Viele Unternehmen orientieren sich an den Dax-Vorbildern. Doch nicht immer taugen diese Vorbilder. Die Online-Recruiting-Studie von Wollmilchsau zeigt, wie gut die Dax-Karriereseiten hinsichtlich der "Candidate Experience" sind. Im Vergleich zur Vorjahresstudie zeigen sich ein paar Rückschläge.

Es gibt einiges, was die Dax-Unternehmen gut machen im Online-Recruiting: So ist zum Beispiel bei 93 Prozent der untersuchten Webseiten der Karrierebereich mit nur einem Klick über die Startseite erreichbar – auch wenn noch immer nur 68 Prozent den Link direkt oben auf der Seite platzieren.

Mobile Optimierung im Online-Recruiting geht zurück

Bei der Optimierung für mobile Nutzer allerdings verzeichnet sich zum ersten Mal seit vier Jahren ein Rückgang. Zwar sind wie bereits im vergangenen Jahr 80 Prozent der untersuchten Karriere-Webseiten der 160 Unternehmen aus Dax, Tec-Dax, M-Dax und S-Dax auf mobile Nutzung optimiert. Allerdings waren 2077 noch bei 78 Prozent der untersuchten Karriereseiten auch die Jobbörsen mobil optimiert. Dieses Jahr sinkt der Anteil auf 73 Prozent und noch immer verfügen weniger als drei Viertel der DAX-Unternehmen über mobiloptimierte Stellenanzeigen.

Dabei muss man bedenken, dass der Anteil mobiler Zugriffe um mehr als zehn Prozent auf etwa 42 Prozent gestiegen. Die Bewerber nutzen also verstärkt die mobile Jobsuche, stoßen dabei aber nicht immer auf ein mobil optimiertes Angebot.

Mobile Bewerbung immer seltener möglich

Erschwerend kommt noch hinzu: Nur noch 39 Prozent (im Vergleich zu 44 Prozent im vergangenen Jahr) lassen auch eine mobile (Vor-)Bewerbung zu.

Zudem sind die Online-Bewerbungsformulare insgesamt nicht gerade als nutzerfreundlich zu beschreiben. Im Durchschnitt sind immerhin neun Pflichtfelder pro Formular auszufüllen. Dieser Wert wurde für Karriereseiten ohne obligatorischen Login vor Beginn des Bewerbungsprozesses erhoben.

One-Click-Bewerbung selten im Angebot

Des Weiteren ist eine One-Click-Bewerbung über Linkedin nur auf jeder fünften untersuchten Karriereseite möglich; über Xing ist eine One-Click-Bewerbung bei jeder sechsten Seite möglich. Hier ist zwar ein leicht steigender Trend gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen – doch auf niedrigem Niveau.

29 Prozent der Unternehmen verlangen außerdem, dass sich der Bewerber registriert, bevor er den eigentlichen Bewerbungsprozess beginnen kann. Das sind aber immerhin fünf Prozentpunkte weniger als im Vorjahr.

Recruiting Analytics nicht konsequent umsetzbar

Ein weiteres technisches Detail wird immer stärker unterschätzt: nur noch 27 Prozent binden ihre Stellenanzeigen direkt als HTML-Code ein. 2017 war es immerhin nur knapp die Hälfte, die die Anzeigen nicht als I-Frame, Pop-Up oder PDF-Datei eingebunden haben oder dies nicht Dritten (zum Beispiel dem Bewerbermanagementsystem) überlassen haben. Dabei ist eine direkte Einbindung hilfreich, damit die Stellenanzeigen von Suchmaschinen ausgelesen werden können und nur so kann die Candidate Journey sinnvoll vom Unternehmen evaluiert werden.

Zwar ist offenbar einigen der untersuchten Unternehmen klar, dass sie ihre "Candidate Journey" konsequent messen sollten, doch über die Hälfte von ihnen hat im Karrierebereich kein Analytics-Programm implementiert, um das Verhalten der Nutzer analysieren zu können. Hier könnten zum einen Relaunchs von Karriereseiten oder das Auslagern auf andere Jobboards dahinter stecken, wobei auch zu vermuten ist, dass viele Unternehmen von der neuen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) verunsichert sind.

Reichweite lässt zu wünschen übrig

Dies führt laut den Studienautoren dazu, dass die Reichweite weiterhin unter den Erwartungen bleibt: Im Schnitt erreichen die Dax-Unternehmen mit ihren Stellenanzeigen 93 Besucher pro Stelle, nur fünf mehr als im Vorjahr. Die Autoren von Wollmilchsau gehen aber – basierend auf Erfahrungswerten – davon aus, dass für eine erfolgreiche Besetzung der Position je nach Berufsbild etwa 500 bis 1.000 Besucher die Stellenanzeige aufrufen müssen. Berechnet wurde die Reichweite in der Studie mithilfe von "Similar Web Pro", indem die Gesamtzahl der auf den Stellenanzeigen generierten Visits durch die Zahl offener Stellen geteilt wurde. 

 

Zusammen mit der Studie wurden Handlungsempfehlungen formuliert, die Sie in der Checkliste für optimale Karriereseiten nachlesen können.

Die komplette Studie können Sie hier herunterladen: 

https://wollmilchsau.de/downloads/online-recruiting-studie-2018/

Die Vergleichsdaten von 2017 finden Sie hier:

https://wollmilchsau.de/downloads/online-recruiting-studie-2017/

Schlagworte zum Thema:  E-Recruiting, Recruiting