06.10.2015 | Konfliktmanagement

Damit es gar nicht erst zu Gewalt im Unternehmen kommt

Ein Arbeitskampf kann sich gegen Personaler richten. Dem sollte man mit Maßnahmen des Konfliktmanagements vorbeugen
Bild: Haufe Online Redaktion

Der Überbringer der schlechten Nachricht wird bestraft. Gerade Personaler sehen sich oft mit der antiken Regel konfrontiert. Doch nicht immer kommt es so weit wie bei Air France: Die Wut über Entlassungen schlug in Gewalt gegen den Personalchef um.

Demonstranten haben aus Wut über den drohenden Jobabbau bei der Fluggesellschaft Air France eine Sitzung des Betriebsrats gestürmt und den Personalchef Xavier Broseta angegriffen. Mit zerrissenem Hemd und nacktem Oberkörper flüchtete der Personalvorstand schließlich aus einem Handgemenge.

"Das Management von Air France verurteilt die körperlichen Gewalttaten entschieden", teilte das Unternehmen mit und kündigte eine Klage an. Während des Treffens in der Air-France-Zentrale am Flughafen Charles-de-Gaulle bei Paris hatte das Unternehmen seine Sparpläne den Arbeitnehmervertretern vorgestellt. Gewerkschaftsangaben zufolge sind 2.900 Stellen in Gefahr. 

Heftige Streikkultur trifft meist auch den HR-Manager

Die französische Streikkultur ist berüchtigt. Abgesehen von der Häufigkeit sollen die Streiks auch heftiger ausfallen als beispielsweise in Deutschland. Darum ist der Vorfall bei Air France nicht der erste. Schlagzeilen machten auch Angriffe auf vier Manager des amerikanischen Baumaschinenherstellers Caterpillar in der Vergangenheit. Sie wurden in Grenoble im Werk eingesperrt – darunter zwei Personalbeauftragte. Wie die "FAZ" weiter berichtet, nahmen auch Sony-Arbeiter 2009 ihren Manager sowie den Personalchef als Geisel, um gegen die Schließung eines französischen Werks zu protestieren.

Auch Cybermobbing betrifft Personaler persönlich

Körperliche Gewalt ist sicherlich die Ausnahme. Doch auch Cyber-Mobbing ist inzwischen eine Waffe im Arbeitskampf, die Personaler betrifft. So berichtete Blog-Autor und Rechtsanwalt Jan Mönikes beim Bundesverband der Personalmanager (BPM) darüber, dass Personaler bei Auseinandersetzungen im arbeitsrechtlichen Kontext immer öfter unter persönlichen Angriffen über Internet und soziale Medien leiden würden. Er gibt Tipps, wie man dagegen vorgehen kann (Die Präsentation können Sie hier abrufen).

Gewaltverhalten präventiv einschätzen

Was können Personaler gegen solche Übergriffe tun? Dr. Lynne McClure, Expertin im Bereich der Gewaltprävention, hat eine Typologie  für gewalttätiges Verhalten am Arbeitsplatz veröffentlicht. Sie kann helfen, das Verhalten präventiv einzuschätzen. Laut den acht Kategorien der Typologie sind auch Verhaltensmuster, wie das Beschuldigen anderer für eigene Fehler oder die Stressbewältigung durch Lügen, schon Indikatoren für mögliche Gewaltausbrüche. Die Verhaltenskategorien können Sie in einer Zusammenfassung auf dem Online-Portal "About.com", Teil des Unternehmens "The New York Times Company", abrufen.

Maßnahmen im Konfliktmanagement

Zusätzlich sind Maßnahmen des Konfliktmanagements geeignet, um vorzubeugen. So kann auch ein frühzeitig eingeschalteter Mediator dafür sorgen, dass die Fronten am und um den Verhandlungstisch nicht gleich verhärten. (Mehr dazu lesen Sie hier in einer News.)

Ein Modell zur konstruktiven Umsetzung von Betriebsänderungen, stellt außerdem das Wissenschaftsjournal "PERSONALquarterly" vor. Professor Wilfried Krüger von der Justus-Liebig-Universität in Gießen und Dr. Henrik Steinhaus, Geschäftsführer der ebenfalls in Gießen ansässigen Excellence in Change Gmbh, befassen sich damit, wie sich die bei großen Veränderungsvorhaben auftretenden Konflikte besser handhaben lassen. Den Artikel können Sie hier abrufen.

Von der umgekehrten Seite betrachtet die Psychologin Linda Schroeter das Thema: Sie gibt sieben Tipps, wie Konflikte garantiert eskalieren

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