Durchschnitt sind immerhin zehn Pflichtfelder pro Formular auszufüllen. Dieser Wert wurde für Karriereseiten ohne obligatorischen Login vor Beginn des Bewerbungsprozesses erhoben.

One-Click-Bewerbung selten im Angebot

Des Weiteren ist eine One-Click-Bewerbung über Linkedin nur auf jeder fünften untersuchten Karriereseite möglich; über Xing ist eine One-Click-Bewerbung bei jeder siebten Seite möglich. Hier ist zwar ein leicht steigender Trend gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen – doch auf niedrigem Niveau. 

Des Weiteren verlangen 34 Prozent der Unternehmen, dass sich der Bewerber registriert, bevor er den eigentlichen Bewerbungsprozess beginnen kann.

Recruiting Analytics nicht konsequent umsetzbar

Auch ein technisches Detail wird weiterhin unterschätzt: Knapp die Hälfte der Unternehmen bindet ihre Stellenanzeige per als I-Frame, Pop-Up oder PDF-Datei ein oder überlässt dies Dritten (zum Beispiel dem Bewerbermanagementsystem). Besser wäre – was immerhin die andere Hälfte der Unternehmen verstanden hat -, die Stellenanzeige direkt in den Webseitencode einzubetten.

In diesem technischen Detail liegt ein grober Fehler: Zwar ist offenbar die meisten der untersuchten Unternehmen klar, dass sie ihre "Candidate Journey" konsequent messen sollten. Denn 81 Prozent von ihnen hat im Karrierebereich ein Analytics-Programm implementiert, um das Verhalten der Nutzer analysieren zu können. Jedoch ist die Analyse bei knapp der Hälfte der Unternehmen unterbrochen, wenn die Stellenanzeige nicht per Webseitencode auslesbar ist. Auch in die Suchmaschinen gelangen die Unternehmen erst, wenn sie die Anzeigen direkt einbinden.

Reichweite lässt zu wünschen übrig

Was die Reichweite der Karriereseiten angeht, gibt es eine weitere schlechte Nachricht: Im Schnitt erreichen die Dax-Unternehmen mit ihren Stellenanzeigen 78 Besucher pro Stelle. Die Studienautoren gehen aber – basierend auf Erfahrungswerten – davon aus, dass für eine erfolgreiche Besetzung der Position je nach Berufsbild etwa 500 bis 1.000 Besucher die Stellenanzeige aufrufen müssen. Berechnet wurde die Reichweite in der Studie mithilfe von "Similar Web Pro", indem die Gesamtzahl der auf den Stellenanzeigen generierten Visits durch die Zahl offener Stellen geteilt wurde.  

"Eine konsequent reibungslose und geräteübergreifende Candidate Journey ist noch immer der absolute Ausnahmefall", resümieren die Studienautoren von Wollmilchsau. "Dabei trifft jeder potenzielle Kandidat, der im Bewerbungsprozess verloren geht, die Dax-Unternehmen hart. Denn bei durchschnittlich weniger als 100 Besuchern pro Stellenanzeige ist davon auszugehen, dass längst nicht alle offenen Positionen zeitnah und zufriedenstellend besetzt werden können."


Die komplette Studie können Sie hier herunterladen:  

https://wollmilchsau.de/downloads/online-recruiting-studie-2017/

Schlagworte zum Thema:  Online-Recruiting, Recruiting

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