| Lohntransparenz

Interview: "Gehalt ist immer noch ein Tabu"

Produktmanagerin Sonja Perry erklärt, wie Glassdoor zur Gehaltstransparenz beiträgt.
Bild: Glassdoor

Die Bundesfamilienministerin wirbt um das Lohngleichheitsgesetz, das für mehr Transparenz und damit Gerechtigkeit in der Vergütung von Männern und Frauen sorgen soll. Das Arbeitgeberbewertungsportal Glassdoor ist dabei schon weiter, wie Produktmanagerin Sonja Perry zeigt.

Personalmagazin: Das Portal Glassdoor kommt aus den USA und gibt es seit Kurzem auch für deutsche Unternehmen und Nutzer. Der USP von Glassdoor ist die Möglichkeit zum Gehaltsvergleich. Kann das in Deutschland funktionieren, wo viele ungern über Gehälter sprechen?

Sonja Perry: Gehalt ist in der Tat etwas, über das niemand sprechen will – was aber jeden interessiert. Das hat eine unabhängige Befragung bestätigt, bei der wir von deutschen Arbeitnehmern wissen wollten, ob sie Gehaltsinformationen teilen würden. Nur 28 Prozent von ihnen sagten ja; im Vereinigten Königreich waren es hingegen 42 Prozent und 63 Prozent in Frankreich. Als wir die Mitarbeiter allerdings fragten, ob sie ihre Gehaltsinformationen anonym teilen würden, sagten 45 Prozent ja, während sich bei dieser Frage die Prozentzahlen im Vereinigten Königreich und Frankreich kaum änderten. Gehalt ist in Deutschland also immer noch ein Tabu, aber die Möglichkeit, anonym darüber zu sprechen, ändert das.

Personalmagazin: Die Anonymität erhöht jedoch das Risiko falscher oder übertrieben negativer Posts. Wie will Glassdoor Fake-Bewertungen vermeiden?

Perry: Wir können die Identität anonymer Nutzer nicht vollständig überprüfen. Aber wir verlangen von jedem Nutzer, dass er seinen Mitarbeiterstatus beim jeweiligen Unternehmen angibt und seine E-Mail-Adresse validiert, bevor wir seine Posts veröffentlichen. Dieser Prozess erlaubt es uns, verdächtige Nutzer und Posts zu identifizieren. Wir   greifen zudem als Moderatoren in die Diskussion ein, wenn unser Verhaltenskodex verletzt wird.

Personalmagazin: Inwiefern können denn die Arbeitgeber bei Glassdoor selbst in die Diskussion eingreifen – etwa, wenn sie sich ungerecht bewertet fühlen?

Perry: Wenn Arbeitgeber glauben, dass ein Kommentar nicht unseren Nutzungsbedingungen oder unserem Verhaltenskodex entspricht, können sie diesen an uns melden. Unser Moderatorenteam prüft dann den Kommentar. Mit einem Arbeitgeberzugang haben Unternehmensvertreter außerdem die Möglichkeit, auf Bewertungen zu antworten. Ein weiterer Ansatzpunkt ist es, die Mitarbeiter gezielt dazu zu ermutigen, das Unternehmen zu bewerten, um eine ehrliche Feedbackkultur im Unternehmen zu schaffen.

Sonja Perry ist Produktmanagerin für den deutschen Markt bei Glassdoor in San Francisco.

Das Interview führte Andrea Sattler, Redaktion Personalmagazin.

Hinweis: Im Personalmagazin, Ausgabe 04/2015, lesen Sie auch, welche Auswirkungen die Bewertungen auf Arbeitgeberbewertungsportalen für die Arbeitgeberattraktivität haben. Hier können Sie die Ausgabe als App für Ihr Tablet herunterladen.

Schlagworte zum Thema:  Vergütung, Gehalt, Lohn, Social Media

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