MBA als Gehaltsverdoppler

Der Master of Business Administration, kurz MBA, wird gerne als Karriereturbo angepriesen. Manche Business Schools geben sogar Gehaltssteigerungen von mehr als hundert Prozent an. Doch entspricht das auch der Realität?

Der bestbezahlte MBA-Absolvent in den USA kam im vergangenen Jahr von der Wharton School und verdiente 350.000 Dollar. Absolventen der "Harvard Business School" und der "Stanford Graduate School of Business" kamen jeweils auf ein Gehalt von bis zu 300.000 Dollar. Hinzu kam der Signing-Bonus (auch Sign-on- oder Sign-up-Bonus), also der Einstellungsbonus. Unter Wharton-Absolventen gab es bis zu 250.000 Dollar für Amerikaner und 150.000 Dollar für Ausländer.

Doch solche Zahlen sind die Ausnahme und vor allem typisch für die USA, wo der MBA so etwas wie ein Standard-Abschluss in Wirtschaft und dementsprechend bekannt bei den Unternehmen ist. In Deutschland ist eine Verdoppelung des Gehalts durchaus möglich, wenn auch nicht die Regel.

Gehaltssteigerung nach dem MBA hängt von vielen Faktoren ab

Das Einstiegsgehalt nach dem Studium hängt von vielen Faktoren ab: von der Branche, der Firmengröße, dem Land und natürlich auch von der Qualifikation und den bisherigen Erfahrungen. Wer zum Beispiel bereits einige Jahre im Finanzbereich oder im Consulting tätig war und nach dem MBA-Studium wieder dorthin zurückgeht, wird vermutlich mehr verdienen. Anders ist es, wenn man die Karriere wechselt. Dann geht es erst mal darum, in der Wunschbranche Fuß zu fassen, auch wenn das Einstiegsgehalt nicht gleich so hoch ist.

Die höchsten Gehälter gibt es generell im Finanzbereich bei Hedge Funds, Private-Equity- und Venture-Capital-Unternehmen sowie den etablierten Investmentbanken. An zweiter Stellen stehen die Consultingunternehmen. Deutlich weniger wird in der Konsumgüterindustrie, bei den Medien und natürlich bei den Startups bezahlt.

Auch bei berufsbegleitenden Programmen zahlt sich der MBA in der Regel aus. Laut dem letzten Ranking der Financial Times liegt der Gehaltsanstieg beim Executive MBA meist zwischen 40 und 60 Prozent. Beim "Kellogg-WHU Executive MBA" beispielsweise sind es 58 Prozent, bei der ESMT in Berlin 48 Prozent.   

Wichtiges Kriterium: die Reputation der Business School

Auch die Business School, an der das MBA-Studium absolviert wird, spielt eine wichtige Rolle. Gerade beim MBA zählt die Reputation der Schule mehr als der Titel. Absolventen von Topschulen verdienen in der Regel mehr – denn Personalmanager wissen, dass dort nur die Besten einen Studienplatz bekommen und die Ausbildung top ist. Allerdings ist auch an diesen Schulen die Gehaltsspanne sehr groß. An der "Harvard Business School" beispielsweise lag sie 2018 zwischen 41.800 und 300.000 Dollar.

Nicht alle Angaben zur Gehaltssteigerung sind korrekt

Vorsicht ist bei den Gehaltsangaben in den Rankings der Financial Times angebracht. Denn hier wird das in US-Dollar umgerechnete Gehalt entsprechend der Kaufkraftparität (Purchasing Power Parity, kurz PPP) an die lokale Kaufkraft angepasst. Und da man für einen Dollar in China oder Indien viel mehr kaufen kann als in Deutschland, führt das zu teils absurden Verzerrungen, von denen vor allem die Schwellenländer profitieren.

Genaue Zahlen darüber, was MBA-Absolventen einer Business Schools verdienen, findet man in den jeweiligen Employment oder Placement Reports der Schulen. Dort gibt es umfangreiche Informationen dazu, in welchen Branchen, Funktionen und Ländern die MBA-Absolventen arbeiten und was sie verdienen. Zu finden sind diese Reports auf der Website der Schule. Demnach verdienen zum Beispiel Insead-Absolventen in Deutschland zwischen 65.000 und 175.000 Euro.

Vor allem in Deutschland, wo der MBA nicht so verbreitet ist, fehlen oft detaillierte Angaben zu den Gehältern. Zudem sind die MBA-Klassen meist recht klein und die Zahlen daher nicht sehr aussagekräftig. Grundsätzlich gilt, dass internationale Konzerne offener gegenüber dem MBA-Abschluss sind und ihn höher einschätzen.


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